R für sich

Dieser ganz spezielle Porsche 911 R gehörte Herbert Grönemeyer. Jetzt steht er bei Porsche-Spezialist Ande Votteler zum Verkauf. Mann muss nicht verstehen, warum Herbert so ein Auto wieder abgegeben hat.
Text Matthias Mederer
Bild Matthias Mederer · ramp.pictures

Zugegeben, auch wir wissen nicht mehr wirklich immer, wann ein Mann ein Mann ist. Immerhin einige Antworten, die Herbert Grönemeyer in seinem Kulthit Männer einst gegeben hat, scheinen eine gewisse zeitlose Gültigkeit zu haben: »Männer baggern wie blöde.« Steht da. Oder: »Männer haben’s schwer, nehmen’s leicht / Außen hart und innen ganz weich.« Und: »Männer sind allzeit bereit / Männer bestechen durch ihr Geld und ihre Lässigkeit«.

Wie kriegen wir jetzt die Kurve von Geld und Lässigkeit zum ziemlich exklusiven und teuren Porsche 911 R? Puh! Keine Ahnung. Egal. Ist auch ehrlich gesagt und für den Moment gar nicht die Story. Die geht nämlich so: um das Jahr 2015 herum denken Walter Röhrl und Porsche Ingenieur Roland Kussmaul mal ein wenig frei, peilen ein Gewicht von unter 1.400 Kilogramm für einen aktuellen 911 (Baureihe 991) an und wollen auf Flügelwerk verzichten. Walter Röhrl fährt dann mit einem Prototypen auf der Autobahn ein paar schnelle Kurven sehr schnell (so »Tempo 305 oder 306«) und fühlt sich dabei eigentlich ganz gut. Die Geburtsstunde des 911 R. In superschneller Sportwagenkurzform.

Und wie das so ist, wenn sich Walter Röhrl in einem 911er gut fühlt, wollen sich bald auch andere Menschen gut fühlen. Die Nachfrage übersteigt da ganz automatisch das Angebot. Nicht jeder Mann bekommt einen. Allerdings ein Fahrzeug ging nach Berlin. Der Fahrzeugschein und auch der Fahrzeugbrief sprechen eine eindeutige Sprache: der erste Besitzer dieses Porsche 911 R der Baureihe 991, ist ein Herr mit Nachnamen Grönemeyer, Vorname: Herbert Arthur Wiglev Clamor. Die Zeile für die Vornamen reicht gerade so aus auf dem offiziellen Dokument des Fahrzeugscheins. Ausgeliefert wurde das Fahrzeug am 5. Dezember 2016, erstmals zugelassen am 14. Dezember 2016 mit dem amtlichen Kennzeichen: B - R 9991.

Gefahren ist Grönemeyer nicht all zu viel. Kaum 3.000 Kilometer in knapp fünf Jahren. Der Zustand dieses 911 R ist der eines Neuwagens.

Warum Grönemeyer diesen 911 R dann doch wieder verkaufen wollte, wissen wir nicht. Denn ehrlich, es gibt keinen besseren 911er zum Fahren – oder in Abwandlung eines anderen Grönemeyer Songs:

Der macht Musik erst, wenn er laut fährt!

Aussagekräftiger ist da schon der Blick auf die Details der Konfiguration. Zunächst fällt die Farbe auf: offiziell war der 911 R nämlich nur in Weiß (Uni) oder GT-Silbermetallic zu bestellen gewesen. Grönemeyer hat einen Schiefergrau-Ton bestellt (Code 789) als Sonderfarbe. Das war nicht selbstverständlich möglich. Hier mussten schon ein paar mehr Argumente als nur Geld aufgezählt werden. Weitere Extras sind ein Tankdeckel in Alu-Optik, Bi-Xenon Frontscheinwerfer mit schwarzen Umrandungen, ein Feuerlöscher, Sicherheitsgurte in Silber, eine Zierblende Schalttafel Carbon und eine Blende für die Mittelkonsole aus Carbon.

Dazu fällt natürlich ebenso die Keramik-Bremsanlage mit den gelben Bremssätteln ins Auge. Eine entscheidende Frage, bei einem Fahrzeug für Herbert Grönemeyer ist natürlich: was für eine Soundanlage ist da verbaut? Es das Bose Surround Sound-System mit zwölf Lausprechern inklusive eines in die Karosserie integrierten Aktivsubwoofers und Centerspeaker. »8-Kanal-Verstärker mit 445 Watt Gesamtleistung. Durch die BOSE Technologien Centerpoint 2 und Surround Stage ermöglicht das System die Wiedergabe von Stereoquellen im Surround-Modus. Die AudioPilot Noise Compensation Technology sorgt für ein gleichbleibendes, ausgewogenes Klangbild über alle Fahrzustände hinweg«, so beschreibt es dann BOSE selbst. Klingt gut. Also die Anlage, nicht nur der Text darüber.

Warum Grönemeyer diesen 911 R dann doch wieder verkauft hat, wissen wir nicht. Denn ehrlich, es gibt keinen besseren 911er zum Fahren – oder in Abwandlung eines anderen Grönemeyer Songs: Der macht Musik erst, wenn er laut fährt.

Weitere Informationen zum Fahrzeug und Anfragen:

andevotteler.net


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