Sundance Kid: Robert Redford wird 86

Er ist die charismatische Stil-Ikone für Männer mit Geschmack. Und Lust am Leben. Er ist eigenwillig, rätselhaft und hat genug Mut, auch einmal alles auf eine Karte zu setzen. Er ist ein Mann mit Visionen. Und einer, dem das Älterwerden keine Angst macht. Die Rede ist von Robert Redford. Von wem sonst. Wir gratulieren zum 86. Geburtstag.
Text Ulrich Lössl
Bild Getty Images

Wenn es in Hollywood einen Mount Rushmore gäbe, wäre sein Gesicht längst in Granit gemeißelt. Denn wie nur wenige andere Schauspieler hat Robert Redford dem amerikanischen Film Format und Charisma verliehen. Anfang des neuen Millenniums wurde es dann etwas still um ihn. Aber spätestens seit seinem triumphalen Comeback mit dem Segler-Drama »All is Lost« ist Redford im Kino wieder präsent. Und so facettenreich wie schon lange nicht mehr.

In »Captain America: Winter Soldier« und »Avengers Endgame« gibt er Comic-Verfilmungen als Bad Guy eine süffisante Tiefe. In »Picknick mit Bären« wandert er, zusammen mit einem anderen Hollywood-Haudegen namens Nick Nolte, hunderte Kilometer den Appalachian Trail entlang. Und in »Der Moment der Wahrheit« spielt er den CBS-Nachrichtensprecher Dan Rather, der von seinem Sender wegen eines kritischen TV-Berichts über den damaligen US-Präsidenten Bush gefeuert wurde. Ein Film mit politischer Brisanz – ganz nach Redfords Geschmack.

Denn Redford war schon immer jemand, der Dinge eher mutig hinterfragt und sich seinen kritischen Eigensinn bis heute bewahrt hat.

»Ich war nie der Mitläufer, der brav zu allem Ja und Amen sagte. Natürlich hatte ich dadurch oft Probleme. Aber was sollte ich machen? Wenn ich etwas als richtig und wichtig erkannt hatte, habe ich mich eben immer voll und ganz dafür engagiert. Ganz egal, ob es unbequem wurde. Das Risiko muss man eingehen.«

Als Robert Redford Mitte der 60er-Jahre im US-Kino auftauchte, wurde er schnell zum Inbegriff des handsome young man, der ideale Bote des Kennedy-Amerika, dessen Mut, Integrität und Kompetenz außer Frage stand. Er war der sensible Gewinnertyp, ein Grenzgänger zwischen dem großen amerikanischen Traum und der Protestbewegung. Ein Image, das ihm bis heute geblieben ist. Im persönlichen Gespräch wirkt er souverän, geerdet und absolut authentisch. Für eine Hollywood-Legende seiner Statur ist das alles andere als selbstverständlich.

»Ich bin froh, dass die Leute mittlerweile nicht mehr über meine blauen Augen und meine Haare reden wollen«, meint er milde lächelnd. »Ich hatte lange diesen Schuldkomplex, dass mein Aussehen nicht mit dem übereinstimmt, was ich in meinem Innersten wirklich fühle und denke. Mich hat immer das echte, das wirkliche und das harte Leben viel mehr interessiert als diese make-believe-world, die uns Hollywood so erfolgreich vorgaukelt.«

Der Außenseiter

Dieser Blick fürs Wesentliche hat sicher auch damit zu tun, dass er in Santa Monica aufwuchs – nur zehn Meilen vom Hollywood Boulevard entfernt. »Für mich war Hollywood kein Traum, sondern eine Filmmaschine. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich einmal mit fünf, sechs Jahren mit meiner Großmutter an den 20th Century Fox Studios vorbeifuhr. Da sah ich mitten auf dem Filmgelände eine riesengroße Leinwand aufgespannt, auf der ein blauer Himmel mit weißen Wolken gemalt war. Ich fragte meine Großmutter, warum man nicht den echten Himmel benutzen würde, der doch so viel schöner war. Sie sagte: ›Das ist eben Film.‹ Das war ein Schlüsselerlebnis für mich. Die Leute in Hollywood benutzten einen künstlichen Himmel!«

Vielleicht war dieser Reality-Check der Auslöser dafür, dass sich der junge Bob schon bald ein sehr privates Wertesystem zulegte und eine eigene, ja eigenwillige Perspektive auf die Welt. Schon auf der Highschool war er eben ein Außenseiter. Nicht nur der glänzende Baseball-Spieler, sondern einer, der sich auch für Kunstgeschichte interessierte. Mit klopfendem Herzen las er den Sex-Poeten Henry Miller. Und war hingerissen von Ernest Hemingway – nicht von seinen Büchern, aber von dessen ungezügeltem Leben.

