Pebble Beach: Abwarten und Ferrari fahren

Die Automobilszene gibt sich in Kalifornien wieder die Ehre – und trifft sich bei der Monterey Car Week. Inklusive Enthüllungen neuester Fahrzeuge, aber auch dem zeitlosen Concours d‘Elegance am Pebble Beach. Wie man den Besuch dort zelebriert? Natürlich am Steuer eines modernen Klassikers.
Text Tom M. Muir & Alfred Rzyski
Bild Matthias Mederer · ramp.pictures

Die Surfer können das: warten. Sie sitzen einfach nur da auf ihren Brettern im Wasser vor der Küste Kaliforniens und schauen auf das Meer hinaus. Manchmal eine gefühlte Ewigkeit. Fast wirken sie wie meditierende Statuen. Doch sie beobachten. Sehr präzise. Und vom einen Moment auf den Nächsten sind sie voll da. Sie liegen plötzlich flach auf dem Brett, paddeln energisch los, ein Sprung – und die Welle gehört ihnen.

Fast zynisch der Gedanke, dass das Warten auf die perfekte Welle in der heutigen Zeit als Metapher für die rastlose Unruhe des Menschen, der nie zufrieden ist, missgedeutet werden kann. Hang loose als Beachboy-Version des ewigen Fortschrittsgedanke mit Salzwassergeschmack und sonnengebräuntem Teint. »Immer weiter«, formulierte es der Philosoph Oliver Kahn ein Mal, der nebenbei noch ein ganz passabler Fußballtorwart war.

Der Concour’s d’Elegance in Pebble Beach, Kalifornien, ist neben seinem Pendant am Comer See in Italien die wohl teuerste Alteisenveranstaltung der Welt. Hier werden Jahr für Jahr Rekordsummen für Autoklassiker erzielt. Auch für Automobile mit dem springenden Pferd im Emblem. Ferrari surft nach wie vor von Erfolgswelle zu Erfolgswelle, wenn man so will. Aus einem leidenschaftlichen Rennsportteam wurde ein Hersteller exklusiver Straßensportwagen und immer mehr auch eine Merchandising-Fabrik, die ihre Fans auf der ganzen Welt treu hinter sich weiß – und gut daran verdient. Das Cavallino Rampante, das springende Pferd im Wappen ist ein globales Markenzeichen wie der Coca Cola Schriftzug oder der Swoosh von Nike. Mancher betet es gar an wie andernorts das Kreuz Jesu.

Der Übergang vom Fan zum Gläubigen ist fließend: bei jedem Grand Prix Sieg von Ferrari in der Formel 1 läuten in Maranello die Kirchturmglocken. Kein Wunder auch, dass im Jahr 2014 ausgerechnet ein Ferrari den Rekord für das teuerste Auto der Welt aufstellte: 38 Millionen US-Dollar erzielte ein 250 GTO Berlinetta, Baujahr 1962. Und das hier in Pebble Beach. Dass es sich bei dem Modell um einen einstigen Totalschaden handelte, sei nur am Rand erwähnt. Dass besagter GTO inzwischen auch von einem gewissen Uhlenhaut-Coupé aus Stuttgart um beinahe 100 Millionen Euro übertroffen wurde, auch.

Ohnehin ist der Klassikmarkt aufgeheizt wie lange nicht und die Preise steigen. Wieso also nicht einfach wie die Surfer warten? Das zumindest bietet sich in dem Fall schon ganz logisch an. Die nächste Preiswelle kommt nämlich bestimmt, der nächste Preisrutsch aber auch. Und das Warten darauf muss man nicht unbedingt über alte Autos fachsimpelnd auf einem Golfplatz verbringen, wenn sich nur ein paar Meter weiter der Highway 1 die Küste entlang räkelt und dort auch noch ein Ferrari 488 Spider wartet. In Avorio, einer cremefarbenen Lackierung, die Ferrari im Konfigurator einst unter den Historical-Farben führte. Der Bezug zur Vergangenheit ist also geleistet, auch durch die vom F8 schon erfolgte Ablösung im Portfolio der Italiener.

Die nächste Preiswelle kommt bestimmt, der nächste Preisrutsch auch. Das Warten darauf muss man nicht unbedingt über alte Autos fachsimpelnd auf einem Golfplatz verbringen, wenn sich nur ein paar Meter weiter der Highway 1 die Küste entlang räkelt und dort ein Ferrari 488 Spider wartet.

Der V8-Turbomotor mit 670 PS und 760 Newtonmetern Drehmoment liefert aber nach wie vor den Transfer in die Jetztzeit und gleichzeitig eine etwas verborgene, dafür bei 8.000 Umdrehungen umso dramatischer in Erscheinung tretende Reminiszenz an Firmengründer Enzo Ferrari. Denn der letzte Ferrari, den der Firmengründer noch selbst in Auftrag gab, war der legendäre F40 und dessen Antrieb war ebenfalls ein V8-Turbomotor. Unsere Empfehlung also: bei einem F40 warten, bei einem 488 Spider in Avorio: jetzt kaufen, Dach auf und ab auf den Highway. Denn so schließt sich dann der Kreis von Kurve zu Kurve auf dieser scheinbar endlosen Küstenstraße.


ramp shop


Letzte Beiträge

Mission RAL 2005: Lotus Elise Cup 250 Final Edition

Chris Hrabalek hat sich die letzte gebaute Lotus Elise Cup 250 Final Edition gesichert, samt Spezialfarbe und Sonderkennzeichen. Damit ist er jetzt unterwegs – mit einem ganz eigenen Auftrag.

Massive Talent: Nicolas Cage is Nick Cage

Wie komisch es sein kann, wenn Schauspieler sich selbst darstellen, wissen wir seit »Being John Malkovich«, nun gibt es einen neuen Film: In »Massive Talent« spielt Nicolas Cage sich selbst als abgehalfterten Schauspieler. Dieses wunderbar ironische Spiel mit dem eigenen Image hat uns dann neugierig gemacht.

Ferrari Daytona SP3: Spieltrieb & Antrieb

So ein Hot Wheel bringt Kinder sofort in Spiellaune. Nicht selten auch Erwachsene. Alles manchmal nur eine Frage des Maßstabs. Bleibt die Frage, welche Maßstäbe man hier anlegen darf.

Homo Ludens: eine gedankliche Annäherung an den Menschen und das Spiel

Leben heißt Improvisation und Risiko. Es zählt die Kunst, aus allem das Beste zu machen. Die Fähigkeiten dazu kann man trainieren. Die Freude am Spiel ist hier eine wesentliche Facette. Eine gedankliche Annäherung an den Menschen und das Spiel. Von Michael Köckritz.