Text: Matthias Mederer
Bild: Matthias Mederer
6 min

Pure & Crafted Festival: Eine ehrliche Kiste eben

Michael Trammer, Projektleiter Pure&Crafted Festival bei BMW Motorrad, fuhr quer durch die kanadische Wildnis auf der Suche nach einmaligen Strecken für die GS Trophy. Er fand die Idee zu Pure&Crafted. Ein Gespräch über ehrliche Musik, ehrliche Bikes und wieso sich ein gestandener Mann seine Stiefel tätowieren lässt.

Als Noel Gallagher, Main-Act beim Pure&Crafted 2016, während seines Gigs in die Menge fragte, wer denn mit dem Motorrad da sei, hob kaum ein Zuschauer die Hand. Hat Sie das sehr geärgert?

Nein. Pure&Crafted war nie als reines Motorrad-Festival in Konkurrenz zu anderen Festivals wie Glemseck oder Wheels&Waves gedacht. Und auch als Marke wollen wir nicht omnipräsent sein, sondern lediglich vermitteln. Es geht uns um Inhalte, die wir glaubwürdig rüber bringen wollen. Pure&Crafted ist als Plattform gedacht für Menschen, die ein Stück weit gleichgesinnt sind. Sie treffen sich und verleben eine gute Zeit zusammen. Dazu gehört Musik, dazu gehören handgemachte, ehrliche Produkte und eben auch Motorräder.

Und jetzt ganz ehrlich, darf es da dann auch mal etwas handfester zugehen?

Das nun wieder eher nicht. Ich hatte bei den beiden bisherigen Pure&Crafted den Eindruck, dass die Stimmung immer sehr entspannt und freundlich war, ohne irgendwelche Aggressionen. Das sind sehr entspannte Menschen, die hier zusammen kommen. Die haben alle einen gemeinsamen Nenner und gemeinsame Interessen.

Als Pure&Crafted 2015 auf der Festival-Bühne auftauchte, gab es ein vergleichbares Festival nicht. Aber auch als Marketing- und Kommunikationsevent war es neu. Habt Ihr genau darauf abgezielt?

Die Initialidee kam von Heiner Faust, Leiter der Abteilung Vertrieb und Marketing. Sein Gedanke war, dass Motorrad und Musik zwei hochemotionale Dinge sind, die zusammen gehören. Gleichzeitig war von vorneherein klar, dass wir unser eigenes Ding machen wollten. Sich irgendwo drauf setzen und überall das BMW Logo dranmachen, kam nicht in Frage. Wir wollten mitgestalten, eigene Ideen einbringen.

Welche Ideen waren das?

Wir haben ganz allgemein einen gesellschaftlichen Trend festgestellt, hin zu einer Wertevorstellung, die sich an Qualität und ehrlichen Produkten orientiert. Das lässt sich am Motorrad festmachen, geht darüber aber hinaus. Geradlinig, schnörkellos, Made in Germany, eine ehrliche Kiste, wenn man so will. Daraus leitete sich auch sehr rasch der Arbeitstitel »Pure« ab, der es dann direkt in den tatsächlichen Titel geschafft hat. Ursprünglich dachten wir sogar noch ein Stück weit extremer und wollten ausschließlich Akustikkonzerte unplugged spielen. Doch dann stellten wir fest, so viele bekommen wir da nicht zusammen, also haben wir diesen Gedanken etwas erweitert. Viele Ideen entstanden dabei während der Scouting Tour zur GS Trophy 2014 in Kanada. Zusammen mit Alexander Baraka und Tomm Wolf fuhren wir stundenlang quer durch Kanada. Da hat man Zeit, Ideen nachzujagen.

Sicher habt ihr dabei auch Musik gehört. Hatte diese Musik Einfluss auf Pure&Crafted?

Wenn drei Typen gemeinsam im Auto sitzen, ist der Musikgeschmack selten ganz einheitlich. Wir haben Sachen gehört wie Supertramp und Led Zeppelin. Aber natürlich haben wir auch ein paar Songs querbeet vom iPod reingehauen, um uns inspirieren zu lassen und zu hören, in welche Richtung es gehen könnte. Da war sehr viel geradlinige Musik dabei, sehr gitarrenlastig. Dabei haben wir immer voll aufgedreht. Und wenn ich noch Haare hätte, hätte ich sicher dazu geheadbangt.

Wer entscheidet final über das Line-Up?

Der Veranstalter »Gemeinsame Sache« verfügt über eine ganz wunderbare Booking Abteilung, die auch das Line-up für ihre großen Festivals macht. Zunächst entsteht eine Ideensammlung, in welche Richtung es gehen könnte, uns ist hier vor allem Abwechslung wichtig. Solange das Grundthema sinnvoll verfolgt wird, kann es genremäßig gern aufgefächert werden. Diese Spreizung ist auf jeden Fall da und geht von Indie, Punk, Folk weiter über Garagenrock zu Hardcore. Nur als Beispiel: Frank Carter & The Rattlesnakes gingen so ab, dass Frank sein nächstes Konzert absagen musste, weil er sich beim Pure&Crafted derart verausgabt hatte. Also auch die härtere Gangart ist durchaus vertreten. Letztlich ist wichtig, dass es nicht Mainstream ist, dass der Künstler sein Leben auch auf der Bühne glaubwürdig rüber bringt.

Was haben Sie sich selbst zuletzt auf dem Pure&Crafted gekauft?

Vergangenes Jahr habe ich mir ein Ondura-Messer von Otter aus Solingen gekauft, das man hinten am Gürtel trägt, sehr kompakt und mit Olivenholz-Griffschalen gearbeitet. Ich muss allerdings gestehen, ich nutze es kaum, da ich leider viel zu selten raus in die Natur komme. Allerdings ist das so robust gebaut, dass es mich treu begleiten wird und eines Tages werde ich es meinem Sohn vermachen. Ich habe jetzt auch eine Tätowierung. Ich wollte allerdings nicht gleich meine Haut hergeben, also habe ich mir das Pure&Crafted-Logo auf meine Red Wing Stiefel stechen lassen. Ist ein guter Kompromiss, wie ich finde und dem Leder tat es auch nicht weh.

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