Porsche 924: Abenteuer Baltic Sea Circle Rallye

16 Tage, 7.500 Kilometer, bis zu minus 22 Grad – der Fotograf und Filmemacher David zu Elfe meisterte die Baltic Sea Circle Rallye in einem umgebauten Porsche 924, den er tagsüber durch Schnee und Eis steuerte und nachts als Schlafplatz nutzte. Ein Mann, der die Herausforderung liebt.
Text Natalie Diedrichs
Bild David zu Elfe

Gemeinsam mit seinem Schwager machte sich David zu Elfe Ende Februar auf den Weg Richtung Hamburg, um von dort aus bei der Baltic Sea Circle Rallye zu starten. Die Mission: zehn Länder im Norden Europas binnen 16 Tagen durchqueren. Die Bedingung: Das Fahrzeug muss mindestens 15 Jahre alt sein. Kein Problem für den Rheinland-Pfälzer, der kurzerhand seinen Porsche 924 von 1978 zu einem rustikalen Overland Camper umbaute. Dazu legte er das Fahrwerk 40 Millimeter höher, zog Schneereifen mit mächtig Profil auf, versah das Dach mit einem stabilen Gepäckträger und funktionierte den Fond zu einer ausklappbaren Schlafkabine samt Standheizung um. Nicht zu vergessen die sechs Hella-Zusatzscheinwerfer, die nachts für die nötige Straßenausleuchtung und obendrein für einen äußerst stylischen Look sorgten. Wir haben mit David zu Elfe über sein Abenteuer gesprochen.

Wie kam es zu der verrückten Idee, die Baltic Rallye zu fahren? Warum so hoch in den Norden?
Wir waren ja letztes Jahr elf Monate mit unserem umgebauten Range Rover Classic unterwegs und im August bereits am Nordkap. Auf der Heimreise Richtung Deutschland über die schönsten Straßen Norwegens wird man durchaus mal etwas sentimental und fragt sich, was als Nächstes kommt. Man sitzt also so in seinem Wagen und wartet den Regen ab, lungert auf Instagram herum und stolpert über einen Werbepost. Normalerweise nervig, aber in diesem Fall doch interessant: ein schwarzer Geländewagen unter Polarlichtern im Schnee. Er bewarb die Baltic Sea Circle Rallye. Meine Beifahrerin und Liebste sagte dazu an jenem Regentag nur beiläufig: »Klingt doch supi, mach das doch mit dem Porsche und meinem Bruder.« Ganz. Böser. Fehler.

»Meine Beifahrerin und Liebste sagte dazu an jenem Regentag nur beiläufig: ›Klingt doch supi, mach das doch mit dem Porsche und meinem Bruder.‹ Ganz. Böser. Fehler.«

Warum war der Porsche 924 dafür das perfekte Auto?
Zum besagten Zeitpunkt besaßen wir bereits einen voll ausgebauten, in über 2.000 Arbeitsstunden restaurierten Geländewagen. Und Jonas, Schwager und Copilot, hatte seinen Expeditions-Geländewagen auch gerade erst fertiggestellt. Trotzdem zogen wir meinen früheren Alltags-924 unter der Plane hervor und nahmen den. Wo wäre sonst die Herausforderung? Ich habe schon länger mit der Idee eines Oberland-Umbaus gespielt – nur ist es ohne Not und Deadline schwer, Zeit und Geld in so einen Umbau zu stecken. Im Nachhinein würde mir kein Fahrzeug einfallen, das den Kompromiss zwischen Alltagsauto und Camper so hinbekommt wie ein Transaxle. Ich meine, wir haben bei minus 20 Grad Celsius in Russland wild gecampt. In einem 42 Jahre alten Sportwagen mit Standheizung!

Deine Lieblingsmomente während der Rallye?
Das kommt jetzt wahrscheinlich komisch: Es war einfach herrlich, als uns in Estland der Zahnriemen gerissen ist. Der Motor hat schon vor der Abreise seltsam aus dem Riementrieb geheult – war aber alles neu. Da der 2.0 aber ein Freiläufer ist, muss man sich da nicht wirklich Sorgen machen. Das Gezwitscher wurde während der 7.000 Kilometer immer mal lauter und leiser, bevor in Estland dann endgültig Ende war. Zu dem Zeitpunkt hatten wir den Schnee schon lange hinter uns gelassen und das Autofahren wurde wieder monoton und unspektakulär. Wir nannten das »langeweilekaputt« – der 924 hatte einfach nichts Besseres zu tun. Während also ein befreundetes Team frischen Kaffee kochte, tauschten wir mal eben den Zahnriemen. Der Motor lief, bevor der Kaffee in der Tasse war – so was geht nur mit dem echten Hausfrauenporsche!

»Der Motor lief, bevor der Kaffee in der Tasse war – so was geht nur mit dem echten Hausfrauenporsche!«

Was gehört in die Reisetasche von jedem, der so eine Rallye bestreiten will?
Kleidung. Die wenigsten werden Porschecampen, aber die Ausstattung, die wir dank unseres Sponsors Globetrotter dauerhaft an und um uns hatten, war wirklich notwendig: Longsleeves aus Merinowolle, Winterhosen und Stiefel (mit etwas Übung auch Zwischengas-kompatibel) im Auto, draußen dann unsere roten Daunenjacken – im Grunde Schlafsäcke zum Anziehen. Messer, Feuerzeug und Notfallproviant sowie Werkzeug und Karten sind natürlich ebenfalls obligatorisch. Und da die Rallye eine klare No-GPS-Regel hat, empfiehlt sich eine Leselampe für den Beifahrer. Ursprünglich hatten wir unsere nur aus optischen Gründen eingebaut – ohne geht es aber nicht.

Wie hat Dich dieser Trip nachhaltig geprägt?
Einfach mal machen. Der Wagen war nicht sinnvoll, alt, und der Umbau war bei der Abreise vollkommen ungetestet. Es gibt immer einen Grund, es nicht zu tun, zu warten. Man darf sich einfach nicht zurückhalten lassen.

Was würdest Du jemandem empfehlen, der auch mal so ein Abenteuer plant?
Bei der Einreise in Nicht-EU-Länder sollte man die passenden Dokumente zum Auto dabeihaben, besonders wenn der Wagen auf einen Betrieb angemeldet ist. Die russischen Grenzbeamten sind da wenig flexibel. Oh, und auch wenn das offensichtlich klingt: die PIN zur eigenen Kreditkarte kennen – ohne Zahlungsmittel im Ausland ist es wenig unterhaltsam. Spaß beiseite: Vorbereitung ist wichtig, aber auch nicht alles. Wenn alles schon vollständig erprobt ist, wo bleibt dann die Herausforderung?

Wohin geht die nächste Reise? Mit welchem Auto?
Gute Frage. Der ein oder andere Umstand hat mir möglicherweise einen 924 S vor die Tür geworfen, und nachdem das Konzept jetzt richtig erprobt ist, könnte man ja mal über eine Wüstendurchquerung nachdenken. Oder einfach diagonal durch die Mongolei. An den Ideen scheitert es nicht, eher am Budget.

INFO
David zu Elfe (*1993) ist Fotograf und Filmemacher. Zu seinen größten Leidenschaften zählt es, mit »ehrlichen«, selbst präparierten Autos abenteuerliche Reisen zu unternehmen. Seine Erlebnisse teilt er in aufwendig gedrehten und kurzweiligen Videos auf seinem YouTube-Channel »Only A Roadtrip Away«.

More Informationen via:

onlyaroadtripaway.com


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