Bula, Bula!

Florian Jung ist einer der erfolgreichsten Windsurfer der Welt. Um die Welt zu surfen versteht er aber vor allem als eine großartige Gelegenheit, zu lernen und sich ein umfassenderes Bild davon zu machen, worauf es im Leben ankommt. Auch daher engagiert er sich seit Jahren für den Umweltschutz und nutzt seinen Sport, um Bewusstsein für große Herausforderungen wie die Verschmutzung der Ozeane, den Klimawandel und die Anpassung an die Natur zu schaffen. Und klar, dass wir neugierig wurden, als wir von seinem neuen Auto gehört haben.
Text Michael Köckritz
Bild Manuel Nagel

Das Interview mit Florian Jung ist die Fortsetzung der Reihe »Motifs«, die Polestar ins Leben gerufen hat. Es geht darum herauszufinden, was besondere Persönlichkeiten dazu antreibt, ihr Leben nachhaltig zu gestalten und für Nachhaltigkeit zu werben. Mehr zu Polestar und das ganze Video von Florian Jung gibt es hier. Der erste Teil widmete sich in rampstyle#21 dem Triathleten Sebastian Kienle.

Herr Jung, was macht für Sie den besonderen Reiz des Windsurfens aus?
Florian Jung: Es ist dieser Mix aus Adrenalin, purer Freude und den Naturgewalten, mit denen ich eins werde. Das hat mich beim Windsurfen von Anfang an gepackt: Man lernt, die Kraft des Meeres, die Wellen, den Wind zu lesen und immer wieder mit der Natur zu verschmelzen. Ich spiele sozusagen das Spiel der Naturgewalten.

Welche Fähigkeiten braucht es dafür?
Disziplin und Mut. Auf dem Wasser muss man sich perfekt an die Verhältnisse anpassen können – und Hürden überwinden. Du wirst von einer Welle gewaschen. Oder musst ein neues Manöver immer wieder und wieder üben. Genau das finde ich spannend: sich jeden Tag immer wieder aufs Neue auf die vorhandenen Gegebenheiten einzustellen. Mal hast du kleine Wellen, dann riesige, mal wenig Wind, mal viel. Die Konzentration gilt immer dem Hier und Jetzt. Dann kann man auch Spaß haben, wenn die Bedingungen nicht perfekt sind.

Seit wir uns 2009 das erste Mal getroffen haben, haben Sie sich kontinuierlich in der Weltspitze etabliert. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Dass man sich immer wieder neu erfindet und sich als Mensch weiterentwickelt. Der Wettkampfgedanke gehört für mich zwar dazu, war aber nie mein Hauptantrieb. Ich wollte nie einfach nur von einem Titel zum nächsten surfen, sondern auch das ganze Drumherum erleben. Ich würde mich eher als Freigeist denn als reinen Wettkampfsportler bezeichnen. Den Wettbewerb mag ich auch, klar. Aber ich will auch meine eigenen Projekte ins Leben rufen und neue Ideen einbringen. Den Umweltschutz zum Beispiel. Oder neue Aspekte des Reisens. Das bringt mir persönlich sehr viel. Und ich kann damit hoffentlich auch andere Menschen inspirieren. Mein Sport dient mir dafür als Medium.

Wie hat sich das entwickelt?
Wenn man sehr viel in der Natur unterwegs ist wie ich, wird man automatisch für dieses Thema sensibilisiert. Da draußen schaut man einfach genauer hin, was gerade passiert. Wie verändern sich die Riffe? Wo kommt der ganze Plastikmüll her? Da ich diese Bedrohungen täglich sehe, empfinde ich es auch als meine Pflicht, hier aktiv zu werden. Wobei ich nicht nur die Probleme anklagen, sondern vor allem den Menschen die Schönheit des Meeres näherbringen will.

