Till Brönner: der Jazz-Abenteurer

Wer mit guter Musik Erfolg hat, braucht sich um Etiketten nicht zu kümmern. Die hängen ihm andere schon von alleine an – sowohl die guten als auch die schlechten. Till Brönner kann davon ein Lied trompeten. Zum 50. Geburtstag des Jazz-Abenteurers, Fotografen und Dressman lesen wir nochmal nach, was Brönner in der rampstyle #9 zu sagen hatte.
Text Bernd Haase
Bild Ali Kepenek

Herr Brönner, was ist Jazz eigentlich?
Jazz ist für mich immer noch die freiheitlichste Musik der Gegenwart. Die Musik, die sich erst im Moment des Spielens formiert und die man in ihren schönsten Momenten nicht vorhersehen kann. Dass es nicht ohne Organisation oder eine Arrangement-Idee geht, das ist klar. Aber die Essenz des Jazz ist es, auf der Basis von Wissen und Ausbildung sich auf der Bühne in den bewussten, freien Fall zu begeben. Und nicht zu wissen, was gleich passieren wird, aber zu wissen, dass es im Zweifelsfall eine künstlerische Aussage sein wird, die man nicht zu scheuen braucht.

Ein Jazzmusiker muss demnach ein abenteuerlustiger Mensch sein?
Definitiv. Allerdings ist hier wie bei jedem Abenteuer Verantwortung gefragt. Es gibt ja auch Abenteuer, die sind einfach nur dumm und fahrlässig. Darum geht es nicht. Sondern man muss das Risiko abstecken können.

»Die Essenz des Jazz ist es, auf der Basis von Wissen und Ausbildung sich auf der Bühne in den bewussten, freien Fall zu begeben. «

Wie sieht so ein Jazz-Abenteuer dann konkret aus?
Man kann das sehr gut vergleichen mit einer Reise von A nach B. Ich weiß, ich werde irgendwann bei B ankommen, aber welche Route ich nehme, ob ich einmal vom Weg abkomme und erst viele Kilometer später wieder zurückfinde, das bleibt mir unbenommen, das ist meine künstlerische Entscheidung. Aber nicht mehr zurückzufinden, nicht zu einem Abschluss kommen zu können, wäre diese Art von Risiko, das man nicht eingehen darf.

Woran erkennt man denn diesen Till Brönner? Beschreiben Sie doch mal ihren Stil mit fünf Worten?
Authentisch. Handwerklich – hier lege ich einen großen Fokus drauf. Warm. Emotional. Und bildreich, denn mich interessiert immer noch am meisten, ob ich Menschen mit musikalischen Bildern erreiche.

Würden Sie die folgenden Halbsätze vervollständigen: Wenn Sie sich als Musiker selbst ein Label anheften könnten, stünde darauf …
… Till Brönner.

Till Brönner ist kein Rebell, sondern …
… etwas Verwandtes. Was genau, das überlasse ich Ihnen. Diese Behauptung höre ich halt sehr oft. Die Antwort könnte daher auch lauten: Wer sagt das?

»Bei jedem Abenteuer ist Verantwortung gefragt. Es gibt ja auch Abenteuer, die sind einfach nur dumm und fahrlässig. Darum geht es nicht. Sondern man muss das Risiko abstecken können.«

Till Brönner

Saxofonisten verhalten sich zu Trompetern wie …
… Feuer zu Wasser. Was aber immer eine große Anziehungskraft aufeinander ausübt. Diese Pole sind ein Quell von Energie auf der Bühne. Wenn Feuer und Wasser zusammenkommen, dann explodiert erst einmal was. Und danach ist Ruhe. Das ist schön. Das gefällt mir.

Eine Fotografie sagt …
… mehr als jedes bewegte Bild.

→ Lesen Sie das gesamte Interview mit Till Brönner in der rampstyle #9


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