Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo: Zur Hölle mit Umständen

Das Fahren mit einem E-Auto erweitert den Horizont. Die Reichweitenangst kann also getrost ad acta gelegt werden. Vertrauen Sie uns. Wir haben es getestet in einem Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo.
Text Matthias Mederer
Bild Matthias Mederer · ramp.pictures

»Leere deinen Geist, sei formlos, ohne Gestalt, wie Wasser. Wenn du Wasser in eine Tasse gibst, wird es zur Tasse. Füllst du Wasser in eine Flasche, wird es zur Flasche. Wenn du es in eine Teekanne gibst, dann wird es zur Teekanne. Wasser kann ruhig fließen oder es kann zerstören. Sei Wasser, mein Freund.«

Als Bruce Lee diese Worte sprach, dachte er wahrscheinlich nicht an einen Porsche. Schon gar nicht an einen Porsche mit Elektroantrieb. Und dennoch passt diese Weisheit. Wie das Ladekabel in die Steckdose, wenn man so will. »Leere deinen Geist.« Die wohl wichtigste Voraussetzung, wenn man diesem Auto begegnet. Denn nur so wird man erkennen, welche Gestalt, welche Form dieses Auto annehmen kann. 50 km/h? Bitte. Gern. 200 km/h? Bitte. Gern. Teilautonomes Stop-and-Go, dabei die Lieblingsmusik in glasklarer Klangqualität und beinahe konzertähnlicher Akustik hören? Bitte. Gern. Beim Ampelstart mit Launchcontroll einen Supersportwagen versägen? Bitte. Gern. Das Surfbrett, die Snowboardausrüstung oder die versammelten IKEA-Einkäufe für die Stadtwohnung transportieren? Bitte. Gern. Schnee, Matsch, Schotter, Teer? What ever? Bitte. Gern.

Der Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo ist sozusagen die Mutter des Fließens.

Wollten sie im Oxford Lexikon definieren, was sich der Mensch unter dem Fahren eines E-Autos vorstellen darf, sie könnten ein Bild dieses Porsches abdrucken.

Es gibt im Sport den Begriff des Runner’s High, das ein eintretendes Hochgefühl bei Langstreckenläufern beschreibt, weil es den Sportler in einen schmerzfreien, euphorischen Gemütszustand versetzt. Laut Wikipedia ist dieser Zustand für einen Menschen aber erst ab einer Belastungsintensität von circa 80 Prozent der maximalen Sauerstoffaufnahme erreichbar. Oder am Steuer dieses Porsche, könnte man ergänzen. Dafür braucht es auch gar nicht 80 Prozent der Leistungsfähigkeit. Es sind vielmehr diese kleinen, fein dosierten und spontanen Kraftspritzen zwischendurch, die das Fahren zu einer völlig neuen Erkenntnis werden lassen.

1,7 Sekunden von 80 auf 120 km/h. Das schüttelt dieser Porsche mit einer so abrupten Spannkraft aus den permanent erregten Synchronmaschinen an der Vorder- und Hinterachse, dass man ihm tatsächlich Überheblichkeit oder gelangweilte Arroganz unterstellen darf.

Am schwersten an diesem Porsche fällt einem dann wohl das Aussprechen der Modellbezeichnung: Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo. Noch zwei Begriffe mehr und das Ganze geht als eigene kleine Kurzgeschichte durch.

Und dann ist da natürlich immer auch noch die wahre Kraftseite der Medaille. Der Leistungssport, wenn man so will. Denn natürlich nutzt man die Launchcontroll an der Ampel Stadtauswärts. Ein Mal. Vielleicht zwei Mal. Der Porsche eskaliert dabei so heftig im Vortrieb, dass man sprichwörtlich spüren kann, wie es einem den Magen nach hinten schiebt. Das braucht Gewöhnung. Topgun Piloten können das vielleicht genießen oder dabei gar entspannen. Alle anderen werden umgehend begreifen woher das Wort Kopfstütze seine Bedeutung ableitet.

Es wäre gar nicht verwunderlich, wenn Porsche hier in der Betriebsanleitung eine explizite Warnung ausruft, in der Form: Bei Schwangeren, Kindern und Menschen mit schwachem Herzen an Bord gilt Vorsicht.

Sie können bei Gelegenheit ja mal nachschauen. Wir hatten keine Zeit und auch keine Lust für sowas und waren ohnehin zu sehr mit Fahren beschäftigt. Das ist kein Witz. Aus seiner schieren Kraft zieht der Porsche seine Souveränität. Sehr prollig gebrüllt heißt das: dieser Porsche kann immer.

Viel feiner – und damit auch viel passender – beschreibt es da dann doch wieder Bruce Lee: »Zur Hölle mit Umständen, ich erschaffe Möglichkeiten.«





Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo
Antrieb: E-Performance Antrieb mit je zwei Permanenterregten Synchronmaschinen an Vorder- und Hinterachse
Leistung (Overboost): 761 PS (560 kW)
Max. Drehmoment (bei Launch Controll): 1.050 Nm
Beschleunigung (bei Launch Controll): 0-100 km/h in 2,9 s
Vmax: 250 km/h
Langstreckenreichweite: 330 km


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