Simon Kidston und der »echte« Ferrari Roma

Dies ist die Geschichte eines Ferrari 375 MM Coupé, der einen berühmten Erstbesitzer hatte, verkauft, gestohlen und gefunden wurde. Nein, völlig falsch. Es geht um die Seele eines Autos.
Text Simon Kidston
Bild Alberto Chimenti Dezani for Kidston SA

Es gibt dieses englische Sprichwort »Every cloud has a silver lining«, das man mit »Wo Schatten ist, ist auch Licht« übersetzen könnte. Und wenn es etwas Positives neben den wirtschaftlichen und menschlichen Kosten gibt, das durch die Covid-Pandemie verursacht wurde, ist es die Möglichkeit, zu hinterfragen, ob wir wirklich ständig zum Flieger hetzen oder jeden Termin im Kalender wahrnehmen müssen. Es hat uns gelehrt, die Zeit zu schätzen – und wie wir sie am besten verbringen.

Und so geschah es, dass ich vor ein paar Monaten durch die Wochenendausgabe der »Financial Times« blätterte und bei einem Artikel des Italien-Korrespondenten hängen blieb, der dazu riet, jetzt nach Italien zu reisen, weil nun die beste Zeit dafür wäre. Da die Sehenswürdigkeiten fast frei von Touristen seien, man nirgendwo anstehen müsse und die einheimischen Geschäfte wie nie zuvor Kunden brauchen würden.

Verlassene Straßen. Kein Verkehr. Fast völlige Stille … Denken Sie auch das, was ich gerade denke?

Zu oft werden die wichtigsten Oldtimer nicht im Kontext gesehen. Museen und Concours d’Elegance erfüllen zwar ihren Zweck, aber ein großartiges Kunstwerk verdient einen großartigen Rahmen, und ein Auto erhält eine einzigartige Strahlkraft, wenn man es mit einer Kulisse kombiniert, die seinen Charakter und seine Geschichte widerspiegelt.

Vor allem, wenn sich vielleicht nie wieder so eine Gelegenheit ergibt.

»Verlassene Straßen. Kein Verkehr. Fast völlige Stille … Denken Sie auch das, was ich gerade denke?«

Simon Kidston

Lassen Sie mich Ihnen eine Geschichte erzählen, die mit einem berühmten Filmregisseur beginnt. Sein Name war Roberto Rossellini, Mitbegründer des italienischen Neorealismus, Liebhaber und Ehemann mehrerer strahlender Figuren dieser Film-Epoche und Connaisseur von allem Schnellen und Schönen auf vier Rädern. Rossellini war ein früher Kunde von Enzo Ferrari, der ihn und seine schwedische Filmstar-Gattin Ingrid Bergman bei Besuchen in Maranello persönlich beherbergte.

Rossellinis bekannteste Anschaffungen waren zwei beeindruckende Ferrari 375 MM Coupés, die 1955 für ihn gebaut wurden, beide mit einer einmaligen Karosserie: eines mit eleganten Linien aus der Feder des legendären Karosseriebauers Pininfarina, das andere eine radikalere Variante von der rauen und rassigen Carrozzeria Scaglietti. Das erste war als Geschenk für Ingrid Bergman gedacht, die es jedoch ablehnte.

Das zweite blieb bei Rossellini bis 1964, bis es, möglicherweise wegen einer finanziell schwierigen Phase, die vermutlich keinem Künstler fremd ist, zusammen mit einigen anderen Objekten verkauft wurde. Der Käufer, der stolze 265.000 Lire (etwa 800 Dollar) bezahlte, war ein 16-jähriger sizilianischer Schüler namens Mario Savona, der das Geld zusammenkratzte, ohne seinen Eltern etwas davon zu sagen.

»Ganz großes Kino: Vom Ferrari 375 MM existieren zahlreiche Versionen, allerdings wurden nur fünf Exemplare von Scaglietti für Ferrari gefertigt. Der erste Besitzer unseres Exemplars war Filmregisseur Roberto Rossellini.«

Die leistungsstarke Berlinetta hatte die besten Tage hinter sich. Die Karosserie war ramponiert. Der Motor lief nicht mehr richtig. Doch der junge neue Besitzer – der den Wagen trotz fehlendem Führerschein nach Hause fuhr – ließ sich nicht beirren. Mithilfe eines Freundes und mit mehr Hoffnung als Wissen ausgestattet, zerlegte er den komplexen 4,5-Liter-V12 und schaffte es irgendwie, ihn wieder zusammenzubauen. Und was noch überraschender war: er funktionierte. Der Vater des Besitzers blieb ahnungslos: »Wenn Du Deine Prüfungen bestehst, kaufe ich Dir einen Fiat 500«, versprach er. Sein Sohn lächelte. »Wenn Du nur wüsstest, was ich in der Garage habe.«

Bis er plötzlich nicht mehr in der Garage war. Das Auto war spurlos verschwunden, vermutlich gestohlen. Der junge Savona hatte sich bereits damit abgefunden, das Objekt seiner Träume verloren zu haben – bis zu einer Zufallsbegegnung ein Jahr später. Wie es mit dem Ferrari 357 MM weiterging und was der damalige Microsoft-Chef Jon Shirley damit zu tun hatte?

→ Das und mehr erfahren Sie in der ramp #53.


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