Teamplayer: Rafael Nadal

Erstens: Rafael Nadal ist kein Tennisstar, er ist ein Superstar und gerade dabei, der erfolgreichste Spieler der Tennisgeschichte zu werden. Zweitens: Er gibt so gut wie keine Interviews. Im exklusiven Gespräch verrät er uns, wie es ihm gelingt, immer wieder Höchstleistungen abzurufen, welche Beziehung er zu seinen Rivalen hat – und spricht über die größte Fehleinschätzung, was seine Person angeht.
Text Michael Köckritz
Bild Getty Images

Herr Nadal, stellen Sie sich vor, Sie müssten jemandem, der Sie nicht kennt, erklären, was Sie persönlich ausmacht. Was würden Sie sagen?
Ich drehe die Antwort mal ein bisschen. Wenn ich nicht mehr auf dieser Welt bin, hätte ich gerne, dass es über mich heißt, dass ich ein guter Mensch war.

Wenn wir jetzt schon beim Thema Vergänglichkeit sind: Sie haben einmal gesagt, dass man das Altern nicht bekämpfen kann. Welches Verhältnis haben Sie zum Alter?
Ach, es passiert einfach jedem. Jeder von uns wird älter, es liegt einfach in der Natur der Dinge. Aber solange ich fit bleibe und in der Lage bin, weiter auf höchstem Niveau zu spielen, mache ich mir keine Sorgen.

Was würden Sie sagen: Ist die Zeit Ihr Freund oder Ihr Gegner?
Nun, wenn ich ehrlich bin, ist das eine etwas heikle Frage, weil ich eigentlich immer versuche, auf die Minute pünktlich zu sein. Aber offen gestanden ist meine Erfolgsquote insgesamt nicht ganz so gut, wie man meinen könnte. Allerdings werde ich immer besser! Auf der anderen Seite bin ich natürlich jemand, der seinen Tag sehr genau plant. Wenn ich an einem Turnier teilnehme, muss ich extrem gut organisiert sein.

»Ich drehe die Antwort mal ein bisschen. Wenn ich nicht mehr auf dieser Welt bin, hätte ich gerne, dass es über mich heißt, dass ich ein guter Mensch war.«

Rafael Nadal

Was ist Ihr Geheimnis, um so fit zu bleiben und immer wieder Höchstleistungen abzurufen?
Ich glaube nicht, dass es ein Geheimnis gibt. Nein, warten Sie, vielleicht gibt es doch eins. Es heißt harte Arbeit. Dazu kommt noch eine gehörige Portion Hingabe, dann spielt noch ein bisschen das Thema Talent hinein. Eine andere wichtige Komponente ist der Glaube daran, dass ich in jedem Turnier, das ich spiele, alles geben kann, dass ich kämpfen werde.

In welchen Augenblicken am Tag sind Sie ganz bei sich?
Das kommt natürlich darauf an, wo ich bin. Wenn wir jetzt über eine Turnier-Situation reden, gibt es Momente, in denen ich ganz allein in meinem Zimmer sein muss. Ich brauche diese Momente, um nachzudenken und mich zu konzentrieren.

Was beschäftigt Sie dann in solchen Momenten?
Ach, das ist ganz unterschiedlich, das kann ein Match sein, etwas ganz Alltägliches – es kann auch passieren, dass ich gar nicht nachdenke. Wichtig ist in jedem Fall, sich diese Zeit zu nehmen. Wenn ich zu Hause bin, ist die Situation wiederum eine ganz andere, weil ich dann immer mit irgendetwas beschäftigt bin. Ich trainiere, treffe Freunde, bin am Meer oder spiele Golf …

»Das Geheimnis hinter den Höchstleistungen? Gibt es nicht. Nein, warten Sie, vielleicht gibt es doch eins. Es heißt harte Arbeit.«

Rafael Nadal

Wie gehen Sie mit Ihren psychologischen Stärken und Schwächen um?
Nun, was soll ich sagen: wie mit allem anderen auch – professionell. Ich bin ja auch von einem Team umgeben, das mich berät, und von meiner Familie, die bei mir ist. Und das Mentale ist einfach ein Aspekt von vielen beim Tennis. Ich habe jetzt keinen speziellen Trainer oder so etwas – das mache ich mit mir selbst aus. Allerdings könnte man sagen, dass es bis jetzt ganz gut funktioniert hat.

Was verstehen Sie überhaupt unter mentaler Stärke?
So ganz allgemein?

Ja, und in Bezug auf Tennis.
Generell verstehe ich darunter die Fähigkeit, in einer stressigen Situation normal zu handeln und die richtige Entscheidung zu treffen. Wenn es um Tennis geht, würde ich die Frage vielleicht etwas anders beantworten. Dann würde ich unter mentaler Stärke das Können verstehen, sich im schwierigsten Moment für den richtigen Schlag zu entscheiden. In diesem Punkt bin ich auch der Meinung, dass man das trainieren und üben kann. Zumindest habe ich das getan, seitdem ich Tennis spiele.

Aber lässt sich der Druck auch im Training simulieren?
Ja, das würde ich schon sagen. Ich trainiere immer so, als ob ich ein Match spielen würde. Und wenn ich im Match bin, lässt sich das wiederum auch als Training bezeichnen.

»Ich trainiere immer so, als ob ich ein Match spielen würde. Und wenn ich im Match bin, lässt sich das wiederum auch als Training bezeichnen.«

Rafael Nadal

Würden Sie sich eigentlich als Einzelkämpfer betrachten?
Auf keinen Fall! Mir ist es wichtig, von Menschen umgeben zu sein, insbesondere von meiner Familie.

Das heißt, Sie würden sich selbst als Teamplayer bezeichnen?
Klar! Ich denke, ich bin immer ein Teamplayer. Ich liebe Mannschaftssportarten, auch wenn ich in einer Einzelsportart antrete. Aber selbst beim Tennis würde ich mich als Teamplayer bezeichnen, bei allen anderen Tätigkeiten in meinem Leben sowieso.

Sie haben einmal gesagt: »Mein Leben geht weit über den Tennissport hinaus.«
Ja, das ist einfach eine Tatsache, das würde ich nach wie vor auch so unterschreiben. Es gibt so viel mehr als nur Tennis. Denn wenn ich damit irgendwann aufhöre, werden da noch immer meine Freunde sein und meine Familie.

Was bedeutet Luxus für Sie?
Ich würde den Begriff tatsächlich etwas weiter fassen. In erster Linie ist für mich Luxus, wenn ich zu Hause Zeit mit meiner Familie und mit meinen Freunden verbringen kann. Darüber hinaus (. . .)

Das gesamte Interview mit Rafael Nadal lesen Sie in der aktuellen rampstyle #22.


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