Reeves Reloaded

Keanu Reeves wurde lange nur als Actiondarsteller wahrgenommen und in den letzten Jahren wegen seinerechten Freundlichkeit beinahe kultisch verehrt. Seltsamerweise hat der 57-Jährige genau durch diese Kombination etwas bewahrt, das sich nicht faken lässt: Coolness.
Text Rüdiger Sturm
Bild Trunk Archive

Mister Reeves, »Matrix«, dessen vierter Teil jetzt in die Kinos kommt, wurde zum weltweiten Phänomen. Wie haben Sie das wahrgenommen?
Ich war schon erstaunt, als vor zwei Jahren der 20. Geburtstag des ersten Films gefeiert wurde. Bekannte Magazine brachten es sogar auf ihrem Cover. Es war ein wunderbarer Film, eine wunderbare Trilogie – wobei »wunderbar« vielleicht nicht das richtige Wort ist. Sagen wir lieber: erstaunlich, fantastisch, bahnbrechend, revolutionär, lebensverändernd. Und zwar sowohl persönlich wie künstlerisch.

Können Sie sich noch erinnern, wie Sie den ersten Teil erlebt haben?
Es war ein Gefühl des Neuanfangs, was ich immer sehr genieße. Genau wie ich mit 22 von Toronto nach Los Angeles zog, um dort mein Glück als Schauspieler zu versuchen. Und beim ersten »Matrix«-Film wusste ich: Ich gehe jetzt für sieben Monate nach Sydney. Ich fragte mich, was mich erwartet. Das ist jedes Mal so, wenn ich mein Heim verlasse, um als Schauspieler zu arbeiten. Ein sehr schöner Aspekt des Berufs.

»Mit Programmcodes habe ich es nicht so sehr, es liegt mir mehr, mit meinem Motorrad durch eine schöne Landschaft zu fahren.«

Keanu Reeves

Was mögen Sie an Neuanfängen?
Die Vorstellung, in das große, weite Unbekannte zu ziehen, bereitet mir große Freude.

Und wie wäre es, in ein virtuelles Universum wie in der »Matrix« einzutauchen?
Ich bin mehr ein Naturmensch. Mit Programmcodes habe ich es nicht so sehr, es liegt mir mehr, mit meinem Motorrad durch eine schöne Landschaft zu fahren oder die atemberaubende Landschaft einer Wüste zu erleben.

Inzwischen sind Sie 57 …
Zugegeben, in jüngeren Jahren war das vielleicht ausgeprägter. Aber ich will mich nicht auf die Vorstellung festnageln lassen, wie man in diesem oder jenem Alter sein sollte. Ja, es gibt da bestimmte Traditionen oder geistige Konstrukte, doch ich möchte nicht von denen gefangen sein.

»Du musst erst mal verstehen, wer du bist, und dich langsam auf dieses Ich, das du sein willst, hinentwickeln.«

Keanu Reeves

Welchen Einfluss haben asiatische Lebensphilosophien auf Sie? In Ihren Rollen, ob in »Little Buddha« oder »Man of Tai Chi«, und eben auch in den »Matrix«-Filmen haben Sie sich immer wieder damit beschäftigt.
Ich bin kein Tai-Chi-Meister, aber ich finde die Vorstellungen des Buddhismus faszinierend, mit denen ich bei »Little Buddha« zum ersten Mal konfrontiert wurde: wie man sich in die Lage des anderen versetzen und ihn dadurch verstehen kann. Wie man sein eigenes Verhalten untersucht und dadurch auch das Leiden beendet. Ich habe immer wieder Bücher zur asiatischen Philosophie gelesen, ich mag die japanische Kultur mit ihrer Dichtung und ihren speziellen Gärten. Die hilft dir, deinen Platz in der Natur zu finden und ein neues Verhältnis zu deinem Selbst aufzubauen.

Wie kommen Sie sonst noch in Kontakt mit Ihrem Selbst?
Na ja, vielleicht beim Schlammcatchen. Im Ernst, das ist ein langwieriger Prozess. Du musst erst mal verstehen, wer du bist, und dich langsam auf dieses Ich, das du sein willst, hinentwickeln. Ich praktiziere aber keinen Buddhismus, ich meditiere nicht mal.

Aber Sie machen Sport?
Ja, wobei ich merke, dass (…)

→ Lesen Sie das gesamte Interview mit Keanu Reeves und zahlreiche weitere Geschichten in der rampstyle #24.


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