»Mal hast du kleine Wellen, dann riesige, mal wenig Wind, mal viel. Die Konzentration gilt immer dem Hier und Jetzt. Dann kann man auch Spaß haben, wenn die Bedingungen nicht perfekt sind.«

Florian Jung

Wie sieht das konkret aus?
Ich versuche einerseits, Projekte und Initiativen zu entwickeln. Mit »Love the Ocean« habe ich zum Beispiel mehrere Müllsammelaktionen an Stränden organisiert. Das geht dann bis hin zu medial begleiteten Expeditionen mit Sportlern und Umweltschützern. Ich halte zudem Vorträge an deutschen und südafrikanischen Schulen, wie man mit einfachen Dingen aktiv den Umweltschutz in seinen Alltag integrieren kann. Wir sitzen ja letztlich alle in einem Boot, umgeben von extrem viel Wasser. Und wenn jeder auf seine eigene Art ein bisschen achtsamer lebt, ist das auch nicht unbedingt mit Verzicht verbunden, sondern man gewinnt etwas hinzu.

Ist das dann Nachhaltigkeit in Ihrem Sinne?
Das Wort »Nachhaltigkeit« finde ich mittlerweile etwas überstrapaziert. Ich erkläre es gern mit einem Beispiel: Die Welt ist für mich ein großes Haus. Wenn jeder sein Zimmer in Ordnung hält, dann können wir auch mit 7,5 Milliarden Menschen in diesem Haus gut leben. Wenn das ein Großteil aber nicht macht, fällt das Haus irgendwann zusammen. Deshalb bedeutet Nachhaltigkeit für mich, hin und wieder einfach sauberzumachen und auf sein eigenes Handeln zu schauen. Dann können wir alle eine gute Zeit zusammen haben.

Wo steht momentan Ihr reales Haus?
Aktuell lebe ich durch den Lockdown in Deutschland. Aber ich habe davor sehr viel Zeit in Südafrika verbracht und werde dort auch in den nächsten Monaten wieder sein. Dort gibt es einerseits perfekte Surfbedingungen. Andererseits betreiben wir dort ein Non-Profit-Projekt, um Kindern aus Townships Schulbildung zu ermöglichen. Außerdem haben wir in den vergangenen Jahren an einem der besten Spots am Kap der guten Hoffnung ein autarkes Haus gebaut aus nachhaltigen Materialien wie Hanf. Das war ein Versuch, auf minimalistische Art im Einklang mit der Natur zu leben. Damals bin ich auch auf Polestar zugegangen, um gemeinsame Wege der Zusammenarbeit zu finden.

»Die Welt ist ein großes Haus. Und wenn jeder sein Zimmer in Ordnung hält, können wir alle zusammen eine gute Zeit haben.«

Florian Jung

Warum Polestar?
Polestar vereint für mich Werte wie Aufbruch, stimmiges Design, Nachhaltigkeit und vor allen Dingen Transparenz. Es gibt hier einige interessante Ansätze, wie man die Automobilbranche mit neuen Impulsen in Zukunft positiver gestalten kann. Wir leben in einer Welt, wo wir uns nicht vor dem Wandel verstecken, sondern im Gegenteil ihn aktiv nutzen sollten.

… in Form eines Autos?
Auch. Alle Bereiche, die unserer tägliches Leben ausmachen, sollten wir im Hinblick auf Wandel genauer unter die Lupe nehmen. Dass sich der Polestar 2 wie ein elektronisches Raumschiff mit ordentlich Dampf fährt, ist natürlich ein schöner Nebenaspekt (lacht). Durch die Vernetzung mit Android habe ich auch unbegrenzte Möglichkeiten, an für mich wichtige Informationen zu kommen. Ich kann während der Fahrt das Wetter oder die Wellen checken. Das ist natürlich Luxus. Aber auch ein Luxus, der sich gut anfühlt, weil er in die richtige Richtung geht.

