Über Egos: Michel Babin & die Gäste des Cap Eden Roc

Michel Babin arbeitet seit 45 Jahren im Hôtel du Cap-Eden-Roc an der französischen Riviera. Als Chefportier hat er dort alle Größen des Showgeschäfts erlebt: Roger Moore, Charles Bronson, Madonna ... und das Schönste ist: Wenn man ihn nach seinen Begegnungen fragt, beginnt er zu erzählen. Bis zu einem gewissen Punkt, versteht sich.
Text Alfred Rzyski
Bild Cap Eden Roc

Wenn es zu indiskret wird, lächelt Michel Babin jede potenzielle Dissonanz weg. Haben Sie mal Drogen für einen Gast besorgt? Wer hat seine Geliebte ins Hotel geschmuggelt? Der 67-jährige Franzose tut dann so, als hätte er gerade die Frage nicht verstanden oder guckt einen mit entwaffnender Freundlichkeit an. Kein Wunder: Das Hôtel du Cap-Eden-Roc ist für seine illustre Gästeliste bekannt. Allerdings auch für seine Diskretion und strenge Regeln: Kate Moss bekam zum Beispiel Hausverbot, weil sie nur mit Bikini bekleidet durch die Lobby schlurfte. Und bis vor einigen Jahren konnte man ausschließlich bar bezahlen, Internet im Zimmer gab es auch nicht.

Der großgewachsene Portier lächelt nur: »Tja, der alte Direktor wollte es so.« Wir sprachen mit dem Concierge über seine Erlebnisse, gute Manieren – und lauerten dabei auf die eine oder andere Anekdote. Wie zum Beispiel die Geschichte von James Bond und seinen Kreuzschmerzen. »Roger Moore besaß in der Nähe von Antibes eine Villa, kam aber jeden Tag vorbei, um bei uns Tennis zu spielen«, erzählt Babin. »Eines Tages fuhr er mit seinem blauen Rolls-Royce vor, stieg aus und stöhnte: ›Michel, sagen Sie bloß niemanden, dass 007 Rückenprobleme hat.‹«

Und während Charles Bronson und Carry Grant sich als Gentlemen profilierten, waren da auch etwas herausfordernde Gäste. Wie die schon angesprochene Kate Moss, aber auch ein gewisser Musikstar: »Madonna hat nicht mit dem Personal gesprochen, wir waren Luft für sie.« Und auch sonst hat die Sängerin wenig Eindruck auf Michel Babin gemacht: »Sehr schlechte Erziehung, die Dame. Ich sehe noch das kleine Mädchen vor mir, ein Fan, das mit seiner Kamera ein Foto gemacht hatte. Sofort hetzte Madonna ihre Bodyguards auf sie, die nahmen ihr den Fotoapparat ab und rissen den Film aus der Kamera.«

»Sehr schlechte Erziehung, die Dame.«

Michel Babin über Madonna

Lieber erinnert sich Babin da an andere Gäste – auch wenn sie nicht minder exzentrisch waren. Wie der Schauspieler Johnny Weissmüller, der im Schwimmen fünf Goldmedaillen bei Olympischen Spielen gewann und am Tag eine Flasche Whiskey trinken konnte. Das Ende der Geschichte? »Dann stand er an der Theke und imitierte seinen berühmten Tarzanschrei«, erinnert sich Babin. Ebenfalls in Erinnerung geblieben sind ihm auch noch die Erlebnisse mit den lästigen Papparazi – oder das brennende Zimmer von David Carradine. Aber das sind ganz eigene Geschichten. Und vor allem: Nur zwei von den zahllosen weiteren Begebenheiten, die Michel Babin hautnah miterlebt hat.

→ Weitere Anekdoten aus seiner Laufbahn als Chefportier verrät Michel Babin in der rampstyle #23 – wo er uns auch erklärt, wie er bei so vielen Besuchern den Überblick behält, sich die Namen der Gäste merkt – und warum er seine eigene Meinung stets für sich selbst behält.


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