Unmissverständlich: Stephan Winkelmann und Lamborghini

Eine Sache macht Stephan Winkelmann, Präsident von Bugatti und Automobili Lamborghini, im Gespräch sehr deutlich: Als rebellisch will er die Marke Lamborghini nicht bezeichnen. Vielmehr geht es um Klarheit. Und diese Klarheit findet sich in der Entstehungsgeschichte, aber auch im aktuellen Design.
Text Michael Köckritz
Bild Stefano Guindani for Lamborghini

Herr Winkelmann, vor fünfzig Jahren kam der Countach. Das Auto war wie von einem anderen Stern. Wild, extrem, im besten Sinne Avantgarde, typisch Lamborghini eben. Wie gibt sich Lamborghini heute, fünfzig Jahre danach?
Wir leben heute noch im gleichen Bild wie beim Countach. Nicht nur vom Design her, auch vom mechanischen Layout ist der Countach eine Vorlage, ein Teil unserer DNA von heute. Beim Design gibt es zwei wichtige Linien: einmal die Linie der Seitenansicht. Sie ist gebogen und hat an der Windschutzscheibe nicht den typischen Knick. Und in der Frontalansicht haben wir ein Fahrzeug mit breiten Schultern, alles ist sehr eckig und fast horizontal. Diese DNA wollen wir beibehalten. Es ist die Einzigartigkeit eines Lamborghini, auch wenn man vielleicht nicht gleich erkennt, welches Modell von Lamborghini man vor sich hat.

Was verrät das Design über die Marke Lamborghini?
Durch wenige Linien wird dieses unglaublich Extreme dargestellt. Das ist eine Grundhaltung für die Innovationskraft der Marke. Kein anderer Hersteller geht dieses Thema so kompromisslos an. Wir sagen »Form follows performance«. Design und Performance bilden eine Einheit. Das stellt das Unmissverständliche der Marke Lamborghini dar.

»Wir leben heute noch im gleichen Bild wie beim Countach. Nicht nur vom Design her, auch vom mechanischen Layout ist der Countach eine Vorlage, ein Teil unserer DNA von heute.«

Stephan Winkelmann

Lamborghini ist eine moderne Luxusmarke. Wie wichtig ist die rebellische, diese wilde Komponente für eine Luxusmarke und warum funktioniert das so gut?
Wir haben stets einen eigenen Weg gewählt. Die Marke Lamborghini ist aus einer Herausforderung von Ferruccio Lamborghini gegenüber Enzo Ferrari heraus entstanden. Diese Grundhaltung, immer neue Wege zu gehen, ist eine Haltung, die zu der Marke passt. Aber ich würde das nicht als rebellisch bezeichnen, weil ein Sinn dahinter steht, eben in Klarheit und Performance.

Ist Lamborghini eine mutige Marke?
Wir sind eine mutige Marke, weil wir immer neue Wege gehen. Wir sind auch eine »unexpected brand«, sind unvorhersehbar. Wir sind mehr als eine reine Supersportwagen-Marke, sondern haben neue Themen ausprobiert, die sonst keiner aufgreift. Das ist in meinen Augen mutig.

Wie wird Lamborghini in fünfzig weiteren Jahren sein?
Zunächst geht es um die nächsten zehn Jahre, aber ich denke auch an einen Horizont, der weit darüber hinaus reicht. Heute sind wir 58 Jahre alt, in zehn Jahren gehen wir auf die 70 zu. Alle Mitarbeiter sollen sich nicht nur auf das Hier und Jetzt konzentrieren, sondern die Marke so konzipieren, dass sie einen fortdauernden Be­-
stand in der Automobilindustrie hat.

»Wir sagen »Form follows performance«. Design und Performance bilden eine Einheit. Das stellt das Unmissverständliche der Marke Lamborghini dar.«

Stephan Winkelmann

Wie wichtig ist der Italien-Bezug für die Marke?
Italien und Lamborghini gehören zusammen. In einer kleinen Region wie diesem Motor Valley zwischen Bologna und Modena gibt es eine Vielfalt von Automobil- oder Supersportwagenmarken und ebenso eine Motorradmarke. Das ist weltweit einzigartig.

Das Thema Nachhaltigkeit wird in unserer Gesellschaft immer präsenter. Wie sehen Sie das?
Auch eine Marke wie Lamborghini muss ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten, auch wenn die Emissionen unserer Fahrzeuge den Unterschied nicht ausmachen. Aber wir dürfen die unglaubliche Performance nur mit einem klaren Blick auf die Umweltverträglichkeit sehen. In den Jahren 2023 und 2024 werden wir die komplette Modellpalette als Plug-in-Hybride anbieten und bis Anfang 2025 die CO2-Emission gegenüber heute um mindestens fünfzig Prozent reduzieren.

Die Nachhaltigkeit hört aber nicht bei den Fahrzeugen auf, Büros und Fabrik sind schon seit 2015 CO2-neutral. Bis Ende 2024 fließen mehr als 1,5 Milliarden Euro in neue Produkte. Dies ist die größte Investition der Unternehmensgeschichte. Übrigens: Ein viertes Modell wird in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts kommen, da setzen wir voll auf die Elektrifizierung. Wir müssen nachhaltig sein, das gehört zu unseren Aufgaben als Teil der Gesellschaft. Unsere Kunden wollen das auch, aber sie wollen ebenso Performance.

Apropos Kunden, wie steht es um das Thema Individualisierung?
Das Thema Individualisierung wird immer wichtiger für Lamborghini. Immer mehr Kunden wollen Fahrzeuge, die individuell auf ihre Wünsche zugeschnitten sind.

Welchen Lamborghini fahren Sie?
Einen Urus in mattem Grün.

Wenn Sie ein bisschen Zeit haben, fahren Sie dann gerne Auto?
Ich benutze das Auto zumeist nur, um von A nach B zu fahren, für ausgiebige Touren habe ich leider zu wenig Zeit.


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