Red Wing Shoes: Boots für die Ewigkeit

Die Marke Red Wing produziert seit einer halben Ewigkeit Schuhe. Und sie halten in etwa genauso lange.
Text Wiebke Brauer
Bild Red Wing Shoes

Sie sind der Geländewagen unter den Schuhen. Halbhohe Stiefel, gefertigt aus robustem Leder, mit kabelartigen Schnürsenkeln und einer Sohle wie aus weißem Speck. Elegant ist anders, die Ähnlichkeit zu einem Backstein nicht von der Hand zu weisen, aber dafür kann man mit ihnen durch tiefes Wasser waten, ohne nasse Füße zu bekommen, oder durch Wälder und Moore wandern. Dreck schütteln sie ab, Schnee ignorieren sie, Feuchtigkeit perlt an ihnen ab. Und seit einigen Jahren sind sie vor allem dort zu finden, wo sie nichts zu suchen haben: in den Großstädten dieser Welt. Der Hipster von heute trägt Red Wing Shoes, das Modell heißt »Classic Moc STYLE NO. 1907«. Die Beliebtheit der Red Wings liegt auch in der Firmengeschichte begründet, denn nichts ist heute attraktiver als Authentizität – und davon hat die Marke genug zu bieten.

Die Geschichte beginnt damit, dass ein Mann namens Karl Beckmann 1873 in die USA auswandert. Er stammt aus Bremervörde, eröffnet in Minnesota einen Schuhladen – der Ort heißt Red Wing, wie sonst? – und ärgert sich über die Qualität der gelieferten Ware. 1905 gründet er die Red Wing Shoe Company. Sein erstes Paar Stiefel verkauft er für 1,75 Dollar, sie haben Schnürsenkel, einen flachen Absatz und vier Schnallen am hohen Schaft. 1907 entsteht der besagte erste »Moc Toe«-Stiefel ohne Absatz und mit dreifacher Naht. 1915 produziert das Unternehmen bereits 200.000 Paar Schuhe jährlich. Das liegt auch am Ersten Weltkrieg: Red Wing Shoes verschickt schwere Stahlkappen-Schuhe an amerikanische Soldaten. In den 20er-Jahren werden auch Stiefel für die Arbeiter auf den Ölfeldern und für Stahlbau-Monteure hergestellt; klassische Arbeitsschuhe, entworfen und gefertigt, um den Härten des Arbeitslebens zu widerstehen.

Klingt nach einem typischen Männerschuh, stimmt aber nicht ganz. Denn es gibt noch eine andere Geschichte: Bereits 1926 bringt Red Wing einen Stiefel für Damen auf den Markt. Er heißt »Gloria«. Die Reklame für die Boots zeigt eine Frau in langen Hosen und mit Hut und Wanderstock. Das nennt man emanzipierte Mode. 2016, also zum 90. Jubiläum, lancierte das amerikanische Unternehmen eine neue Damenkollektion. Auch »Gloria« gibt es wieder. Zum Beispiel im Red Wing Heritage Women’s Store in Berlin, dem weltweit ersten Shop der Marke für Frauen. Eröffnet wurde er voriges Jahr, nur wenige Meter vom Flagship-Store in der Münzstraße entfernt. Aber ob nun Berlin, Hamburg, Frankfurt oder Köln – in jedem Laden wird die Schuhgröße sorgsam ausgemessen und beraten oder abgelatschte Sohlen werden akribisch von Fachleuten durch Originalteile aus den USA ersetzt.

Der Hype um das Label ist übrigens den Japanern zu verdanken. Die entdeckten die Schuhe bereits in den 80ern und erklärten sie zum Mode-Statement. Irgendwann kamen dann auch die Europäer auf den Trichter, dass Red Wing Schuhe macht, die länger halten. Gabor Magyar, CEO des Unternehmens in Europa, sagte einmal, dass man sicherlich auch das »Bedürfnis des Hipsters nach langlebigen Produkten« bedient. Allerdings wolle man sich nicht darauf verlassen. Warum nicht? »Der ist eben schnell wieder weg.« Im Gegensatz zu den Schuhen. Die bleiben.

Mehr Informationen:

redwingberlin.com


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