Right 
of Way

Polo ist der schnellste und älteste Mannschaftssport der Welt. Wer viel von 
Taktik versteht und etwas für Geschwindigkeit und Risiken übrig hat, ist bei diesem Spiel genau richtig. Geld hilft allerdings auch.
Text Wiebke Brauer
Bild Veronika Faustmann

Fangen wir mit einem Missverständnis an: Das Polohemd hat mit dem Traditions-Sport rein gar nichts zu tun. 1933 wurde das Shirt vom französischen Tennisprofi René Lacoste erfunden, erst ab 1972 verknüpfte der Designer Ralph Lauren durch eine aufwendige Werbekampagne das Hemd und den Sport. Zelebriert wurde das »Spiel der Könige« wohl bereits vor über 2.600 Jahren, so wurden im reitsportbegeisterten Persien auf großen Plätzen Polo-Wettkämpfe ausgetragen. Die Briten entdeckten das Spiel dann während der Kolonialzeit. 1859 gründeten sie den ersten Verein, den Silchar Polo Club in Cachar. Fünf Mal war Polo olympische Disziplin (1900, 1908, 1920, 1924 und 1936), konnte sich aber nicht etablieren. So bleibt der Sport bis heute in seiner Nische, mitsamt seinen Attributen: Ein elitärer Sport sei es, man spricht leicht boshaft von reichen Männern auf kleinen Pferden, wenig zimperlich gehe es zu, heißt es. Mag alles angehen, faszinierend ist der Sport trotzdem oder gerade deswegen.

Zelebriert wurde das »Spiel der Könige« wohl bereits vor über 2.600 Jahren, so wurden im reitsportbegeisterten Persien auf großen Plätzen Polo-Wettkämpfe ausgetragen.

Am heißesten wird Polo in Argentinien geliebt. 1877 wurde der Pferdesport von einem englischen Farmer in Buenos Aires eingeführt, 1888 der erste Polo-Verein gegründet. Die englische Reitkultur und die Pferdeerfahrung der Gauchos ergänzte sich perfekt, heute kommen aus dem Land die besten Spieler und Pferde. Zunächst wurden südamerikanische Araber und englische Vollblüter gekreuzt, heute ist die Zucht durch Klontechnik und Embryotransfer perfektioniert.

Doch das beste Hightech-Pferd nützt nichts ohne die richtige Technik: Das Feld ist bis zu 270 Meter lang und bis zu 145 Meter breit, auf dieser Fläche sind nur acht Spieler unterwegs. Galoppieren die ohne Strategie hin und her, hält das kein Gaul durch. Und was die Reiter angeht: Früher war Polo reichen Familien vorbehalten, inzwischen arbeiten Verbände global daran, den Sport für alle zu öffnen. Ob’s sein muss, ist eine andere Frage. Eine Welt voller kleiner Universen ist ja auch sehr reizvoll.

Weitere Bilder von Veronika Faustmann und Informationen rund um das Polo finden sie in der aktuellen rampstyle #23.

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