Searching Bangkok: Auf dem Sprung mit Dominik Gührs

Andere Menschen vergnügen sich in einer Wasserski-Anlage in Salzgitter, Dominik Gührs fährt mit seinem Wakeboard durch den Schwimmenden Markt in Bangkok, springt über Boote und macht ein paar Tricks. Das klingt gleichzeitig einfach wie verrückt – da sollte man doch mal nachfragen. Ach so, eins noch: Dominik Gührs ist zweifacher Weltmeister im Wakeboarden.
Text Wiebke Brauer & Matthias Mederer
Bild Red Bull

Es gibt bequemere Arten, sich durch die Floating Markets von Bangkok zu bewegen. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Ich fliege seit zehn Jahren für drei Monate nach Bangkok, weil ich dort die Saison vorbereite, also das Wintertraining absolviere. Und als wir vor ewiger Zeit mal am Floating Market waren, dachte ich: Hey, wie geil wäre es, hier mit einem Wakeboard durchzufahren? Allerdings ist das extrem schwer umzusetzen, weil der ganze Markt so vollgestellt ist. Dazu kam, dass wir uns ein paar Spots ausgesucht hatten, die sportlich gesehen am Limit sind. Also habe ich das Videoprojekt »Searching Bangkok« vor zwei Jahren Red Bull vorgeschlagen, weil die sehr gut vernetzt sind.

Also nicht nur ein bisschen Schaulaufen für die Kameras.
Auf keinen Fall, nein. Auf gar keinen Fall. Da waren echt schwierige Sachen dabei.

Geht es nicht auch einfacher?
Sicher, aber ich wollte nicht ausschließlich einen Clip für den Mainstream machen, sondern auch etwas für die Core-Szene – es war mir wichtig, beide Bereiche abzudecken.

Jetzt sind die Red Bull-Clips immer spektakulär. Welche Unterschiede gibt es bei der Herangehensweise zwischen einem solchen Action-Clip und einem Wettkampf?
So ein Videoprojekt ist für mich zehnmal geiler als irgendein Contest. Weil man zehn bis 15 Contests im Jahr mitmacht – und die im Endeffekt alle gleich sind. Ich fühle mich dabei immer ein bisschen wie ein Zirkusaffe. Man macht seine Tricks und wird von dreißig Schiedsrichtern bewertet. Und so einen Clip zu produzieren ist was Einzigartiges, weil eine Filmcrew dabei ist. Man hat genau die Sachen im Kopf, die man machen will – und am Ende kommt etwas ganz Besonderes heraus. Das ist dann ein Masterpiece. So eine Art Kunst (lacht).

Sind die anspruchsvollsten Tricks auch die, die am spektakulärsten im Film wirken?
Sagen wir so: Alles, was kopfüber ist, sieht für einen Laien extrem schwierig aus. Wenn man sich bei einem »1080« dreimal um die eigene Achse dreht, versteht der Zuschauer nicht wirklich, wie kompliziert der Trick ist, für einen Laien sieht ein doppelter Rückwärtssalto krasser aus – und er denkt dann, dass der Fahrer ein Megaprofi sein muss. Ist aber im Endeffekt nicht so.

Was macht das Kopfüberfliegen so einfach?
Wenn man einfach nur einen Rückwärtssalto über einen Kicker, also über eine Schanze, macht, ist das nicht wirklich anspruchsvoll. Ein stylisch gegrabter 360, bei dem man sich einmal um die Achse dreht, ist schwieriger.

Wie schätzen Sie den Sport ein – generell und persönlich?
Der Sport ist auf jeden Fall noch ziemlich jung, extrem am Wachsen, und ja, für mich ist es eine der geilsten Sportarten, die es gibt. Alleine deswegen, weil man mit seinen Kumpels im Sommer an den Lift geht und da einen guten Tag verbringt. Das ist eigentlich das, was mir am Wakeboarden am meisten Spaß macht. Die Menschen, die man um sich herum hat.

Klassikerfrage: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Ich würde schon gerne in dem Sport bleiben. Klar, in zehn Jahren werde ich wahrscheinlich keine Weltmeisterschaften mehr gewinnen (lacht). Aber ich hätte schon mal Lust auf einen eigenen Park. Ich hätte da schon Ideen.

Wäre der Park dann in Bangkok?
Auch wenn ich gerne reise, bin ich immer wieder froh, wenn ich daheim bin. Also eher in Aschheim.

Wie oft sind Sie pro Jahr unterwegs?
Schon so sechs bis sieben Monate, allerdings nicht am Stück.

Zum Schluss: Die Verletzungen, das Training, das Unterwegssein … Was motiviert Sie?
Ich glaube, die größte Motivation besteht darin, um die Welt zu reisen, mit seinen Freunden fahren zu gehen und sich gegenseitig zu pushen. Wenn man sieht, dass jemand einen neuen Trick beherrscht, will man sofort auch etwas Neues lernen. Sicherlich handelt es sich beim Wakeboarden um einen Einzelkampfsport, aber zugleich bildet man ein Team.

Das komplette Interview mit Domnik Gührs ist in neben weiteren Geschichten in der rampstyle #18 erschienen.


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