Rebel in the Kindersitz

Schlafentzug ist eine ernste Sache. Gerade für junge Mütter. Da muss dann schon mal die ganze Redaktion zusammenkommen, um Ideen zu entwickeln. Und dann braucht es immer noch einen Ford Mustang GT. Unser Beitrag zum Weltkindertag.
Text ramp
Bild Matthias Mederer · ramp.pictures

Der Chefredakteur betritt als Letzter den Konferenzraum. Auf dem Tisch das übliche kreative Chaos aus Themenplänen, Kaffeetassen, ausgedruckten Fotostrecken, ersten Layout-Entwürfen, ein paar Notizblöcken und ein paar Dosen Red Bull. An eine klammert sich der Praktikant. »War ’ne kurze Nacht, aber jetzt schläft sie.« Die versammelte Mannschaft stutzt, dann grinst der Praktikant frech. Der Chefredakteur lächelt unmerklich. Als verantwortungs­bewusster Vater von drei Noch-Schulkindern kann er solch exzessiven Lebenswandel natürlich nicht gutheißen.

Die anderen Dosen stehen vor Anto, Nadine und Emily. Drei junge Mütter. Auch ihre Nacht war kurz.

Chefredakteur:
»Du siehst müde aus.«

Anto:
»Geht schon. Zurzeit ist die Kleine besonders aktiv. Leider halt auch nachts.«

Chefredakteur: »Wie alt ist sie jetzt?«

Anto: »18 Monate.«

Matthias: »Eigentlich ein lustiges Alter! Meine Nichte ist auch ungefähr so alt. Sie entdeckt gerade die Welt, plappert den ganzen Tag; man versteht zwar kaum was, aber es ist lustig, ihr dabei zuzuschauen.«

Nadine (strenger Blick Richtung Matthias, mitfühlend zu Anto):
»Oje, du Arme. Marlon schläft mittlerweile zumindest zeitweise durch. Das schwankt zwar auch immer noch, aber neulich musste ich in drei von fünf Nächten unter der Woche tatsächlich nicht aufstehen. Da feierst du innerlich den ganzen Tag.«

Anto zwingt sich ein Lächeln ab. Offensichtlich mag sie in diesem Moment nicht wirklich daran glauben.

Chefredakteur:
»Ich glaube, Anfang des Jahres gab es hierzu eine Studie. Es kam heraus, dass Frauen nach der Geburt im ersten Jahr im Schnitt bis zu 40 Minuten weniger schlafen als vor der Geburt. In den ersten drei Monaten sogar bis zu einer Stunde weniger.«

Alexander (investigativ):
»Gab es auch Erkenntnisse zu den Vätern?«

Chefredakteur (zögerlich):
»Ja … hier sind die Auswirkungen nicht ganz so stark. Im Schnitt 13 oder 14 Minuten weniger Schlaf.«

Stille.

Die Mütter wechseln ein paar vielsagende Blicke miteinander.

Alexander:
»Hmm … na immerhin.«

Chefredakteur (wohl wissend, dass das Eis dünn wird):
»Weit überraschender als die Feststellung des eigentlichen Schlafentzugs war in der Studie allerdings die Erkenntnis, dass sich die Auswirkungen des Schlafentzugs nicht nur auf die ersten ein oder zwei Jahre bemerkbar machen, sondern tatsächlich bis zu sechs Jahre andauern können.«

Alexander:
»Aha … hätte man jetzt so auch nicht erwartet.«

Alle nicken. Bis auf Anto, Nadine und Emily.

Der Chefredakteur (sich seiner Fürsorgepflicht vollauf bewusst):
»Also, meine Lieben … lasst uns sehen, wie wir Anto ein bisschen Entlastung verschaffen können. Unser aktuelles Heft wird schließlich auf den Namen »Stille« hören. Da bietet sich das Thema doch wunderbar an. Wie können wir Anto – auch Nadine und Emily – ein bisschen entspannte Ruhe verschaffen? Ideen bitte.«

Der Praktikant (setzt an, blickt dabei etwas verstohlen auf den Boden):
»Wie wäre es …«

Franzi (Art Direktorin):
»Sag es nicht!«

Ford Mustang GT // Motor: V8-Saugmotor / Hubraum: 5.038 ccm / Leistung: 450 PS (331 kW) bei 7.000 U/min / Drehmoment: 529 Nm bei 4.600 U/min / 0–100 km / h: ca. 5,3 s / Vmax 250 km/h

Der Praktikant schweigt.

Cedric (Projektmanager ramp & rampstyle):
»Wie lange ist der Mustang noch da?«

Ulli (Assistenz der Geschäftsstelle):
»Wird am Freitag abgeholt.«

Cedric (an Anto gerichtet):
»Fährt Deine Kleine gerne mit dem Auto?«

Matthias (vorlaut):
»Erst seit sie über’s Lenkrad schauen kann.«

Einige lachen. Andere ganz bewusst nicht.

Cedric:
»Worauf ich eigentlich hinauswill, einige Kinder schlafen gerade beim Autofahren immerzu ein. Und irgendwie hat dieses V8-Grummeln des Mustangs gerade in den niedrigen Drehzahlregionen doch etwas sehr Meditatives. Dazu die Vibrationen der ganzen Karosse …«

Der Chefredakteur (pragmatisch wie immer):
»Kommt, probieren wir!«

Nadine und Emily (im Chor): »Das klappt niemals!«

Sie sollten Recht behalten.


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