»The British have always driven on the wrong side of the road.«

Der Range Rover. Das wohl einzige Auto der Welt, in dem man stilvoll Flüsse durchqueren und völlig neben der Spur sein kann. Deshalb warfen wir einen Blick in die Geschichte und sahen uns seine legendären Werbeanzeigen an. Und weil die zeitlos sind, haben wir sie kurzerhand nachgespielt.
Text David Staretz
Bild Steffen Jahn

Range Rover. 1970 war das die erstmalige Übertragung des gehobenen Salons auf den Offroad-Bereich, nur der Rost der frühen Jahre war klassenübergreifend. Doch das ist lange her. In der letzten von vielen Evolutionsstufen wird für das aktuelle Modell sogar mit spektakulären Rundenzeiten auf dem Nürburg­ring geworben. So groß ist die Spanne, um die es hier geht.

Und damit wir gleich alles richtig machen: Das Auto hieß und heißt mit vollem Namen Land Rover Range Rover. Wobei in dem Satz bereits drei für das Fahrzeug typische Unschärfen zu finden sind – als der Range Rover 1970 erschien, gab es Land Rover noch gar nicht, allein die Marke Rover. Land Rover hieß sie erst ab 1978.

“When was the last time the British were this excited about anything?”

Endlich einmal so richtig über die Stränge schlagen. Aber bitte mit Stil, Klasse und Gefühl. Ein Range Rover vermag durchaus in Gatsch und Gossip zu brillieren, doch wer einen Dauerparkplatz im Louvre hat, muss auch in Lack und Frack glänzen können.

In der Erprobungszeit war das Auto immer schlicht als 100-Inch-Station-Wagon bezeichnet worden, was sich auf den Radstand von 2,54 Meter bezog. Erst hatte man ihn noch mit »Road Rover« etikettiert (einen Prototypen in den Fünfzigerjahren), die ersten getarnten Versuchsfahrzeuge nannte man Velar (was passenderweise »Schleier« im Italienischen bedeutet und zugleich das Akronym für »V Eight Land Rover« hätte sein können). Schließlich wurde aus dem »Land Rover Ranger« der allseits verträgliche Range Rover.

“Tired of eating in the same old places?”

Dem Take-away eine neue Bedeutung geben. Drive-in, drive-out. Dank Luftfederung wird keine Suppe verschüttet, das Buffet ist angerichtet unter dem schützenden Vordach. Kann mir jemand das Salz reichen?

Was man auch wissen sollte: Als welterstes Automobil parkte er im Pariser Louvre, als »exemplary work of industrial design«. Keine schlechte Garage, bemessen daran, dass Chefkonstrukteur Spencer King den maßgeblichen Entwurf selbst zeichnete, mit ein bisschen Designabteilung hintennach.

Interessanter ist es wohl zu wissen, dass der Range Rover bis 1981 nur als Zweitürer gebaut wurde. Aus verwindungstechnischen Gründen hatte man wohlweislich auf vier Türen verzichtet. Übrigens wurde 2018 wieder eine Coupé-Variante gezeigt. Und dann gab es auch noch das Showmodell Stormer mit LSD (»Lambo styled doors«, wie das in der Tunergemeinde so schön heißt, also Flügeltüren). Ist auch ein One-Shot geblieben. Immerhin blieb dem Range Rover keine modische Kühnheit fremd. Und das Besondere bei allem Showtalent: Technisch handelt es sich in jedem Fall um einen der weltbesten Geländewagen der Welt.

“Remember the € 184.700,00 you were saving for a rainy day?”

Es gibt bekanntlich kein schlechtes Wetter. Nur unpassende Autos. Der Regensensor hat nur auf ein paar Tropfen gewartet. Und es wäre kein britisches Auto, gäbe es nicht einen Regenschirmhalter im Fußraum.

Die Neunzigerjahre generierten daraus einen massiven Boost, es kamen Luftfederung, verlängerter Radstand, 4,2 Liter Hubraum – wir stehen mit zwei Jahren Überlappung bereits beim Range Rover II. Die neue Formensprache vergrämte die Altgläubigen, fuhr dennoch sehr gute Verkaufszahlen ein. Seine technische Basis ehrte den Vorgänger: Starrachsen, gleicher Radstand, gleiche Luftfederung, das Motorenprogramm wurde vergrößert.

