Out of Space

Stellen wir uns vor, wir reisen ein paar Jahre in die Zukunft. Und dann trinken wir einen Kaffee und stellen eine ganz einfache Frage. Sie lautet: Was ist eigentlich Raum?
Text Victoria Kennel
Bild Tom Salt

Nur um eins mal klarzustellen: So ganz weit voraus sind wir unserer Zeit an diesem Tag nicht. Es sind nur vier Jahre. Wir schreiben also das Jahr 2025, und zwar aus dem Grunde, weil dann der VW ID.Life auf den Markt kommen wird. Zwei Jahre früher als ursprünglich geplant, das nur nebenbei erwähnt. Und weil sich in den letzten Monaten die Vorstellung von dem, wie man wohnt, sich fortbewegt und lebt, ganz radikal verändert hat, ist es vielleicht ein guter Zeitpunkt, sich zu überlegen, wo man eigentlich ist. Was Raum bedeutet. Und wie überhaupt dieses kleine Auto hineinpasst.

Rückt man ein wenig vom Thema der Mobilität ab und begibt sich gedanklich in die Architektur, landet man schnell bei der Erklärung, nach der ein architektonischer Raum durch vertikale oder horizontale Elemente definiert ist. Also durch Abgrenzung. Auf den VW ID.Life übertragen wären wir dann bei einem Crossover, der rund 1,60 Meter hoch und etwa 4,09 Meter lang ist. Steigt man in den Kleinwagen ein, kann man die Sitzbänke vorne und hinten jeweils umklappen, sodass eine über zwei Meter lange Liegefläche entsteht. Alternativ ist auch eine Cargo-Variante mit maximal nutzbarem Kofferraum möglich. Aber bleiben wir bei der Liegewiese. Dem Wohnraum. Passenderweise gibt es in dem rollenden Wohnzimmer auch eine Spielkonsole, einen Beamer und eine Projektionsleinwand, die bei Bedarf aus der Armaturentafel ausgefahren werden kann.

Nur um eins mal klarzustellen: So ganz weit voraus sind wir unserer Zeit an diesem Tag nicht. Es sind nur vier Jahre.

Dass sich auch andere Devices individuell anschließen lassen können und sich das Smartphone ebenfalls in das Bediensystem des Autos einbinden lässt, ist ja klar. Stichwort Digitalisierung: An dieser Stelle sei auf das Buch »Sein und Wohnen – Philosophische Streifzüge zur Geschichte und Bedeutung des Wohnens« von Florian Rötzer hingewiesen. Der Medientheoretiker und Publizist beschäftigt sich darin mit dem tiefgreifenden Wandel des Wohnens und der Privatheit. Er vermutet, dass die Menschen durch die Vermischung des privaten und des öffentlichen Raums – man denke an das Homeoffice – »auch andere Verhaltensweisen ausbilden werden, die wieder eine andere Art von Privatheit erzeugen werden«, wie Rötzel sagt.

Es ist anzunehmen, dass dabei auch das Auto eine Rolle spielen wird. Weiterhin, wie man ja sagen sollte. Weil es ja von Anbeginn an für den Menschen eine Melange aus Schutz, Flucht und Freiheit bot. Ein paar Fakten, wenn es darum geht, mit dem ID.Life zu entfliehen: Der ID.Life verfügt über einen elektrifizierten Frontantrieb mit 234 PS bei einem maximalen Drehmoment von 290 Nm, die Reichweite liegt gemäß WLTP bei bis zu 400 Kilometern. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt in 6,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 180 km/h begrenzt.

Vermutlich werden wir in Zukunft Verhaltensweisen ausbilden, die wieder eine andere Art von Privatheit erzeugen.

Was bleiben wird: dass Autos für den Menschen eine Melange aus Schutz, Flucht und Freiheit bieten.

Tja, und dann wäre da noch der Lebensraum. Und passenderweise Jane Fondas Satz, dass wir mit dieser Welt umgehen, als hätten wir noch eine zweite im Kofferraum. Natürlich spielt beim ID.Life das Thema Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Zierelemente und sonstige Anbauteile kann man lange suchen, das Luftkammer-Textil für Dach und Frontabdeckung besteht zu hundert Prozent aus wiederverwerteten PET-Flaschen. Und: Im Klarlack für die Karosserie werden Holzspäne als natürliche Farbgeber und ein biobasierter Härter verwendet.

So, und wie war das jetzt mit dem Raum? Ist der jetzt einfach da? Oder wird er durch die menschliche Wahrnehmung erschaffen? Nun, ein paar mögliche Antworten könnte man in der Ausstellung »Out of Space« in der Hamburger Kunsthalle finden. Die zeigt nämlich, wie Künstlerinnen und Künstler seit den 1960er-Jahren bis heute den Raum definieren und konstruieren. Die Ausstellung läuft noch bis zum 28. November. Im Jahr 2021 versteht sich.


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