Schönes neues Trauerspiel: Nissan Z

Nissan stellt in den USA seinen neuen »Z« vor und bringt mit dem knackigen Coupé einen authentischen, klassischen Sportwagen auf den Markt. Der wird für uns zum tragischen Helden – gerade, weil er so gut ist. Und hier in Europa wohl nie auf den Markt kommt.
Text Marko Knab
Bild Nissan USA

Dass ein Auto wie der Nissan Z nicht nach Europa kommt, ist der Stoff für eine klassische Tragödie. Wie das jetzt zu verstehen ist? Fangen wir so an: unser brandneuer Protagonist ist der jüngste Nachfahre einer langen Ahnenreihe von wunderbaren Sportwagen – sein Erbe reicht bis ins Jahr 1969 zurück, als der erste 240Z für Aufsehen sorgt. Mit langer Motorhaube, knackigem Heck und eben dieser klassischen Sportwagenästhetik. Markante Rückspiegel auf den vorderen Kotflügeln inklusive. Über den 280Z, den 300ZX, den bekannten 350Z und den 370Z wird die rasante Erfolgsgeschichte fortgeschrieben. Und zwar verdammt gut, zumindest bis jetzt. Denn in Europa bleibt die Fortsetzung in Form des nur noch schlicht »Z« genannte Sportlers aus.

Alte Schule wäre sein Auftritt in jedem Fall gewesen: 400 PS aus einem Twin-Turbo-V6 treffen nämlich auf ein Sechsgang-Schaltgetriebe und Heckantrieb. Gut, wahlweise wäre da auch noch die Neungang-Automatik – aber die passt nicht wirklich in das Storyboard, so ehrlich muss man mal sein. Auch bei der Karosserie zitiert der junge Held die alles andere als antiken Vorfahren: sowohl die mandelförmigen Frontscheinwerfer kommen uns aus der Z-Historie bekannt vor, wie auch die quadratisch-linear gehaltenen Rücklichter. Genauso wie der viereckige Kühlergrill und die schon angesprochene Grundform eines Sportwagens. Warum der Z (in Europa) trotzdem scheitert? Verantwortlich sind ein schrumpfender Sportwagenmarkt und Emissionsrichtlinien, die einen Verkauf im Westen unrentabel machen. Sagt Nissan. „Schuldlos schuldig“, sagen wir in Tradition der Dramentheorie.

Alte Schule wäre sein Auftritt in jedem Fall gewesen: 400 PS aus einem Twin-Turbo-V6 treffen nämlich auf ein Sechsgang-Schaltgetriebe und Heckantrieb.

Gut, in den USA steht der Wagen ab Frühjahr 2022 bei den Händlern – und feiert zumindest in Übersee die Fortsetzung seiner eigenen Geschichte. So gesehen gibt es also keine Gründe für Jammern und Schrecken, schwer erträglich bleibt das Ganze trotzdem. Und um die klassische Tragödie nochmal zu bemühen: Nein, am Ende sind wir kein bisschen geläutert von unseren Affekten, Katharsis fehlgeschlagen, das Verlangen ist nur noch größer geworden. Als einziger Ausweg bleibt hier wohl nur der nicht gerade unkomplizierte Import aus den Staaten nach Europa. Oder eben das Hoffen auf eine unerklärliche Lösung (und einen Sinneswandel) von ganz oben. Damit die beeindruckende Maschine vielleicht doch noch den Weg nach Europa findet. Würde man dann übrigens »Deus ex machina« nennen.

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