Text: Bernd Haase
Bild: Laurent Nivalle, Julian Mittelstaedt
6 min

Stil oder Speed? 10+1 Fragen an Patrick Sauter

Für Custombikes, die aussehen, als sei ihnen ein Sattelschlepper ungebremst ins Heck geknallt, hat Patrick Sauter wenig übrig. Dafür für gnadenlos scharf gestellte Zweitakter, wie sie Ende der Achtziger über die Bundesstraßen peitschten. Und wie sie dieses Jahr wieder vom 1. bis zum 3. September beim Glemseck 101 zu sehen sein werden. Zum Event-Auftakt haben wir mit dem Chefredakteur des Motorrad Magazins MO gesprochen. Und ihm 10+1 Fragen über Glemseck gestellt.

1. Kannst Du Glemseck 101 in drei Worten beschreiben?

Motorrad, Volksfest, Benzin!

2. Und wenn Du ganze Sätze verwenden darfst?

Als gebürtiger Leonberger und fanatischer Zweirad-Freak freut es mich natürlich doppelt, ein Event wie das Glemseck 101 direkt vor der Haustüre zu haben. In der Regel trifft man an diesem langen Wochenende den gesamten Freundeskreis, viele Bekannte und lernt einen Haufen verrückte Typen kennen. Für mich ein ganz besonderes Volksfest, bei dem der kleinste gemeinsame Nenner einen Motor und zwei Räder hat. Persönlich habe ich natürlich viele gute Erinnerungen an die vergangenen Jahre. Seinerzeit bin ich oft mit meinem Großvater über das Fest gestiefelt, ehe es ihm irgendwann zu viel wurde und er keine Lust mehr auf den „umgebauten und immer gleichen Mist“ hatte. Später durfte ich dann mit meinem ersten selbst gebauten Custombike auf der legendären Achtelmeile an den Start gehen und habe nicht einmal die Hälfte der Strecke geschafft, ehe meine Maschine abgeraucht ist. Trotzdem ist die Begeisterung auch nach Jahren ungebrochen, weshalb ich mich stets freue, wenn es wieder soweit ist.

3. Glemseck 101 vor zehn Jahren im Vergleich zu heute?

2006 fand das Event erstmals auf der altehrwürdigen Solitude-Rennstrecke statt. Schon damals war der Besucherandrang auf das kleine, aber feine Zweirad-Festival erstaunlich groß. Am Leonberger Stadtrand kamen hauptsächlich »Local Heroes« zusammen. Das beste aus der Region sozusagen. Da spannten kleinere Werkstätten ihre Zelte am Straßenrand auf und zeigten, was sie drauf haben. Man traf den eigenen Nachbar, der am heiligen Sonntag ohnehin meist am Motorradtreff Glemseck abgehangen ist. Das Thema Cafe Racer brachte schließlich Schwung in die Kiste und begeisterte Zuschauer wie Motorradfahrer gleichermaßen.

Zehn Jahre später kann von einer regionalen Festlichkeit mit ein paar umgebauten Krafträdern keine Rede mehr sein. Die großen Hersteller sind allesamt vertreten, umgeben von professionellen Customizern und schillernden Persönlichkeiten aus der ganzen Welt. Das Glemseck 101 ist deshalb zum internationalen und gleichzeitig kommerziellen Mekka der Motorradszene geworden. Vielen Besuchern missfällt das, obwohl es noch immer um die gleiche Essenz geht: Motorräder. Und davon sind heuer wesentlich heißere Fahrwerke zu bestaunen, als vor rund zehn Jahren.

4. Lieber Gast oder Veranstalter bzw. Partner des Veranstalters?

Als Chefredakteur von Motorrad Magazin MO, das gleichzeitig Medienpartner der Veranstaltung ist, bleibt einem natürlich keine Wahl. Die Übergänge zwischen Hobby und Beruf sind fließend. Der Umgang in der Motorradbranche ist insgesamt aber ziemlich locker, so dass zwischen Händeschütteln und Fachgesprächen aus gegebenem Anlass auch gerne mal eine Halbe gezwickt wird. Es dürften nicht allzu viele traurig sein, wenn sie an diesem Wochenende Arbeitszeit gutgeschrieben bekommen.

5. Welche drei Dinge sollte jeder Festivalbesucher im Gepäck haben?

Taschentücher, um den Ölstand zu kontrollieren, eine Zahnbürste und genügend Kleingeld für Bier.

6. Die schlimmste Sünde beim Customizing?

Motorräder die aussehen, als sei ein Sattelschlepper ungebremst in das Heck geknallt. Siehe auch: Streetfighter.

7. Die berühmte Insel, ein iPod mit unendlich Batterie, drei Songs drauf. Welche?

Canned Heat, On The Road Again. Dilated Peoples, Worst Comes to Worst.  AC/DC, Whole Lotta Rosie.

8. Und welches Motorrad ist dabei?

Yamaha DT 175.

9. Im Zweifel lieber Stil oder Speed?

Ganz klar, Geschwindigkeit.

10. Was muss unbedingt noch erfunden werden?

Ein Antidot gegen Boris Palmer.

10+1. Du kannst mit einer Zeitmaschine reisen. Welches Jahr stellst du ein und warum?

Den Zeitraum Ende der Achtziger, Anfang Neunziger. Dort gab es die fiesesten Superbikes und die bissigsten Zweitakter. Unnachahmliche und gnadenlose Motorräder. Superlative, bei denen die maximal mögliche Performance im Vordergrund stand und nicht, wie man am billigsten produziert und den Gewinn maximiert. Den nach Abgasnorm restringierten Einheitsbrei kann man ja bald nicht mehr anschauen.

Name:  Patrick Sauter Alter: 27 Beruf:  Chefredakteur Motorrad Magazin MO Motorrad: Eine ganze Tiefgarage voll Lebensmotto: »Nach Fernweh kommt Heimweh«

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