Nachgefahren: Circuit de Monaco

»Monte Carlo ist wie mit dem Fahrrad durchs eigene Haus zu fahren«, sagte Nelson Piquet einmal über das Rennfahren auf dem »Circuit de Monaco«. Klingt aufregend. Und ist mit den Yachten im Hafen, dem Casino und dem Flair an der Riviera vor allem legendär. Grund genug, die einzigartige Formel-1-Strecke nach dem Rennwochenende selbst einmal abzufahren.
Text Michael Petersen
Bild Milan Schijatschky

Eine Formel 1-Rennstrecke mit Zebrastreifen. Fuß vom Gas, weil eine Dame im Pünktchenkleid passiert. Wo wir sind, wird der eine oder andere bereits erraten haben: mitten auf dem Boulevard Albert 1er, oder anders gesagt, auf der Start-und-Ziel-Geraden der Formel 1-Rennstrecke von Monaco. Nirgendwo sonst lässt sich ein Grand Prix-Kurs so leicht nachfahren, noch dazu kostenlos. Nach der Sainte-­Dévote geht es steiler bergauf, als es das TV-Bild vermittelt. Beau Rivage, Massenet, schon schauen wir auf eine Versammlung von Supersportwagen vor dem Kasino. Obwohl unser Auto frisch gewaschen ist, fordert ein streng dreinschauender Herr mit nachdrücklichem Winken zur Weiterfahrt auf.

Zwischen Mirabeau Haute und Mirabeau Bas das Grandhotel Hairpin. Die Formel 1-Fahrer schalten in den ersten Gang zurück. Wenig später der Tunnel unter dem Fairmont Hotel hindurch. Die Rennwagen schaffen knapp 300 km/h. Wir nicht. Tabac und Piscine. Mit Schwimmbad ist nicht der Jachthafen gemeint. Ihn sehen wir zur Linken, bis es gilt, die Rascasse anzubremsen. Zweimal rechts herum, der Kreis ist geschlossen. So eindrucksvoll die Runde ist, frei ist sie keinesfalls. Vespas und Wohnmobile, Skoda Kombi-Diesel und Lamborghini Aventador SVJ, Linien- und Reisebusse, alle vereint im Schneckentempo.

Wenig später der Tunnel unter dem Fairmont Hotel hindurch. Die Rennwagen schaffen knapp 300 km/h. Wir nicht.

In der Formel 1 teilen sich nur 20 Rennwagen 3,337  Kilometer Piste. Wie chaotisch muss man sich das vorstellen? Schnell mal bei Bernd Mayländer, Fahrer des Safety Car, nachfragen. Mayländer absolvierte in zwanzig Jahren 368 Safety Car-Einsätze und schüttelt sofort eine Geschichte aus dem Ärmel: »Skurril war ein Einsatz 2004. Vor dem Tunnel hatte ich das Feld im Rückspiegel, danach keinen mehr.« Nach Momenten der Ungewissheit sah Mayländer einen Ferrari mit abgeknicktem linkem Vorderrad aus der Dunkelheit schlittern. Was war passiert? Michael Schumacher hatte stark verzögert, um die Bremsen aufzuwärmen. Juan Pablo Montoya im Williams-BMW schob den Ferrari in die Leitplanken. Da war das Rad ab.

Wir unsere Runde auf allen vier Rädern, suchen erst einen Parkplatz (Glück gehabt)  – dann einen Kaffeehaustisch im Viertel La Condamine, unweit des Boulevard Albert 1er. Noch mehr Glück gehabt.

Die Fotografien stammen aus Milan Schijatschkys Archiv, ein Beitrag über den Fotograf und seine Aufnahmen aus der Formel-1-Historie ist in der ramp #51 erschienen.

WAS SOLLTE ICH MINDESTENS EINMAL MACHEN?
Einen Orangensaft im Yacht Club de Monaco bestellen. Das fürstliche Ambiente ist weit mehr als 15 Euro wert. Dann auf YouTube eine Onboard-Runde mit Ayrton Senna anschauen. Wilder geht Monaco nicht.

WORAUF MUSS ICH VERZICHTEN?
Auf eine gute Rundenzeit. Zum Vergleich: Die Trainingsbestzeit von Lewis Hamilton im Mercedes ist 1:10,116 Minuten. Nicht Stunden, wie bei uns.

SOUNDTRACK?
»Time Is on My Side« (Rolling Stones)
»Der Spieler« (Achim Reichel)


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