Perfekt zentriert: Frank Kayser findet die Essenz der Rhön

Wenn Frank Kayser Supercars fotografiert, überrascht er immer wieder mit seinem speziellen Blick für das Wesentliche. In »Essenz. Sterne der Rhön« verblüfft er mit einer ganz neuen Seite: Er feiert seine Heimat und ihre Küche. Selbstverständlich ist das nicht einfach ein Koch-Bildband. Aber das kann er natürlich selbst am besten erklären.
Text Bernd Haase
Bild Frank Kayser

Herr Kayser, bei ihrem jüngsten Werk handelt es sich wieder einmal um ein echtes Herzensprojekt: In was für eine Kategorie würden Sie denn »Essenz. Sterne der Rhön« einordnen?
Das Buch lässt sich nicht kategorisieren, weder als reiner Bildband, noch ist es ausschließlich Reiseführer oder Kochbuch. Dafür ist es zu vielfältig. Ich würde es als »AugenSchmaus« oder »MundArt« bezeichnen.

Und das drückt sich inhaltlich wie aus?
»Essenz. Sterne der Rhön« ist eine Liebeserklärung an meine Heimat, ein Buch über Menschen, die ihre Leidenschaft leben. Im Prinzip bin ich genauso vorgegangen wie bei meinem ersten selbst verlegten Buch »R Gruppe« (therbook.com) über Amerikas Kult-Porsche-Club: Ich gehe den Dingen auf den Grund. Berührende Texte und Bilder sollen uns Menschen zeigen, die ihre Heimat prägen und die Ärmel hochkrempeln.

Beim ersten Blättern ist uns speziell ihre Bildsprache aufgefallen …
… klar habe ich die Landschaften und Porträts in diesen zwei Jahren in meiner typischen Handschrift gestaltet: eher rau und kantig, aber auch bezaubernd und farbenfroh. Eingebettet sind sie in eine übergreifende Struktur: Anhand der vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft stellen wir auf 306 Seiten vor, wofür das Mittelgebirge heute steht: Tradition und Moderne, Schwartenmagen und Kaviar, karge Böden und kulinarische Höchstleistungen. Zusammen mit meinem Freund, dem Sternekoch Björn Leist, erkläre ich die Rhön in ihrem Ist-Zustand. In Momentaufnahmen nehmen wir den Leser mit, die Rhön zu fühlen, riechen und vielleicht in Kindheitserinnerungen zu schwelgen. Die Rhön ist wahrlich ein »Hidden Champion«, hier gibt es noch viel Freiraum und man hat die Möglichkeit, Dinge zu entwickeln. So wie Björn. Er ist mein roter Faden im Buch: Er engagiert sich darin, die lokale Küche aus regionalen Zutaten mit einem für ihn typischen Mix aus Tradition und Innovation neu zu interpretieren. Mit seinen Lebensmittelproduzenten schafft er es, Besonderes auf den Teller zu zaubern. Das sind echte »Genusshandwerker«, ich nenne sie deshalb »Sterne der Rhön«. Daher stammt übrigens auch der Titel des Buches.

»Essenz. Sterne der Rhön« ist eine Liebeserklärung an meine Heimat, ein Buch über Menschen, die ihre Leidenschaft leben.

Und worauf bezieht sich das Wort »Essenz«?
Ich arbeite oft international, oft in Aufsehen erregenden Projekten. Dabei geht es immer schnell und laut zu. Jetzt habe ich mich einmal auf das Gegenteil besonnen und praktisch direkt vor meine Füße geschaut. Es geht um das, was wirklich zählt. Darum, die Dinge auf Ihren Kern zu reduzieren, kein Schnickschnack, sondern ehrlich und lecker, mutig und kantig, ohne Ballast. Das ist für mich die Essenz.

Wie haben Sie sich dem Thema der Heimat, der Genusskultur und Natur dabei angenähert?
Ich bin ja in der Rhön aufgewachsen und jetzt nach vielen Jahren zurückgekehrt. Dabei stellte sich für mich hinsichtlich dieses Buches vor allem eine Frage: Wie ist der Status Quo und was mache ich anders, als all die anderen vor mir? Als Antwort darauf machst Du eine Art persönlichen Reset und versuchst für dich, alles neu und frisch zu sehen.

Ein Moment während der Entstehung, den Sie nie vergessen werden?
Morgens um sechs im Nebel, die Sonne bricht durch und niemand ist in der Nähe. Du hörst nur vereinzelt eine Biene summen oder einen Auerhahn rufen. In diesem Moment vergisst du vergisst, sogar deine putschnassen Füße. (lacht)

Inwiefern war die Produktion für Sie eigentlich eine Umstellung? Ihre vorangegangenen Bücher drehten sich ja vor allem um Automobilkultur und die Menschen dahinter.
Klar war das eine Umstellung. Aber deshalb wollte ich dieses Projekt ja auch unbedingt machen. Wir müssen uns alle von Zeit zu Zeit neu kalibrieren und zentrieren

Bereits auf dem Cover lesen wir Notizen eines Kochrezepts. Welches ist Ihr persönliches Lieblingsrezept?
Ganz klar der »Klos mit Soß«. Diese Reminiszenz an Thüringen ist Björns »Signature Dish«. Er bettet dabei einen Klos auf Rotkraut und krönt ihn mit einem Trüffelhäubchen. Sticht man den Kloß an, ergießt sich Björns herrliche dunkle Ochsenfondsoße über das Ganze. Einfach herrlich!

sterne-der-rhoen.de


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