Welche Rolle spielt das Auto in Ihrem Leben?
Es ist für mich als eines meiner Fortbewegungsmittel momentan extrem wichtig. Mein Job bringt es ja mit sich, dass ich extrem viel unterwegs bin. Sprich: Ich bin auf Mobilität angewiesen. Das ist natürlich nicht gerade die nachhaltigste Art zu leben. Es wird mir immer wieder mal auch vorgeworfen, dass ich mich als Environmentalist bezeichne, aber mehr um die Welt fliege als viele andere. Diese Kritik ist natürlich berechtigt. Andererseits: Wäre ich nicht so viel unterwegs, könnte ich meine Vision gar nicht ausfüllen. Ich bin nicht perfekt, das muss ich wohl akzeptieren. Dennoch sehe ich darin eine Chance, wie man sich diesen Fragen stellt und entsprechende Lösungsansätze findet, wie man es besser machen kann.

»Jeder Tag, den ich im Meer beginnen kann, ist ein guter Tag. Egal wie die Verhältnisse sind.«

Florian Jung

Wie kann man es in Bezug auf das Auto besser machen?
Es sollte möglichst umweltschonend vonstatten gehen. Die Elektromobilität ist vielleicht noch nicht am Ende ihrer Entwicklung angelangt, aber aktuell die beste Option – vor allem wenn sie in Zukunft mehr und mehr mit Ökostrom betrieben wird. Im Idealfall lade ich mein Auto zu Hause mit der Energie der Sonne, fahre damit zum Spot und nach der Session wieder zurück und kann wirklich sagen: »Ich habe heute null Emissionen verbraucht.«

Fahren Sie gerne Auto?
In der Regel schon. Ich führe ein sehr abwechslungsreiches Leben. Autofahrten bieten mir darin die Gelegenheit, zu mir selbst zu kommen. Hier kann ich wunderbar nachdenken oder auch mal mit einem Mitfahrer interessante Gespräche führen. Außerdem habe ich eine Riesen­bibliothek an interessanten Hörbüchern. Da kann ich dann auch gerne mal zehn Stunden am Stück fahren, wenn es nötig ist.

Von der Straße aufs Meer: Wie ist das Lebensgefühl auf den Wellen?
Ich liebe es, im Wasser zu sein. Jeder Tag, den ich im Meer beginnen kann, ist für mich ein guter Tag. Egal wie die Verhältnisse sind. Denn jede Welle fordert ihre eigene Art von Kreativität. Dabei verschiebt man seine eigenen Limits immer wieder ein bisschen nach oben. Vor allem in riesigen Wellen. Vorletzte Woche war ich in einem Sturm unterwegs. Da kommt man schnell an seine Grenzen. Aber mit der nötigen Erfahrung weiß man auch, dass man diese Herausforderung meistern kann. Nach so einer Session komme ich an Land zurück und bin ein Stück weit ein anderer Mensch. Ich habe auf dem Meer meinen Rucksack sozusagen mit neuen Erfahrungen bepackt. Das liebe ich.

Welche Erfahrungen kommen 2021 dazu?
Das ist momentan schwer zu sagen. Ich hoffe, dass wir wieder unsere World Tour fahren können. Da würde ich schon gerne in den Top Five oder Top Ten landen. Außerdem will ich ein Filmprojekt angehen, das dann hoffentlich 2022 veröffentlicht wird. Darüber hinaus werde ich mit Umweltorganisationen einige Projekte realisieren, um das Bewusstsein für die Fragilität und Bedeutung der Ozeane zu schärfen. Es bleibt auf jeden Fall interessant.

Was bedeutet eigentlich »Bula, Bula«?
Das heißt auf Fidschi »Hallo«. Dorthin haben wir vorletztes Jahr eine kleine Segelboot-Expedition gemacht. Mein zweijähriger Sohn hatte als erstes Wort »Bula« gelernt und begrüßte den ganzen Trip über jeden, den wir trafen, mit »Bula, Bula«. Das steht ein bisschen für das Schöne am Reisen: Man kann sich so viele Sachen von anderen Kulturen abschauen, lernen und sie für sein eigenes Leben adaptieren.


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