Teenage Rampage: Kurt, Mira und der Aventador Ultimae

Passend zum Tag der Söhne und Töchter erinnern wir uns heute an eine ganz besondere Ausfahrt. Genauer gesagt an jene Ausfahrt im Lamborghini Aventador Ultimae, die stattfand, weil unser ramp Autor Kurt Molzer seine 13-jährige Tochter beeindrucken wollte. Ob das gut gehen kann?
Text Kurt Molzer & Marko Knab
Bild Matthias Mederer

Hoch über dem Wolfgangsee, im Salzburger Land, saßen wir nach ausgedehnter Wanderung zu dritt auf einer Holzbank. Die Rucksäcke lagen geöffnet zwischen uns, jeder hatte ein Jausenbrot in der Hand, Miras Zahnspange glitzerte im Sonnenlicht. »Warum darf eigentlich immer nur der Bela in den schnellen Autos mitfahren?«, fragte sie mich unvermittelt. Bela kam mir mit einer Antwort zuvor: »Weil Du lieber mit Puppen spielen sollst.« Diese Frechheit sollte er büßen. Mira stand auf und gab ihm eine herzhafte Watschn. Das hallte richtig nach da oben in den Bergen. Er wollte den Vorfall herunterspielen und lächelte. Es wurde ein verkrampftes Lächeln. Mira ist meine 13-jährige Tochter, Bela, wie mancher Leser schon weiß, mein 20-jähriger Sohn. Die beiden sind Halbgeschwister. Unter den Drittklässlern des Wiener Goethe-Gymnasiums ist Mira die Chefin. Sie läuft schneller als jeder Bub und macht die Jungs auch im Armdrücken fertig. Im Herbst fängt sie mit Karate an, dann wird’s richtig quietschfidel in der renommierten Lehranstalt.

So weit, so gut. Jetzt muss man an dieser Stelle nur Kurts unmittelbare Schilderungen unterbrechen und fragen: Wie willst du so eine Tochter noch beeindrucken? Schnell ist klar: Nur ein ähnlich wildes Fahrzeug kann hier Abhilfe schaffen. Ein Lamborghini muss her. Aber nicht irgendeiner, sondern der ultimative Aventador. Also ordert die Redaktionsassistenz einen Aventador Ultimae Roadster. Das Ziel: München.

»Unter den Drittklässlern des Wiener Goethe-Gymnasiums ist Mira die Chefin. Sie läuft schneller als jeder Bub und macht die Jungs auch im Armdrücken fertig.«

Auf der deutschen Autobahn war viel Verkehr. An schnelles, sportwagengerechtes Fortkommen war lange nicht zu denken. Wir spielten drei Durchgänge »Wer bin ich?«. Ich war beim ersten Mal der Frühhumanist Francesco Dionigi di Borgo San Sepolcro (ca. 1300–1342), beim zweiten Mal Walther von der Vogelweide (ca. 1170–1230), beim dritten Mal Ray Harroun, der erste Sieger der 500 Meilen von Indianapolis (1911). Mira erriet keinen von den dreien, obwohl ich ihr jedes Mal den wertvollen Hinweis gegeben hatte, dass die betreffende Person schon tot sei. Mira war beim ersten Mal ihre Mama, beim zweiten Mal ihr Onkel Herbert aus Kärnten, beim dritten Mal ihre beste Freundin Alicia. Ich erriet sie erstaunlicherweise alle drei.

Doch langsam wurde meine Beifahrerin ungeduldig. Sie hatte immer noch die Hoffnung, 300 Stundenkilometer zu erleben. Ich war unschlüssig. Aber selbst wenn ich gewollt hätte – der Verkehr hätte es nicht zugelassen. Nach München war es nicht mehr allzu weit. Wir näherten uns der langen Geraden durch den Hofoldinger Forst. Hier war jetzt schon deutlich weniger los. Ich traf eine Entscheidung. Nur werde ich, was sich auf den folgenden 20 Kilometern abspielte, nicht detailliert niederschreiben. Ich möchte Ihnen nur, liebe Leserinnen und Leser, weil ich es als meine Chronistenpflicht erachte, mitteilen, dass wir im siebenten Gang waren und ich schon wieder ein wenig Schaum vor dem Mund hatte, den ich aber mit meiner spitzen Zunge schnell einfangen konnte, bevor er mir das schwarze ramp T-Shirt versaut hätte, und dass ich das Leben meiner Tochter, welches vor ihr liegt wie ein schöner und noch unerfüllter Traum, keine Millisekunde, hören Sie, es ist mir überaus wichtig, dass Sie dies zur Kenntnis nehmen, keine Millisekunde lang gefährdet habe, das versteht sich ja wohl von selbst!

Ob beide gut in München ankamen und der wilde Wagen die wilde Tochter dann tatsächlich beeindruckt hat? Das und mehr lesen Sie in rampstyle #26.

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