Ryan Gosling: Der Ruhm und das Rätselhafte

Im Action-Blockbuster »The Gray Man«, der teuersten Netflix-Produktion aller Zeiten, mimt Ryan Gosling den spitzbübischen Killer. Für rampstyle haben wir den Kanadier getroffen. Und im Gespräch festgestellt: Egal ob Ryan Gosling über seinen Hund spricht, über seine Schwester, oder einfach eine Pause macht, um sich ein Glas Wasser einzugießen - immer hat man das Gefühl, dass ihn etwas Geheimnisvolles umgibt. Aber vermutlich ist genau das der Grund für seinen unglaublichen Erfolg.
Text Rüdiger Sturm
Bild Trunk Archive

Mister Gosling, Sie gelten als cooles Sexsymbol. Wie fühlen Sie sich in dieser Rolle?
Na ja, dieser ganze Hype fühlt sich für mich ziemlich falsch an.

Aber von irgendetwas muss Ihr Image doch kommen.
Das hat eher etwas mit meinen Rollen als mit mir zu tun. Ich bin nicht so besonders gut aussehend, und wenn jemand anders die Figuren gespielt hätte, würde ihm wahrscheinlich das Gleiche passieren. Das ist eben die Wirkung des Kinos. Dass sich alles so entwickelt, war nie geplant. Als ich mit der Schauspielerei anfing, zog mich niemand für Hauptrollen in Betracht. Und ich hatte mich deshalb darauf eingestellt, dass ich nie welche bekomme.

Das klingt nicht sehr hoffnungsfroh.
Am Anfang deiner Laufbahn glaubt kaum ein Mensch an dich – bis auf wenige Ausnahmen. Darum muss man das beiseitedrücken, sonst würde man jeden Mut verlieren. Wenn sich auf einmal die Meinung der Öffentlichkeit ändert, dann darf man sich genauso wenig davon beeindrucken lassen. Entscheidend sind nur die Menschen, die dich schon von Anfang an unterstützt haben.

Mussten Sie für Ihren Erfolg eigentlich etwas opfern?
Meine Privatsphäre. Das war das größte Opfer, das ich gebracht habe. Aber man versucht sie sich natürlich zurückzuerobern und ein möglichst normales Leben zu führen. Man will Zeit für sich. Und jetzt, da ich eine Familie habe, ist das natürlich noch wichtiger. Meine Familie würde ich nie opfern.

Sie wirken immer so gefasst, wenn Sie das alles erzählen. Wie macht man das?
Schwer zu sagen. Es mag auch daran liegen, dass ich Transzendentale Meditation praktiziert habe. Die hat auf mich eine sehr beruhigende Wirkung.

Aber waren Sie als Kind auch schon so bedächtig?
Ich würde eher sagen, ich war ein sehr merkwürdiges Kind. Ich kann mich noch erinnern, wie ich auf dem Weg zur Schule an einer Unfallszene vorbeikam. Ein Motorradfahrer war von einem Auto erwischt worden und lag verletzt auf der Straße. Ich ging zu ihm hin, und mein erster Gedanke war: »Ich muss mir ein Motorrad besorgen.« Was ich dann kurze Zeit später auch getan habe, obwohl ich gar keinen Führerschein hatte und es nicht fahren konnte. Es war echt verrückt, aber das Leben ist nun mal ein ziemlich surreale Sache.

»Meine Familie ist eine Ansammlung von schrägen Typen. Wenn du sie alle in einem Film zusammenbringen würdest, würde jeder sagen, dass es ein bisschen übertrieben sei.«

Ryan Gosling

Und wie ist die Familie mit diesem merkwürdigen Kind umgegangen?
Meine Familie – das ist eine Ansammlung von schrägen Typen. Wenn du sie alle in einem Film zusammenbringen würdest, würde jeder sagen, dass es ein bisschen übertrieben sei. Es gab Drama und Komödie und Thriller – alles zusammen, alles gleichzeitig, und unser Haus war die Bühne.

Haben Sie diese Erfahrungen zum Schauspieler gemacht?
Sie haben mich in jedem Falle als Person geprägt. Und jetzt helfen sie mir in meinem Beruf. Denn jetzt kann ich aus sicherer Distanz in Erinnerungen von damals eintauchen.

Wie gut ist Ihre Menschenkenntnis generell? Wie wissen Sie, wann Sie jemand vertrauen können?
Wenn eine Person zu mir auf eine Weise ehrlich ist, die auch unangenehm sein kann. Wenn jemand mein Interesse so sehr am Herzen liegt, dass er oder sie mir Dinge sagt, die ich nicht hören will, und auf diese Weise unsere ganze Beziehung riskiert, ist das ein gutes Zeichen, dass ich dieser Person vertrauen kann.

»Wenn jemand Dinge sagt, die ich nicht hören will, ist das ein gutes Zeichen, dass ich dieser Person vertrauen kann.«

Ryan Gosling

Schaffen Sie es denn, immer unverblümt ehrlich zu sein?
Ich gebe zu, das ist nicht einfach. Das gilt für den Umgang mit anderen Menschen und auch mir selbst gegenüber. Vor allem, wenn man es ständig versucht. Aber man muss sich anstrengen, immer wieder solche Momente der Aufrichtigkeit zu finden.

Abgesehen von Ihrer Beziehung mit Eva Mendes – was für ein Verhältnis haben Sie zu Frauen?
Eigentlich bin ich die ganze Zeit von Frauen umgeben. Ich bin es allerdings gewohnt, denn ich bin mit einer Mutter und einer Schwester groß geworden, zu denen ich eine sehr enge Beziehung habe. Dazu kommt heute eine Agentin, eine Managerin und eine Presseagentin. Ich brauche Frauen um mich, sie sind einfach die Besten.

Und wie steht es mit Männern?
Männerfreundschaften sind wegen einer möglichen Rivalität ein wenig komplizierter. Die kann sogar eine gute Freundschaft ruinieren, denn sobald zwei Männer miteinander wetteifern, verliert man schnell den klaren Blick.

Ist es eigentlich schwierig, vertrauensvolle Beziehungen im Haifischbecken Hollywoods aufzubauen und zu führen?
(…)

Lesen Sie das gesamte Interview mit Ryan Gosling in der rampstyle #24.


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