Nur fahren ist schöner

Der Ferrari Roma ist schön. Und er will, dass man ihn anschaut. Denn dabei passiert schon jede Menge.
Text Matthias Mederer
Bild Matthias Mederer · ramp.pictures

Ein helles Foto-Studio in Hamburg. Silbergrauer Ferrari. Licht- und Schattenspiele dank morgendlicher, tiefstehender Sonne strecken sich über die italienische Skulptur. Weiche Linie, fast wollüstige Wölbungen, gute Proportionen. Der erste Eindruck lässt dann doch etwas rätseln über reichlich unqualifiziertes Zeug, das man auf diversen Plattformen so lesen musste. Erstaunlich clean, kein Schnick-Schnack, keine unnötigen Sicken … So begegnet uns der Ferrari Roma. Geschmackvolle Reminiszenz an die wahre italienische Lebensfreude ist dann auch der Cappuccino. Der ist tatsächlich sehr gut.

Die Design-Tradition von Ferrari will es, dass ein neuer Ferrari immer eigenständig für sich steht. Ein etwas uninspiriertes Retro-Design gab es nie und wird es nicht geben in Maranello. Dazu sind die stilbewussten Italiener erstens zu stolz und zweitens auch mit viel zu viel Leidenschaft bei der Sache. Entsprechend spießig und kleinkariert wäre es an dieser Stelle zu überlegen, an wen oder was dieser neue Ferrari nun erinnern könnte – oder eben nicht. Der Ferrari Roma ist der Ferrari Roma. Punkt.

Einen großen – wenn nicht den alles entscheidenden – optischen Makel aber hat dieser Ferrari: ihm fehlt ein Kennzeichen am Heck samt zugehöriger Straßenzulassung. Den Schlüssel hat man uns großzügig überlassen, eine Zulassung für öffentliche Straßen hat dieses Auto aber nicht. V8-Turbo, 620 PS, heckgetriebener italienischer Maßanzug, aus feinem Karbon und Alu genäht und gespickt mit hochentwickelter Antriebs-Technologie, abgestimmt unter anderem auf der hauseigenen, legendären Testtrack von Fiorano. »Mama-mia!« Nur fahren dürfen wir nicht. Eigentlich.

Denn ehrlich gesagt, steht das Auto genau genommen nicht ganz korrekt im Raum. Also eingestiegen. Engine Start! Der V8-Biturbo gurgelt-bellt scharf in den Raum, die Schallwellen prallen von Wänden und Decke zurück. Natürlich haben wir beim Startvorgang die Fahrertüre offen gelassen. Ungefiltert schießen Sound und Adrenalin gleichermaßen in den Körper, befeuern direkt alle Lustzentren, malen Assoziationsketten von Nachtfahrten, so unaussprechlich leidenschaftlich wie ein schwül-heißer Sommerabend in einer kubanischen Bar mit Salma Hayek.

Nicht, dass wir das jemals erlebt hätten, aber ein Ferrari regt die Fantasie seit jeher schon immer in einem ganz besonderen Maße an. Ein bisschen Drehzahl im Leerlauf gibt uns glatt den Rest.

Erster Gang. Leichtes Anrollen nach vorne rechts. Stopp. Rückwärtsgang, leichtes Anrollen nach hinten. Wieder in den ersten Gang. Stopp. So, jetzt steht dieser Ferrari richtig. Noch ein paar Takte darf der Motor im Leerlauf drehen. Ein zarter Gasstoß … Was könnten wir alles erleben, wenn wir nur dürften? Genug der Träumerei. Zurück in die Realität. Zurück zum Job. Ein Knopfdruck würgt sogleich jeglichen Sound. Das war’s. Zumindest für heute.




Ferrari Roma

Motor: V-Achtzylinder-Turbomotor
Hubraum: 3.855 ccm
Leistung: 456 kW (620 PS)
Max. Drehmoment: 720 Nm bei 3.000-5.750 U/min.
Beschleunigung: 0-100 km/h in 3,4 s
Vmax: >320 km/h


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