Vom Beben und Leben: Kurt Molzer reitet den 1969er Charger R/T

Seit Kurt wieder für ramp schreibt und diese geisteskranken, bis zu 1.000 PS starken Supersportwagen fährt, verliert er mehr und mehr den Bezug zum und das Interesse am normalen Leben – sagt er selbst. Was da hilft? Hoffentlich dieser ganz normale Wahnsinn hinter dem Steuer eines 1969er Dodge Charger.
Text Marko Knab
Bild Matthias Mederer & Marko Knab · ramp.pictures

Fünf US-Oldtimer zur Auswahl. Und nach langem Hin und Her? Entscheidet sich Kurt Molzer für einen apfelgrünen 1969er Dodge Charger R/T mit silbernem Totenkopf am Kühlergrill. Hey, 432 PS, zu einer Zeit, als die Augsburger Puppenkiste »Urmel aus dem Eis« spielte! Wir fürchten: Kurt kann nicht anders als dem extra-coolen Schlachtross die Sporen geben. Und hoffen, dass er selbst trotzdem cool bleibt. Nicht, dass Armin, der Besitzer des 7,2-Liter-V8-Amis, ihn vorgewarnt hätte: »Das hier hat mit Autofahren nicht allzu viel zu tun, es ist mehr wie Bootfahren auf dem Mississippi, vor allem wegen dieser gummiweichen Lenkung, strafferes Fahrwerk hin oder her.« Genauer gesagt: Raketenboot fahren auf dem Mississippi. Wie das gemeint ist? »Du spürst die Straße so gut wie nicht. In Kurven kann das zum Problem werden. Man sollte den Radius vorher ziemlich exakt einschätzen, dann anpeilen und ohne Korrekturen durch«

Ja, so Auto zu fahren macht tatsächlich Spaß – wie Kurt dann unterwegs recht schnell und vor allem ohrenbetäubend feststellt. In der Stadt natürlich, rein im Dienste der Wissenschaft, versteht sich. Seine dreigegliederte Forschungsfrage dabei lautet: »Wie reagieren die Menschen auf einen benzinfressenden Berserker mit einem Totenschädel vorne dran? Hab ich gleich ein paar Umweltaktivisten am Hals? Werden sie mich hassen und steinigen?« Verraten wir schon einmal so viel: Die Stadt hat unseren Kurt überlebt und Kurt die Stadt - natürlich nicht ohne die Jugend zwischenzeitlich zurechtzuweisen.

Aber vor allem zwei Sätze von Armin gehen ihm dann doch nicht aus dem Kopf. Wie sagte der Besitzer des Charger noch: »Ganz grundsätzlich würde ich davon abraten, in einer Kurve Vollgas zu geben. Das kommt sonst garantiert in den Lokalnachrichten bei den Verkehrsunfällen.«

»Mit voller Wucht wollte das Heck ausbrechen. Ruhig Blut bewahren. Nur keine Hektik am Lenkrad. Bloß nicht abrupt vom Gas. Sonst fängt er womöglich an zu pendeln. «

Kurt Molzer

Aber wir kennen ja unseren Schla-Wiener: Wozu ist Kurt mal Rennen gefahren? Und außerdem: der Reiz des Verbotenen! Was Herr Molzer dann auf dieser ruhigen Landstraße, baumfrei, mit übersichtlichen, von Äckern umgebenen Windungen getan hat … Sie können sich es ausmalen. Er ist wieder im normalen Leben angekommen. Zumindest so ein bisschen.

→ Wie Kurts Drift endet, was er mit dem Totenkopf-Charger auf einem Behindertenparkplatz erlebt und was das alles mit einem Six-Pack zu tun hat, lesen sie in der rampstyle #24.


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