Tom Ford: The One and Only

Der Glamour und die Coolness der 90er. Die erste Luxusmarke des 21. Jahrhunderts. All das haben wir Tom Ford zu verdanken. Aber so definiert man eben einen neuen Anspruch an Stilsicherheit. Eine Annäherung.
Text Ulf Lippitz & Wiebke Brauer
Bild Jeff Burton / Trunk Archive

Als Mischung zwischen einem »Rolls-Royce und dem Marlboro Man« bezeichnete ihn die Designerin Diane von Furstenberg einmal. Was es ziemlich gut trifft, wenn man bedenkt, dass jemand aus Texas die altehrwürdigen europäischen Marken Gucci und Yves Saint Laurent wiederbelebte. Man könnte auch sagen: Ford verwandelte Mode in Popkultur. Um das zu verdeutlichen, sollte man sich an drei Bilder erinnern. Als Erstes Gwyneth Paltrow im roten Samt-Smoking, den er 1996 für Gucci entwarf. Dann der Flakon seines ersten Männerduftes zwischen den Brüsten einer Frau. Die Kampagne wurde von Terry Richardson 2007 fotografiert und in Italien kurz nach der Veröffentlichung sofort wieder verboten. Und schließlich er selbst. Tom Ford, heute 60 Jahre alt, in Anzug und Krawatte, mit einer Ausstrahlung zwischen Grandezza und Sinnlichkeit. Was allen drei Bildern zu eigen ist: ein expliziter Glamour. Wobei sich Ford selbst gegen den Begriff immer verwehrt hat. Vielmehr sei es »einfach die Art, wie ich die Dinge gerne sehe«, wie er mal sagte.

Aufgewachsen ist Tom Ford in Santa Fe, mit zwölf Jahren wünschte er sich von seinen Eltern – beide waren Immobilienmakler – die ersten Gucci-Loafers. In Paris und an der New Yorker Parsons School studierte er Architektur und Design. Tom Ford arbeitete schon früh als Model und Schauspieler, bewarb sich ohne Erfolg bei Calvin Klein und begann 1986, als Designer bei der Sportmode-Designerin Cathy Hardwick zu arbeiten. 1988 bekam er einen Job bei dem amerikanischen Label Perry Ellis – eingestellt wurde er von einem anderen aufstrebenden Modeschöpfer: Marc Jacobs. 1990 wechselte Ford nach Mailand, als Designer für die Damenlinien bei Gucci. 1994 wurde er dort Creative Director. Und veränderte die Welt der Mode für immer.

Credit: Tom Ford. Juliet Ingleby and Lucho Jacob, CR Fashion Book.

Gegen den Begriff Glamour hat sich Tom Ford immer verwehrt. Vielmehr sei es »einfach die Art, wie ich die Dinge gerne sehe«, wie er mal sagte.

Für die Frauen entwarf er tiefe Ausschnitte – für das Dekolleté wie für den Rücken – und minimale Tops, die wie über den Oberkörper gebundene Streifen aussehen. Für die Männer Samthosen und aufgeknöpfte Hemden, ein radikal lässiger Look. Nicht zu vergessen seine provokanten Werbekampagnen, mit denen er die Welt schockierte. Aber wie groß diese Anziehungskraft des Neuen war! In den ersten Saisons soll der Umsatz von Gucci um neunzig Prozent pro Jahr gestiegen sein. Was man auch erwähnen muss: Als Tom Ford in Europa arbeitete – zuerst bei Gucci, später bei Yves Saint Laurent –, hielten ihn die Amerikaner für zu europäisch. Auf dem alten Kontinent fand man ihn hingegen zu offensiv. 2004 endete die Ära bei Gucci, zehn Jahre stand er dem italienischen Modelabel als Kreativdirektor vor.

Wie er die Ära heute sieht? Natürlich sehr entspannt. In einem Interview sagte er einmal: »Was als geschmackvoll oder nicht geschmackvoll galt, was zu weit in eine Richtung ging, war damals anders.« Man sieht quasi sein leichtes Lächeln bei diesem Satz. Kein unhöfliches Lächeln, nur ein leicht amüsiertes.

Tom Ford ist aber nicht nur der Mann mit dem Stetson, sondern auch ein Gentleman alter Schule. Er ist vornehm, witzig, ein bisschen aristokratisch, ohne elitär zu sein. Und ein Nachtmensch, wie er selbst eingesteht: »Wenn die Cocktail-Zeit gekommen ist, werde ich sozial kompatibel.« Sein Verständnis von Luxus ist dabei auch perketionisitisch: Für seine erste Kollektion unter eigenem Namen veröffentlichte der Designer ein grau eingeschlagenes Buch. Darin beschrieb er detailliert alle Arbeitsschritte, wie die Schuhe in Neapel gefertigt wurden. Über einen drei Wochen langen Prozess bearbeiteten die Schuhmacher das Leder, nähten, polierten und trockneten es. Verschiedene Öle und Wachse geben den Modellen schließlich den unzerstörbar wirkenden Glanz. Tom Ford setzte die Geräte der Schuhmacher, kleine Sicheln, silberne Meißel, scharfe Messer, wie schicke Accessoires in Szene. Was dann auch nur logisch erscheint, denn 2009 wagte er endlich auch den Schritt zum Film - und profilierte sich auch noch als Regisseur.

Wer dabei sein großes Rollenvorbild ist, wie er mit der Romanverfilmung von »A Single Man« überzeugte und warum der Kreativdirektor inzwischen wieder in den USA lebt, erfahren sie in der aktuellen rampstyle #25 »Keep It Simple and Smart«

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