Text: Horst von Saurma
Bild: Matthias Mederer
6 min

Porsche 718 GTS: Sturm und Drang

Jetzt laufen Cayman und Boxster richtig Sturm gegen Vorurteils-Haltung und Verunglimpfung: in der neuen GTS-Ausführung mit höherer Leistung, verbessertem Klangbild und schärferer Optik. Und nebenbei bemerkt: mit sehr guten Erfolgsaussichten.

Nur mal so aus Spaß die Frage in den Raum geworfen: Wie stünde der 718 wohl da, wenn es den 911 nicht gäbe? Na, eine Idee? Wenn nicht, ich sag’s Ihnen: wie eine Eins. Ein Porsche, wie er im Buche steht. Voll auf der Höhe der Zeit. Benchmark im Sportwagen-Segment. Das dämliche Gerede vom Einstiegs-Modell würde sich in Luft auflösen. Keiner würde mit Blick auf den Boxster vom Hausfrauen-Porsche quasseln. Cayman und Boxster, die beiden Protagonisten des vergleichsweise noch jungen 718er-Clans, wären die absoluten Helden der Sportwagen-Szene. Jetzt, in der neuen GTS-Ausführung erst recht.

Man schaue sich nur die Eckwerte an: Mittelmotorbauweise, perfekt austarierte Gewichtsbalance, breite Spur, niedriger Schwerpunkt und – heutzutage selten genug – sympathisch-zierliche Abmessungen. Bei alledem ist der Typ dank bester Raumökonomie mit praktischen Vorzügen gesegnet, die im Sportwagen-Segment äußerst selten anzutreffen sind.

Kurzum: der Porsche 718 GTS kommt – ob als offener Boxster oder in der geschlossenen Cayman –Variante – dem Sportwagen-Ideal extrem nahe. Nun werden Sie fragen: Trotz oder wegen seines Vierzylinder-Motors? Die Antwort: Beides richtig.

Dank seiner niedrigen Gewichtsklasse und der geringeren Innenreibung ist der Vierzylinder schließlich von Haus aus prädestiniert, um vordere Plätze mitzukämpfen. Siehe die drei Le Mans-Siege und noch mehr Titel in der Langstrecken-Weltmeisterschaft, die Porsche mit dem – wohlbemerkt vierzylindrigen – LMP1-Renner 918 eingefahren hat. Auch wenn der nur 1,6 Liter große V4-Rennmotor mit dem Vierzylinder-Boxer des 718 nur die Anzahl der Brennräume und das Aufladungs-Prinzip per Mono-Turbo gemein hat: Die verwandtschaftlichen Bezüge dürfen gern hervorgehoben werden. Vor allem wenn es gegenüber Klang-Kritikern darum geht, die spezielle Akustik des Vierzylinder-Boxers in diesem spannenden Kontext zu interpretieren.

Das Lied des Käfers intoniert der 718 in der GTS-Version jedenfalls in so abgehobener Weise, dass von einer Analogie kaum mehr die Rede sein kann – weder in der Taktung, noch in der Frequenz. Der Grund ist ein neu entwickelter Ansaugtrakt und ein modifizierter VTG-Turbo, der die vier Brennräume nun mit erhöhtem Ladedruck versorgt – maximal 1,3 bar.

Das verschönert nicht nur die Begleitmusik. Für eine gehörige Portion Mehrleistung ist selbstverständlich auch gesorgt. Der 2,5-Liter große Turbo-Boxer bringt es in den GTS-Versionen nun auf 365 PS und entwickelt ein Drehmoment von bis zu 430 Newtonmeter.

Mit dem serienmäßigen Sport Chrono-Paket und dem optionalen PDK sprinten Boxster und Cayman so in nur 4,1 Sekunden von Null auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt in beiden Fällen bei 290 km/h.

Optisch sind die GTS-Varianten unter anderem an den seidenglanz-lackierten, schwarzen 20 Zöllern, den abgedunkelten Scheinwerfern und Heckleuchten, der neuen Bugverkleidung sowie dem schwarzen Heckunterteil mit der mittig angeordneten Sport-Abgasanlage erkennbar. Das Porsche Active Suspension Management (PASM) und das Porsche Torque Vectoring (PTV) mit mechanischer Quersperre gehören ebenso zur Serienausstattung wie das schon aus den GTS-Versionen anderer Modellreihen bekannte Alcantara-Interieur.

Er sieht damit nicht nur schnell aus – er ist es auch: Porsche attestiert ihm auf der Nordschleife eine Rundenzeit von 7.40 Minuten. Das heißt: Als Boxster GTS ist er damit um 16 Sekunden, als Cayman GTS um 13 Sekunden schneller als die noch mit Sechszylinder-Motoren antretenden Vorgängermodelle.

Wir haben es auf dem Bilster Berg, der neuen Homebase von Ramp, am Beispiel des neuen 718 Cayman GTS nachvollziehen können: Aus dem »kleinen« Porsche ist ein ganz Großer geworden. Die Beweisführung unsererseits ist nachzulesen in der Jubiläumsausgabe von Ramp – erhältlich ab dem 12. Dezember überall dort, wo es guten Lesestoff gibt.

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