Text: Tom M. Muir
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Overdrive: Ein Film wie ein teures Muscle Car

Meisterdiebe müssen teures Auto stehlen, um ihre eigene Haut zu retten, weil sie unglücklich in die Fänge richtig böser Krimineller geraten sind. Der Plot von Overdrive ist so kreativ originell wie ein simples Muscle Car mit V8. Die Frage, die sich bei solchen Filmen, in den Hauptrollen Freddie Thorp und Scott Eastwood, stellt: ist der Film auch so gut wie ein Muscle Car? Oder zumindest so unterhaltsam? Und vielleicht am wichtigsten: ist er noch zeitgemäß? Oder – ähnlich dem Muscle Car – bereits zeitlos?Was dem Cowboy einst sein treues Pferd war und uns den Western bescherte, war dem zeitgenössischen Actionhelden bis zuletzt der V8. Der Fahrer eines Ford Mustangs als moderne Interpretation des einsamen Reiters, von Steve McQueen 1968 in BULLITT idealtypisch interpretiert und für alle nachfolgenden Helden als vorbildliche Blaupause auf Film gespeichert, ist ein einsamer Reiter. Ende der Sechziger löste das Automobil in Hollywood symbolisch den Gaul ab und damit indirekt auch den Western. Zumindest solange bis er, nicht zuletzt Dank dem Genie eines Quentin Tarantino, eine Renaissance feierte. Der moderne Film-Cowboy entkam fortan lieber mit qualmenden Reifen gen Sonnenuntergang statt auf Staub aufwirbelnden Hufen. Schließlich ist das Auto bei weitem robuster und man entzieht sich Blech berstend und mit spektakulärer Explosion jedwedem moralischen Konflikt, den das filmische Opfern lebender Pferde auf der Leinwand vielleicht mit sich bringen könnte. Bei zerstörten Autos – und repräsentieren sie noch so teure Exemplare – bleibt der moralische Zeigefinger in der Popcorntüte. Der Stuntman H.B. Halicki fühlte sich hieraus 1974 zu dem wilden Karambolage-Streifen GONE IN 60 SECONDS inspiriert, der im Jahr 2000 von Hollywood mit Nicolas Cage nochmals etwas aufgemotzt neu aufgelegt wurde. Das mag rückblickend gerade noch so durchgehen, da der Film dem Auto als unabdingbares Actionfilm-Tool in einer aus heutiger Sicht etwas verklärten Romantik huldigt, er gleichzeitig aber bereits in die Anfangszeit dessen fällt, was gegenwärtig wohl als das nüchtern kalkulierte Blockbuster-Geschäftsmodell Hollywood bezeichnet werden muss. Frei nach dem Motto: Helden gern, aber bitte nur auf der Leinwand, hinter den Kulissen ecken diese Typen dann doch viel zu viel an.Und so fällt das Fazit zu OVERDRIVE trotz großer Namen eher nüchtern aus. Würde der Film sich selbst nicht ernsthaft als Actionstreifen der Tradition seiner großen Vorbilder verpflichtet fühlen, man könnte ihn glatt als sündhaft teure Parodie feiern. Hollywood wird den Actionfilm nicht aufgeben, die Frage ist nur: was kommt danach?

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