Von Exzentrikern und inneren Werten

Es geht um: nichts weniger als die Zukunft der Mobilität. Mehr oder weniger. Denn ein Award an sich entwickelt ja eher selten Innovationen. Aber er kann sie dokumentieren. So wie der Automotive Brand Contest.
Text Bernd Haase
Bild Automotive brand contest

Der iEV XX macht rein äußerlich keinen Hehl daraus, dass er eine Art R2-D2 der Automobilität sein will: Ein Roboter auf vier Rädern mit hohem Niedlichkeitsfaktor. Kann nicht nur selbstständig am Lademodul andocken, sondern sich mit jedem öffentlichen Gebäude verbinden und seine Größe den Anforderungen anpassen. Das Angenehme an diesem Fahrzeug: Im Gegensatz zu dem Droiden R2-D2 aus der »Star Wars«-Saga plappert der iEV XX nicht dauernd. Das macht ihn aus unserer Sicht schon einmal preiswürdig.

Solcherart Überlegungen hat die Jury des Automotive Brand Contest vermutlich weniger angestellt, als sie dieses Vehikel auf dem zurückliegenden Auto-Salon von Paris zum Sieger in der Sparte »Concepts« kürte. Das Fahrzeug überzeugt eher durch seine »anpassungsfähige als auch integrative Technologie«, auch sein futuristisch-minimalistisches Design dürfte das Seine zum Erfolg beigetragen haben.

Die Wahl des Hyundai Nexo Autonomous zum Gewinner der Kategorie »Future, Mobility and Parts« dürfte – ohne dem Koreaner zu nahe treten zu wollen – eher weniger auf Äußerlichkeiten beruhen. Zwar kommt der Mittelklässler mit einer stattlichen wie modernen SUV-Statur daher, zeigt sich im Gegensatz zum Elektro-Winzling aus Düsseldorf aber deutlich weniger exzentrisch. Braucht er auch nicht. Schließlich lässt er sich nicht nur von einer effizienten wie sauberen Brennstoffzelle antreiben, er navigiert auch völlig autonom über Südkoreas Straßen. Zumindest demonstrierte er das anlässlich der Olympischen Winterspiele von Pyeongchang, und zwar auf Level 4.

Das sind also so die (erwartbaren) Dinge, welche der Rat für Formgebung bei seinem internationalen Designwettbewerb für Automobilmarken, dem Automotive Brand Contest, so auszeichnet. Aber es muss nicht alles Räder haben, was hier für preiswürdig befunden wird. Die Betriebskantine der Audi AG ist der Jury 2018 zum Beispiel genauso positiv aufgefallen wie das Ausstellungsformat der Luxusmesse »Grand Basel« oder – was uns in aller Bescheidenheit ganz besonders freut – zwei Publikationen von ramp.space für die Porsche AG.

Um es kurz zu machen: Wer irgendwie auch nur im Entferntesten etwas mit Mobilität im Allgemeinen und der Automobilität im Besonderen zu tun hat, wird seine Blicke am 10. September auf das Gesellschaftshaus Palmengarten in Frankfurt am Main richten, wo die Mobility Awards 2019 vergeben werden. Aufmerksamkeit ist gewiss, da sich die Branche zu diesem Zeitpunkt ohnehin in der Main-Metropole zu ihrem weltweit wichtigsten Event trifft, der Internationalen Automobil Ausstellung IAA. Außerdem zählt sich der Rat für Formgebung zu den weltweit führenden Kompetenzzentren für Kommunikation und Wissenstransfer im Bereich Design und Marke. Seinem Stifterkreis gehören aktuell mehr als 300 Unternehmen an. Er wurde 1953 auf Initiative des Deutschen Bundestages gegründet, um die Designkompetenz der deutschen Wirtschaft zu stärken. Seine vielseitigen Aktivitäten verfolgen ein Ziel: die nachhaltige Steigerung des Markenwerts durch den strategischen Einsatz von Design zu kommunizieren.

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