Stirling Moss: Gentleman, Playboy, Racer

Am vergangenen Sonntag ist Stirling Moss im Alter von 90 Jahren verstorben. Mit dem Briten verliert der Motorsport nicht nur einen Ausnahmefahrer, sondern auch einen echten Gentleman und einzigartigen Charakter. Wir blicken auf fünf bemerkenswerte Momente und Fakten aus Karriere und Leben von Moss zurück.
Text Marko Knab
Bild Daimler

Ein echter Gentleman

Wie kaum ein anderer Pilot in der Historie der Formel 1 gilt er als Gentleman. So ergreift Moss 1958 beim Grand Prix von Portugal Partei für seinen Landsmann und WM-Konkurrenten Mike Hawthorne. Der hat nach einem Dreher gewendet und soll eine kurze Strecke entgegen der Fahrtrichtung gerollt sein. Die logische Folge: Disqualifikation. Moss wird bei der Rennleitung vorstellig und entlastet seinen Freund und Fahrerkollegen. Die Disqualifikation wird zurückgenommen – und Fürsprecher Moss verpasst am Ende des Jahres den WM-Titel um einen einzigen Punkt. Gegen Hawthorne.

Credit: Daimler

Stirling Moss ist Stirling Moss

»Was glauben Sie denn, wer sie sind? Stirling Moss?« Das pflegen britische Polizisten zu seiner aktiven Zeit gerne zu fragen, wenn ein Verkehrsteilnehmer zu schnell fährt. Dass Moss selbst gerne schnell fährt, ist dabei kein wirkliches Geheimnis. Als er eines Tages auf dem Weg zur Rennstrecke nach Aintree Gas gibt, passiert, was passieren muss. Moss wird von einem Polizisten angehalten – und mit besagter Phrase begrüßt. »Genau der bin ich«, antwortet er selbstbewusst. Und zahlt als echter britischer Gentleman seine zehn Pfund Strafe, ehe er die Reise fortsetzt.

Credit: Daimler

Mille Miglia 1955

1955 feiert Moss mit 25 Jahren seinen vielleicht größten Sieg. Auf dem Mercedes 300 SLR gewinnt er die Mille Miglia in absoluter Rekordzeit und einem Schnitt von 157,651 km/h. In der drittletzten Ausgabe des Rennens aufgestellt, haben die Bestwerte auch heute noch Bestand. Der Erfolg ist kein Zufall: Mit Streckennotizen akribisch vorbereitet, fährt der junge Pilot perfekt bis zum Ende und hängt nach mehr als zehn Stunden Rennzeit sogar Formel-1-Weltmeister Juan Manuel Fangio um mehr als 30 Sekunden ab.

Credit: Daimler

Kein ewiger Zweiter

Moss galt lange als ewiger zweiter und wird heute noch als bester Fahrer angesehen, der nie einen Formel-1-Titel holen konnte. Aber mit 212 Siegen bei insgesamt 529 Rennstarts in verschiedensten Klassen und Rennserien hat er beeindruckende 40 Prozent aller Rennen gewonnen, bei denen er gestartet ist. Auch mit Porsche in der Formel 2. Und mit 16 Siegen in der Königsklasse hat er auch mehr Läufe gewonnen als 17 der 33 Formel-1-Weltmeister.

Credit: Porsche

Gentleman, aber auch Playboy

1962 kommt Moss bei einem Unfall in Goodwood fast ums Leben. Es soll das Ende seiner Karriere sein. Nach einem Monat Koma wacht er endlich auf. An seine Erfolge auf der Rennstrecke erinnert er sich dabei zunächst nicht. Aber an die offensichtlich sehr hübsche und sympathische Südafrikanerin, die er am Abend vor dem Unfall kennengelernt hat. Nach so mancher Affäre und einer gescheiterten Ehe mit Elaine Barberino lernt er 1980 Susie kennen. Ihr bleibt er bis zu seinem Tod im Jahr 2020 treu.

Credit: Daimler

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