Neues Jahr, neue Zeit: der Uhrenguide für 2023

Wie kommt das Neue in die Welt? Dieser Frage widmet sich das Buch »Wer nicht sucht, der findet«, das 77 zufällige Entdeckungen vorstellt. Ein paar davon haben wir mal fröhlich visuell umgesetzt und mit den neuesten Uhrenmodellen kombiniert.
Text Michael Köckritz
Bild Steffen Jahn

Mal ganz nebenbei bemerkt: Rund 30 bis 50 Prozent aller Entdeckungen lassen sich auf Zufälle zurückführen. Ob Klettverschluss, Teflon, Post-it, Penicillin, Viagra oder Röntgenstrahlen – man findet etwas, was man so überhaupt nicht gesucht hatte. Der ursprüngliche Plan scheitert, doch dafür wird man mit anderem belohnt. So entpuppte sich dann ja selbst der Urknall nicht nur als ein Aha-Erlebnis für das Universum, sondern ein paar Milliarden Jahre später auch als eines für die Wissenschaft.

Im Englischen gibt es einen Begriff für diese Art der Überraschungs-Erkenntnisse: Serendipity. Für eine direkte Übersetzung könnte man es aus »serene« (heiter, gelassen) und »pity« (Missgeschick) ableiten: Man hat Pech, ist aber trotzdem gut drauf. Ein »glücklicher Zufall« eben. Allerdings nur, wenn man so eine Zufallsgelegenheit 1. überhaupt realisiert und 2. mit intelligenten Schlussfolgerungen als gute Option nutzt. Na ja, und dann kann man die Angelegenheit sogar mit Absicht angehen.

Erfindung: Panzerglas. Edouard Benedictus fiel 1903 ein Glaskolben herunter, der wegen des getrockneten Zelluloids darin nicht splitterte. Uhren (im Uhrzeigersinn): Omega De Ville Prestige Co-Axial Master Chronometer 6.100 Euro, Omega Speedmaster Dark Side of the Moon 12.900 Euro, Omega Seamaster Diver 300 8.600 Euro, Omega Speedmaster Chronoscope Co-Axial Master Chronometer 9.200 Euro.
Erfindung: Plastik-Zitrone. 1954 entwarf William »Bill« Pugh die Flasche in Zitrusform, die mit Konzentrat gefüllt wurde. Uhren (im Uhrzeigensinn): IWC Schaffhausen Big Pilot’s Watch Perpetual Calendar TOP GUN Ceratanium® 56.000 Euro, Breitling Chronomat 8.500 Euro, BREITLING Navitimer B01 Chronograph 8.400 Euro, IWC Pilot’s Watch Chronograph 9.300 Euro.

Bei Horace Walpole, dem Schöpfer des Begriffs, heißt das »by accidents and sagacity«. Das glückliche Zusammentreffen von Zufall und Frustrationstoleranz, Kreativität und Klugheit. Wissenschaftler sprechen hier in Verbindung mit Serendipität auch von »controlled sloppiness«, einem kontrollierten, dokumentierbaren, schlampigen Abweichen bei Versuchsanordnungen. Für den Klugen ist ein Irrtum eine Information, für den Dummen ist ein Irrtum ein Irrtum. Und Albert Einstein legte noch einen drauf: »Wenn wir wüssten, was wir tun, wäre es keine Forschung.«

Und idealerweise vertraut man vor allem seiner Kreativität. Der Soziologe und Gesellschaftstheoretiker Niklas Luhmann trifft hier den Kern. Er bezeichnet Kreativität auch als »Fähigkeit zum Ausnutzen von Gelegenheiten«, beziehungsweise als »Verwendung von Zufällen zum Aufbauen von Strukturen«.

Erfindung: Tastaturbelegung. Christopher Latham Sholes patentierte 1868 eine Schreibmaschine, für die QWERTY-Tastaturbelegung entschied er sich aus mechanischen Gründen. Uhren, von links nach rechts: ROLEX OYSTER PERPETUAL 5.650 Euro, ROLEX OYSTER PERPETUAL DEEPSEA 13.900 Euro, Tudor Ranger 2.550 Euro, Tudor Black Bay Pro 3.720 Euro.

Gerade Kreative experimentieren häufiger und scheitern häufig. Geniestreiche kommen nicht zustande, weil mehr gelingt, sondern weil man es öfter versucht, dazu Penetranz und Zähigkeit und der Mut, vieles auch mal fröhlich in den Sand zu setzen. Aber das eine ist eben ohne das andere nicht zu haben.

→ Weitere Uhren und glückliche Entdeckungen finden Sie in der rampstyle #27.


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