Der Selbstbewusste

Redford hasste den oberflächlichen Surfer-Lifestyle seiner Altersgenossen, das reaktionäre, konsumhörige Establishment. Das politische Klima in den USA erstickte ihn fast. »In den fünfziger Jahren konnte ich in Amerika nicht leben. Ich musste raus, weg!« Dann starb plötzlich seinen geliebte Mutter. Jetzt hielt ihn nichts mehr im Eisenhower-Country. 1956 brach er zu einer Europa-Tour auf. Schon damals setzt er alles auf eine Karte. Seine letzten 300 Dollar gibt er für ein Flugticket von New York nach Paris. Er schwärmt für Maler wie Gauguin, Modigliani und die Postimpressionisten. Am École des Beaux-Arts will er Malerei studieren. Er reist weiter nach Spanien, besucht Mallorca, die Tour geht weiter nach Italien, über Rom und Capri nach Neapel. Auf dem Rückweg nach Paris schläft er am Strand vor dem Carlton Hotel, wo man ihm später den roten Teppich ausrollen wird. „Ich war damals sehr naiv“, erinnert er sich. „Ich war gerade aus der Schule geflogen. Aber das war in Ordnung. Denn ich hatte sowieso das Gefühl, meine Ausbildung wird nicht im Klassenraum stattfinden, sondern auf Reisen, durch den Kontakt mit anderen Kulturen und Menschen. Die Franzosen waren ganz großartig darin, dir als Amerikaner ein wirklich schlechtes Gefühl zu geben. Ich erinnere mich noch, dass man mich fragte: ‚So, du kommst also aus diesem reichen Land, mit all dem Militär und eurer angeblichen Freiheit. Was ist deine politische Meinung?’“

„Ich hatte keine und die haben mich fertig gemacht. Sie konnten überhaupt nicht fassen, wie jemand so unpolitisch sein kann. Das war mir so unendlich peinlich und unangenehm, dass ich endlich aufpasste, was in der Politik los ist. Ich sah also plötzlich ganz genau hin, aber aus europäischer Perspektive. Und als ich dann in die USA zurückkehrte, hatte ich ein sehr viel differenzierteres Bild meiner Heimat als die meisten meiner Landsleute.“ Bis heute betont Redford, dass er in Europa zum Mann gereift ist. 1958 zog es ihn wieder zurück in die USA. Er studierte Theaterdesign in New York und entdeckte seine Leidenschaft für die Schauspielerei. Bald schaffte er den Sprung an den Broadway und konnte dort erste Erfolge verbuchen. Mittlerweile war er glücklich verheiratet.

Dann die Katastrophe: 1959 verliert Redford seinen gerade erst zehn Wochen alten Sohn Scott durch plötzlichen Kindstod, eine Todesursache, die damals noch nicht einmal einen Namen hat. Er wird sich nie ganz von diesem Schicksalsschlag erholen und kämpft mutig gegen die folgenden schweren Depressionen. Statt sich in Hollywood als Filmschauspieler anzudienen, zieht er sich mit seiner Frau - und später auch mit seinen Kindern Shauna (1960) und David James (1962) - oft nach Spanien oder Kreta zurück. »Lieber keinen Film machen als einen schlechten!«, das war sein Motto.

Seinen Durchbruch in Hollywood hat er dann 1967 mit der Verfilmung der Broadway-Komödie »Barfuß im Park« von Neil Simon, an der Seite von Jane Fonda. Aber von der Gage lässt es sich kaum richtig leben. Auch 1968 schläft Redford noch auf Hotelfluren oder auf der Couch von Freunden, um Geld zu sparen. Zwei Jahre später druckt man sein Porträt auf dem Cover des Life Magazins. Die Überschrift: New Star Robert Redford: A Real Sundance Kid. Dabei ist die Kritik zunächst überhaupt nicht von dem Neo-Western begeistert. Selbst Robert Redford ist zunächst skeptisch. Er hasst Burt Bacharachs Titel-Song Raindrops Keep Falling On My Head („Es regnet in diesem Film in keiner Szene“). Doch das Publikum ist anderer Meinung. Durch Mundpropaganda wird der Film zum Kino-Ereignis und am Ende mit vier Oscars ausgezeichnet, ironischerweise auch für den besten Song von Bacharach. Paul Newmans Star-Power soll die Zuschauer ins Kino locken. Doch die entdecken einen neuen Helden - und der trägt Schnurrbart, längliches, weizenblondes Haar und lächelt unwiderstehlich. A Star Is Born. Redford weiß, was er dieser Rolle verdankt und tauft sein Anwesen in Utah von Timp Haven in Sundance Village um.

Der Porschefahrer

Auch wenn man Robert Redford schon öfter getroffen hat, bleibt der Mann einem ein bisschen rätselhaft. Stets wirkt er lässig und unaufgeregt. Er muss sich und anderen längst nichts mehr beweisen. Zum Interview kommt er gern in Jeans oder Cargo-Hose. Das Holzfäller-Hemd bis zum Brustbein aufgeknöpft. Und er übernimmt gern die Regie. Bei einem Treffen in Paris schwärmt er lieber ausführlich über die Tuilerien, dem wunderschönen Park am Fuße der Champs Elysées, in dem er gerade spazieren war, als seinen neuen Film zu promoten. Aber dann brennt uns doch noch einen Frage auf den Nägeln: »Sie sind aktiver Umweltschützer und passionierter Porsche-Liebhaber. Wie geht das zusammen?«

Redford lacht: »Ich habe natürlich für den täglichen Gebrauch ein Hybrid-Auto. Aber ich liebe es nun mal, Porsche zu fahren. Ich fahre schon seit über 50 Jahren Porsche. Paul Newman – der ja auch ein großartiger Rennfahrer war – hat mich bei den Dreharbeiten von ›Zwei Banditen‹ aufs Porschefahren angefixt. Eines schönen Tages ließ er mich mit seinem Porsche von unserem Hotel ans Set rasen. Da war es um mich geschehen.« Und dann meint er noch mit dem gewissen Funkeln in den Augen: »Ich habe zum Beispiel einen Boxster S, den habe ich mir sogar etwas aufmotzen lassen. Damit könnte ich tatsächlich selbst Rennen fahren. Was soll ich machen? Ich liebe es eben wirklich sehr, sehr schnell zu fahren.» Wie schön – der Mann steht zu seinen guilty pleasures!


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