Patek Philippe: ein Gespräch mit Geschäftsführer Yannick Michot

Yannick Michot ist der Ansicht, dass kein Mensch eine mechanische Uhr braucht. Allerdings leitet der Franzose seit 1998 Patek Philippe Deutschland. Da kann man das auch einfach mal so sagen.
Text Michael Köckritz
Bild Patek Philippe

Herr Michot, diese Ausgabe der rampstyle steht unter dem Motto »Keep It Simple and Smart«, es geht um die kluge Reduktion auf das Wesentliche. Nun sind wir heute von Dingen geradezu umzingelt, die uns die Uhrzeit anzeigen. Warum braucht man noch eine mechanische Armbanduhr?
Die Antwort ist schon sehr simpel: Niemand braucht eine mechanische Uhr. Man braucht auch keine teure Uhr. Auch keine Patek Philippe. Und man muss auch kein teures Auto kaufen. Um nur von A nach B fahren, kann man sich in einen Smart setzen. Das reicht. Oder mit dem Zug fahren, das reicht auch. Es geht nur um Emotionen.

Nun ist eine mechanische Armbanduhr ein komplexes mechanisches Kunstwerk, also alles andere als simpel.
Fangen wir damit an, dass das Wort Komplikation immer falsch interpretiert wird. Es ist einfach eine Funktion. Wir haben die Stunden, Minuten und Sekunden, das Datum ist schon eine Funktion, also Komplikation. Thierry Stern, der Inhaber von Patek Philippe, sagte einmal: »Meine schönste Komplikation ist meine Frau.«

Dann wollen wir auch gern beim Einfachen bleiben. Können Sie die Marke Patek Philippe in wenigen Worten beschreiben?
Ja. Patek Philippe ist eine Firma, die es seit 183 Jahren gibt. Und diese Firma hat von Anfang an und bis heute immer das Gleiche gemacht, sie hat sich auf das konzentriert, was sie kann, nämlich die besten Uhren der Welt zu produzieren – nichts anderes. Und es gab keine Unterbrechung. Das ist ein wichtiger Punkt, weil viele Uhrenmarken irgendwann aufhörten, Uhren zu produzieren – und nach Jahren wieder damit anfingen. So kann man das sehr gut zusammenfassen.

Patek Philippe und seine Werte?
Interessanterweise wurden die Werte von dem Vater von Thierry Stern, Philippe Stern, mit dem ich auch gearbeitet habe, definiert. Es sind zehn: Qualität, Service, Vermächtnis, Emotion, Unabhängigkeit, Tradition, Ästhetik, Seltenheit, Innovation und Wert.

Wie würden Sie modernen Luxus definieren? Was macht Luxus aus?
Dafür gibt es wiederum drei Worte, die es auf den Punkt bringen: Authentizität, die halte ich für sehr wichtig, Handwerk, das man oft vergisst, und Rarität, denn wenn jeder auf der Straße es hat, ist es kein Luxus mehr.

Die Marke Patek Philippe steht für Innovation. Wie sieht die Forschungs- und Innovationsabteilung einer solchen Uhrenmarke aus?
Die Frage ist insofern interessant, als dass man annimmt, dass eben ein kleines, ein paar Quadratzentimeter großes Werk existiert, das es seit ungefähr fünfhundert Jahren gibt, und dass alles schon erfunden wurde. Es wird aber trotzdem immer wieder etwas Neues entwickelt. Es geht immer weiter. Das sieht man an unserer Forschungsabteilung, die ständig Innovationen hervorbringt.

»In meinen Augen gibt es nichts Nachhaltigeres als Patek Philippe. Sie können die Uhr Ihr Leben lang tragen, sie verbraucht keine Energie und wird fast ohne Energie gewartet.«

Yannick Michot

Woran erkennen Sie Stil?
Stil ist ungewollt und spontan. Stil lässt sich nicht sofort lesen, weil es ein Eindruck ist. Es ist etwas, das man hat oder nicht, man kann es nicht erfinden und nicht kaufen, so wie Charisma. Es gibt Menschen, die sich die billigsten Sachen anziehen und trotzdem Stil haben.

Und es hat nichts mit dem Preis der Dinge zu tun?
Mit Sicherheit nicht. Man kann die teuersten Sachen der Welt tragen und trotzdem schrecklich damit aussehen.

Wenn wir schon bei Objekten sind: Haben Sie Dinge in Ihrem Leben, die Ihnen wichtig sind?
Ich habe sehr viele Bücher zu Hause, die ich sehr liebe und pflege. Wenn wir über Autos sprechen wollen, muss ich wirklich sagen, dass ich den Elfer immer ästhetisch fand. Allerdings bin ich kein Automensch und würde die Fahrzeuge gar nicht unbedingt fahren wollen. Lieber würde ich sie in mein Wohnzimmer stellen.

Sie erwähnten eben Bücher, haben Sie da eine bevorzugte literarische Gattung?
Ich habe schon immer Romane gelesen. Die beeinflussten mich schon in meiner Jugend stark. Lustigerweise hat sich diese große Bedeutung, die Bücher für mich haben können, bis heute gehalten. Hermann Hesse beeindruckte mich extrem, als ich ungefähr zwanzig Jahre alt war, also zu einer Zeit im Leben, in der man nicht weiß, woher man kommt und wohin man gehen wird. Und vor ein paar Jahren, es ist also noch nicht so lange her, las ich wieder einen Roman von ihm. Und ich stellte fest, dass seine Bücher noch immer etwas Besonderes sind.

→ Das gesamte Interview mit Patek Philippe Geschäftsführer Yannick Michot lesen Sie in der neuen rampstyle #25


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