Top-5-Designunfälle: Aprilscherze auf Rädern

Es ist immer wieder spannend, was sich Designer so einfallen lassen. Besonders Autodesigner. Damit meinen wir jetzt nicht die dramatischen Proportionen eines 911 Turbo oder die zeitlose Eleganz der »Göttin« DS 21 von Citroën, sondern jene Entwürfe, die man getrost in die Kategorie »Aprilscherz« einsortieren kann.
Text Bernd Haase
Bild Presse

Unterwegs in der Stadt mit einer Grafikdesignerin. Wir unterhalten uns über Autos. Plötzlich sagt die Kollegin:

»Oh, wie schön!«
»Schön? Was?«
»Das Auto dort.«
»Welches Auto?«
Sie zeigt auf einen Fiat Multipla der ersten Generation.
»???«
»Ja, genau der!«
»Schön?????«
»Naja, das Auto ist nicht schön. Es ist aber schön, es zu sehen.«
»Versteh’ ich nicht.«
»Naja, es ist einfach tröstlich zu wissen, dass so etwas Hässliches trotzdem von jemandem so gemocht wird, dass er viel Geld dafür ausgibt.«

Bei aller Hochachtung für diesen sehr menschlichen Zug auch hässlichen Autos gegenüber, sind wir dennoch sehr froh, dass es einige Vertreter der Kategorie »Designunfall« nicht auf die Straße geschafft haben. So wie diese hier.

Citroën C60 (1962)

Was passiert, wenn eine Göttin mit dem Kumpel von nebenan nach einer durchzechten Nacht im Bett landet? Genau so etwas wie der C60. Bei dieser Kreuzung aus Citroën DS und Ami 6 haben die Designer vermutlich jene Elemente von diesen beiden Designklassikern verwendet, die seinerzeit beim Entwurf liegen geblieben waren. Aus gutem Grund. Die Kombination von beidem macht es leider nicht besser.

Fiat Ecobasic (1999)

Nennen wir ihn mal den »kleinen Bruder« des Multipla. Der Ecobasic sollte sparsam, sicher und geräumig sein. Das hat der Designer Roberto Giolito sicher auch hinbekommen. Nur sind ihm dabei sämtliche Proportionen abhanden gekommen, ebenso das Gefühl für zusammenpassende Elemente. Was nicht überrascht: Giolito hat auch den Multipla gezeichnet. Was man ihm aber zugutehalten muss: Dem Ecobasic hat er die Blechwurst zwischen Motorhaube und Frontscheibe erspart. Und 2007 hat er uns den neuen Fiat 500 geschenkt. Man kann aus Fehlern also auch lernen.

Toyota Pod (2001)

Bleiben wir bei klein und … nennen wir es mal originell. Beim Toyota Pod wird in jedem Fall ersichtlich, was passiert, wenn sich ein Spezialist in Sachen Unterhaltungselektronik in das Autodesign einmischt und dabei auch noch Künstliche Intelligenz verwendet. Immerhin kann der Kleine Einkaufslisten erstellen und die Stimmung des Fahrers nach außen tragen – kein Wunder, dass er eher traurig dreinblickt.

BMW Z18 (1995)

Wohlwollend lässt sich über den Z18 sagen, dass er vermutlich seiner Zeit voraus war. Denn der kernige Gelände-Look war 1995 zumindest in Europa noch nicht sehr angesagt. Kein Wunder, dass die Münchener in dem Jahr, als Toyota mit dem RAV4 mehr oder weniger den massentauglichen SUV erfand, mit einer Gelände-Spaß-Version ums Eck kamen. Wobei der »Offroadster« dann doch eher einem Motorboot ähnelt als einem geländetauglichen Sportwagen.

Honda Fuya-jo (1999)

Dieser fahrende Toaster sieht zwar auf den ersten Blick aus wie eines jener streng auf Funktionalität getrimmten Nutzfahrzeuge mit viel Stauraum, entpuppt sich aber nach dem Öffnen der Türen als Party-Van. Daher auch der Name: »Fuya-jo« bedeutet so viel wie »schlaflose Stadt«. Das Concept Car verfügt immerhin über ein DJ-Mischpult, ein leistungsstarkes Soundsystem und Sitze wie Barhocker. Nur die Tanzfläche haben sie irgendwie vergessen.


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