»New Horizon« Art Car BMW E3: Pop-Art auf vier Rädern

Ende der Sechziger war der E3 für BMW so etwas wie ein neuer Horizont: das größte und schnellste Auto, mit dem die Bayern den Marktführer herausforderten. Eine perfekte Basis für das Kunstprojekt »New Horizon«, an dem unter anderem der Pop-Art-Künstler Heiner Meyer beteiligt war.
Text Natalie Diedrichs
Bild Matthias Mederer

Er gilt als Kultobjekt mit zeitlosem Symbolcharakter, das immer wieder anregend Mut auf die Zukunft und den Wandel der Dinge machen soll – und die Menschen zum Lächeln bringt: Der »New Horizon« ist kein klassisches, von der BMW AG beauftragtes Art Car, sondern eine Herzensangelegenheit des Frankfurter Rechtsanwaltes Christian Zschocke. So rief der Kunstliebhaber und Automobilenthusiast 2016 eine renommierte Jury zusammen, die ein passendes Design für seinen 1969er BMW 2500 auswählen sollte.

Der Bielefelder Künstler Heiner Meyer überzeugte sie mit seinem grafischen und kunterbunten Entwurf – eine Anspielung auf den Zukunftsoptimismus der späten Sechzigerjahre. Gemeinsam mit dem Lackierer und Künstler Walter Maurer, der bereits die Art Cars von Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Co. betreute, brachte Meyer seinen Entwurf auf das Auto.

Im Interview schildert Meyer, welche Geschichten der New Horizon erzählt, worin der besondere Anspruch besteht, Skulpturen zu gestalten und wie ihn sein ungebrochener Wille, Künstler zu werden, nicht nur weit nach vorne, sondern auch an ganz besondere Orte brachte. Unter anderem zu Salvador Dalí.




Wie kam es zu diesem Design?
Zunächst einmal wollte ich auf die Zeit Bezug nehmen, in der das Auto hergestellt wurde. Also fragte ich mich: Was interessiert mich? Was ist eigentlich um 68, 69 passiert? Da war sofort klar: die Mondlandung der Amerikaner. Dann natürlich die Hochzeit der Pop Art mit Rauschenberg, mit Lichtenstein, und eben auch der Höhepunkt der Pink-Panther-Serie – was man irgendwie noch aus der Kindheit im Kopf hat. Somit waren bestimmte Parameter schon mal für mich gesetzt, mit denen ich arbeiten wollte.

»Da war sofort klar: die Mondlandung der Amerikaner. Dann natürlich die Hochzeit der Pop Art mit Rauschenberg, mit Lichtenstein, und eben auch der Höhepunkt der Pink-Panther-Serie.«

Was ist das Besondere, anstatt einer Leinwand ein Auto zu bemalen?
Zum Glück arbeite ich ja nicht nur zweidimensional. Das heißt, ich probiere nicht nur, auf der Leinwand eine Räumlichkeit herzustellen, sondern ich mache ebenso Skulpturen. Das half mir, auch das Auto gleich als Skulptur betrachten. Es geht darum, verschiedene Bildflächen zusammenzubringen, die dann homogen übers Auto fließen oder diese Formen auch mal zu unterbrechen. Oder auf den beiden Seiten des Autos jeweils eine andere Geschichte zu erzählen.

Welche Geschichten erzählt der New Horizon?
Auf der einen Seite ist beispielsweise das umgedrehte Zeichen von Apollo 11 zu sehen, gemeinsam mit den Mondkratern, die in dem Fall auf dem Kopf stehen. Ein Verweis auf die Mondlandung. Auf der anderen Seite ist also dieses eher triviale Thema, der Pink Panther. Oben auf dem Dach ist das BMW-Logo, eigentlich ja ein stillstehender Propeller. Ich habe den Propeller nun praktisch in Bewegung versetzt. Dadurch entsteht ein Target, so etwas wie eine Zielscheibe. Und da ist dann dieses New verwunden, von »New Horizon«.

»Es geht darum, verschiedene Bildflächen zusammenzubringen, die dann homogen übers Auto fließen oder diese Formen auch mal zu unterbrechen. Oder auf den beiden Seiten des Autos jeweils eine andere Geschichte zu erzählen.«

1969 waren Sie ein Teenager. Wie haben Sie die Zeit damals wahrgenommen?
Man könnte sagen, dass ich mich in dieser Zeit orientiert habe. Ich war auf vielen verschiedenen Internaten, weil die Schulleiter meinen Eltern immer nahelegten, dass ich doch mal etwas Anderes ausprobieren soll. Ich wurde also immer »weiterempfohlen«. Heute könnte ich fast jede Woche irgendwo ein Klassentreffen besuchen.

Trotzdem wurden Sie ein einflussreicher Künstler.
Ich wollte damals schon etwas Richtung Kunst machen. Das stand für mich fest. Aber meine Eltern hatten natürlich die Hoffnung, dass ich irgendwas Gescheites lerne, womit ich auch mal Geld verdiene.

»Ich wollte damals schon etwas Richtung Kunst machen. Das stand für mich fest. Aber meine Eltern hatten natürlich die Hoffnung, dass ich irgendwas Gescheites lerne, womit ich auch mal Geld verdiene.«

Und Sie hielten offenbar an dem Plan fest?
Ja, ich habe mich letztlich durchgesetzt. Ansonsten würde ich mir heute große Vorwürfe machen, dass ich Dinge im Leben versäumt habe.

Ein paar Jahre später arbeiteten Sie für Salvador Dalí.
Genau, ich war sein Assistent. Habe für Ordnung gesorgt, seine Gäste betreut, darunter tatsächlich viele Prominente. Amanda Lear war ständig da, Bryan Ferry von Roxy Music und so weiter.

Was haben Sie aus der Zeit bei Dalí mitgenommen?
Natürlich zeigte ich ihm auch mal meine Sachen. Daraufhin sagte er mir, dass ich nicht versuchen soll, ein Jahrhundertbild zu malen, sondern die Dinge richtig zu beobachten und sie erst dann umzusetzen. Er hat mir damals so ein Weißbrot gegeben, das musste ich dann jeden Tag zeichnen. Ich war immer der Meinung, dass ich das gut gemacht habe, und er sagte: "Nein, das ist irgendein Weißbrot. Es ist nicht dieses Weißbrot." Erst nach zwei Monaten war es dann soweit, dass dann jedes Loch an der richtigen Stelle war und die Kruste auch wirklich genauso wie bei diesem inzwischen natürlich vertrockneten Brot. Das Hingucken, das Überprüfen, die Genauigkeit und die Eigenschaft, sich nicht gleich mit etwas zufrieden zu geben – das habe ich aus der Zeit bei Dalí als Essenz mitgenommen und das prägt glaube ich bis heute meine Arbeit.



Mehr Infos zum New Horizon Art findet man auf www.e3-wundercar.com oder bei Instagram: @newhorizonartcar



Heiner Meyer (1953) ist ein bildender Künstler aus Bielefeld. Seine von der Pop-Art inspirierten Werke und Skulpturen waren Teil von inzwischen über 250 Ausstellungen auf der ganzen Welt – von Peking bis San Francisco. Meyers Kunst ist dafür bekannt, nicht nur einen bestimmten Moment abzubilden, sondern gleich ganze Geschichten zu erzählen. Vom New Horizon Projekt inspiriert erschuf Meyer außerdem eine 13-teilige Serie von Arbeiten, die wesentliche Aspekte des Art Cars aufgreifen. Auf seinem Instagram Account @heinermeyer_official berichtet er über seine aktuellen Projekte.*


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