Pininfarina Battista: 1.900 PS. Sticht.

Tja, da müssen wir das Autoquartett wohl nochmal ganz neu denken. Der Pininfarina Battista übertrumpft nämlich einfach alles. Vorerst.
Text David Staretz
Bild Peter Schreiber

Lasst uns ruhig ein wenig despektierlich an die Sache herangehen.

Der Battista hält das aus.

Wo mindestens 1.900 PS lauern, muss man nicht auf den Knien daherrutschen. Lasst uns versuchen, entspannt zu bleiben. Auch wenn heiligmäßig Pininfarina nachgeschoben wird – und der Gründervater Signore Battista obendrein. Ja, derjenige Bruder Farina, dem 1961 vom italienischen Staatspräsidenten die ehrenhafte Konzession erteilt wurde, seinen Nickname Pinin (= klein) zu integrieren. Zusammengeschrieben also Pininfarina. Kleinmehl.

Er schenkte der Welt eine Reihe meisterhafter Fahrzeugentwürfe wie das Cisitalia Coupé, die schönsten Ferrari Ikonen oder den Modulo, ein wirklich avantgardistisches Fahrzeug auf Basis des Ferrari 512 S. Und: Sein Neffe Giuseppe errang den ersten Formel 1-Sieg überhaupt. Heute hält der indische Megakonzern Mahindra rund drei Viertel der Firmenanteile. Dies nur zur Einordnung (und zur Erklärung, woher das Geld für frivole Investitionen kommt).

Demnach also, von der Historie zur Hysterie gesteigert: Battista Hypercar.
Eine gewaltige Leistung fürwahr, vier Räder, vier radnahe Elektromotoren, T-förmiger Batterieboden, alles in formsprachlicher Eindeutigkeit dem Designvokabular von Speed-Requisiteuren entnommen. Dem kann man sich nicht entziehen – ein gängiger Formenkanon für alles, was schneller als 300 km/h laufen kann. Angewandter Emotionalismus, wunderschön dargebracht. Überraschungen oder wenigstens Spannungen kommen keine auf; immerhin haben die Seitenspiegel als Luftleitgatter aerodynamische Funktion.

Automobili Pininfarina Battista // Motor: Vier Elektromotoren / Batteriekapazität: 120 kWh / Leistung: 1.900 PS (1.400 kW) / Drehmoment: 2.340 Nm / 0–100 km/h: < 2,0 s / Vmax: >350 km/h

150 Fahrzeuge sollen hergestellt werden, Stückpreis ab 1,75 Millionen Euro. Können gern auch 2,2 Millionen werden, je nach Variante und Ausstattung. Dafür erhält man Reichweiten an die 500 Kilometer. Sofern man die Höchstgeschwindigkeit irgendwo jenseits der 350 km/h nicht allzu sehr ausreizt.

Es scheint, als würde Elektrokraft erst in höheren Sphären Sinn machen, dann passt alles zusammen: Die Power und die Reichweite nehmen zu, sogar die Ladezeiten scheinen kürzer zu werden. Fahrleistungen werden vornehmlich als Beschleunigungswerte kolportiert, weniger als zwei Sekunden auf Hundert, das ist grandios (erinnert vom Sinngehalt her aber ein wenig an Chronometer, die bis 300 Meter Tiefe wasserdicht sind). Auch der eigens komponierte Synthie-
Sound scheint unergründlichen Tiefen entstiegen.

Dank immenser Antriebskraft relativiert sich auch das Verhältnis der Komponenten zum schwerwiegendsten Faktor, zum Eigengewicht im Zwei-Tonnen-Bereich.

Ja, es stimmt, mit 1.900 Pferdestärken und 2.300 Newtonmetern lassen sich Güterzüge rangieren.

Um damit auch schienenmäßig durch die Kurven zu kommen, bedarf es hohen elektronischen und handfesten Aufwands. Schließlich könnte man sämtliche vier Räder noch bei Tempo 200 zum Durchdrehen bringen. Fliegender Kavalierstart, sozusagen. Um so etwas zu unterbinden, flattern die Synapsen in Echtzeit. Hoffentlich schmelzen dabei die Halbleiter nicht weg.

Da sei Rimac vor. Der zu rund zwanzig Prozent von Porsche unterfütterte Hypercar-Produzent aus Kroatien hat mit dem Rimac Nemera ein Referenzmodell für jenseitige Kraftdarstellung als Hardcore-Paten für den ziviltauglicheren Battista etabliert.

Hier noch ein kleines Bestiarium der PS-Gang, fertig oder in Planung: Rimac Nevera, Lotus Evija, Drako Dragon, Deus Vayann, Koenigsegg Gemera – alles vor Kraft knisternde Umspannwerke. Nur der TranStar Dagger GT mit seinem wackeren V8 holt seine Leistung aus 9,8 Litern Hubraum. Geht ja noch!

Grandios, das alles. Aber was kommt als Nächstes? 3.000 PS? 30.000 PS? Die schiere Lizitation des Möglichen kann paradoxerweise auch langweilig werden. 


ramp shop


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