“And you thought your teenagers were rough on a car.”

Je ferner die Länder, desto näher die Gefahren. Der Side Impact Crash Sensor reagiert in Echtzeit auf massive Stöße und lässt notfalls die Airbag-Vorhänge runter. Oft tut’s auch ein schneller Gasstoß, um sich aus der Zone zu zoomen.

2002 wurde die Serie III auf Skibo Castle vorgestellt. Sir Ranulph Fiennes als Markenbotschafter erzählte am offenen Kaminfeuer aus seinem Leben als letzter Abenteurer. (»Es ist heutzutage schwer, überhaupt eine neue Challenge auszumachen. So kam meine Frau auf die Idee, die Erde zu umrunden – über die beiden Pole!«) Um sieben Uhr morgens zog der traditionelle, noch von Lord Carnegie installierte Dudelsackpfeifer unter den Fenstern vorbei, gnadenlos und unaufhaltsam wie der Kriechgang des Range Rover.

“Introducing the most beautiful vehicle in the world.”

Schlamm adelt. Man muss kein großer Kunstliebhaber sein, um sich für so ein Schüttbild erwärmen zu können. Denn der Range Rover ist ein wahrer Schlammkenner, genießt therapeutische Moor-Packungen im Kriechgang. Schade, dass niemand da ist zum Signieren.

Das neue Auto, selber zur Festung geworden, balancierte die nun selbsttragende Karosserie auf Einzelradaufhängungen, die Motoren stammten zunächst von BMW, später kamen hauseigene Triebwerke zu Diensten.

Generation IV steht in Bright-and-shiny-Aluminium-Armour da, mit Plug-in-Version, Sonderausstattungen und Editionen persönlicher Nachverfeinerung (Autobiography) und einer extended Fahrzeuglänge bis fünf Meter siebzehn.

“We brake for fish.”

Bachbett on the rocks. Und wenn der Wettergott so richtig einschenkt – der Wade Sensor checkt die Wassertiefe. Damit dabei die Richtung stimmt, können die Radkameras unter Wasser nachsehen, wie die Strömung läuft.

Und falls man nach alledem vielleicht denken könnte, man hätte es mit einem Celebrity-Sneaker zu tun, so möchten wir hier klarstellen, dass es sich beim Range Rover um die ultimative Erlebensmaschine in den Kategorien Raum, Luxus, Sicherheit sowie umfassende Straßen- und Geländebewältigung handelt. Also das gesamte Programm gehobener Kompetenz für sämtliche Eventualitäten zwischen Opernauffahrt und Murenabgang. Alles höchst aufwendig verpackt in Hightech-Features wie All Terrain Progress Control, Aktives Sperrdifferenzial bis hin zur Luftfederung mit Dynamic Response.

“You can drive it as if it were your brother-in-law’s.”

„Immer der Nase nach“, sagte der Hüttenwirt. Die zeigt bekanntlich steil nach unten. Gerade richtig für den Bergabfahr-Assistenten, der sich mehrstufig adjustieren lässt, damit uns der Range Rover behutsam ins Tal verfügt, auch wenn mal die Nase rinnt.

Die Lage ist dadurch stets ausgeglichen. Per Knopfdruck enthebt man sich pneumatisch bis auf 29,7 Zentimeter Bodenfreiheit. Rundum operieren Kameras, die auch unter Wasser den Stand der Räder zeigen. Sogar ein Vorderachs-Radstellungs-Indikator steht im Hauptdisplay zur Verfügung.

Fazit: Dieses Fahrzeug ist mutiger, als wir alle uns das ausmalen können. Es wurde völlig gegen den Strich und mit allerhöchstem Aufwand konzipiert, als hätte man Technikern einen Bergschuh mit dem Auftrag überreicht, daraus eine Clutch von Prada zu fertigen.

Und das Tolle dabei: Die haben es geschafft.


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