Walter Röhrl: »der Lange« wird 75

Heute feiert Walter Röhrl seinen 75. Geburtstag. Oder vielleicht auch nicht, denn allzu große Menschenaufläufe mag er bekanntermaßen nicht. Auch nicht auf der Wertungsprüfung, was man nach Studium der Bilder aus Gruppe-B-Zeiten dann auch gut verstehen kann. Unser Autor Herbert Völker traf die Legende. Und sprach dabei auch ausführlich mit Röhrl.
Text Herbert Völker
Bild Porsche

Wenn du dem Walter Röhrl mit dem Thema „Helden“ kommst, rollen sich ihm die Zehennägel auf, und weil er insgesamt so lang ist, hat er natürlich auch lange Zehen. Man wechselt also schnell das Thema, vielleicht später mal, Walter.

Die Körpersprache sagt ja schon alles, etwa bei einem seiner leider so raren Fahrerlehrgänge.

Der Mann steht da in der ganzen Zartpflanzigkeit seiner 1,96 Meter. Während er oben das virtuelle Lenkrad schaukelt, macht er unten kleine Seitwärts- und Torsionsbewegungen. Das Becken, das sind offensichtlich die Seitenkräfte, und die leicht federnden Knie sind das Fahrwerk. Die Fingerspitzen halten das Lenkrad so leicht, dass es flutschen kann. Wir haben die übergreifende Fünf-Minuten-vor-halb-zwölf-Haltung, sind also potenziell zart gegenlenkend, dementsprechend pendeln die Hände im 10-Grad-Bereich, fast in Zeitlupe.

Der Mann steht da in der ganzen Zartpflanzigkeit seiner 1,96 Meter. Während er oben das virtuelle Lenkrad schaukelt, macht er unten kleine Seitwärts- und Torsionsbewegungen. Das Becken, das sind offensichtlich die Seitenkräfte, und die leicht federnden Knie sind das Fahrwerk.

Ich kann ihm ja ewig zuschauen, beim Reden, beim Gestikulieren, beim Fahren, wie er ganz Auto wird. Das Wesentliche: Du wirst nie eine ruckartige Bewegung erleben, alles geht behutsam vor sich, man kann ruhig sagen in einer gewissen Zärtlichkeit. Es gibt die tolle Sequenz in Helmut Deimels Filmklassiker „Die Evolution des Driftwinkels“ von der Sonderprüfung Lagoa Azul in Portugal 1984: Wir erleben zwar einen Stepptanz auf den Pedalen, aber bei aller Virtuosität empfindest du keine Bewegung als hastig oder ruckartig. Ein Zeitraum, in dem unsereins nur „UaaaaAAA“ einfällt, wird in aller Ruhe in seine Bestandteile zerlegt. Die Kunst, sich im rasenden Ablauf eine eigene Zeitlupenversion zu schaffen, ist leider nicht wirklich erlernbar – diese Art von himmlischem Talent wird immer zwischen uns und denen stehen.

„Helden“, zweiter Versuch.
Ob er furchtlos sei. Oder gewesen sei.
In der Kindheit, ja.

Er war ein rothaariges Kind. Das war seinerzeit von ähnlicher Qualität wie Aussätzigkeit, man lebte mit dem Hohn der Umwelt. Klein-Röhrl reagierte ausnahmslos mit körperlicher Attacke, auch bei Erwachsenen, selbst bei der Oma. Er hat einmal etwas ausgefressen, da sagte die Oma „du roter Lump, du roter“.
„Dann hab ich ihr aufs Schienbein raufgehaut, dass sie acht Tage nicht mehr gehen hat können. Da war natürlich Familiendrama zu Hause, dass der kleine Bub die Oma angreift. Aber es gab kein Zurück für mich, wenn so was war. Mitschüler, die mich spotteten, wurden angesprungen und verdroschen. Es musste sein.“

Credit: McKlein

Er war ein rothaariges Kind. Das war seinerzeit von ähnlicher Qualität wie Aussätzigkeit, man lebte mit dem Hohn der Umwelt. Klein-Röhrl reagierte ausnahmslos mit körperlicher Attacke, auch bei Erwachsenen, selbst bei der Oma.

Was später seine Rolle als moralische Instanz für ein Gerechtigkeitsgefühl im Sport betrifft, so lässt sich das nicht großartig erklären: Man hat es einfach gespürt. Und dieses Zerrissensein zwischen der aufregenden Wildheit extremen Motorsports und der Sensibilität für den Rest des Lebens – das war schon ein Thema, das auch uns Weggefährten berührte.

Nur wenn ihm die Wut einschoss, hat er fallweise die Grundlinie verlassen: Dass das Risiko nicht größer sein sollte als unbedingt nötig.
Er hat jede einzelne dieser wenigen Situationen parat. Am schnellsten fällt ihm Arganil ein, eine berüchtigte superlange Sonderprüfung, Portugal-Rallye 1980, auf Fiat 131 Abarth.

„Es war Nebel und ich hatte eine Wut, weil ich klar in Führung war und Markku Alén im anderen Fiat mich noch immer attackierte, obwohl wir 1-2 ganz vernünftig nach Haus fahren hätten sollen. Da es in Arganil oft Nebel gibt, hatte ich mich im Training drauf eingerichtet und den Schrieb mit aller Verbissenheit perfektioniert. Im Grund war’s total unnötig, denn wie gesagt, wir zwei Fiat lagen vorn, zwölf Minuten später kam der nächste, aber ich hatte einfach einen Zorn, weil der Markku keine Ruh gab, und da hatte ich den Wunsch, ihn derart zur Schnecke zu machen, dass er nie wieder ein Lenkradl sehen will. Am Start sag ich zum Geistdörfer: ‚Geistdörfer, schnoj di u.’

Dann hab ich’s halt fliegen lassen. Totale Nebelsuppe, 42 Kilometer lang. Am End‘ war ich um 4:40 Minuten schneller als der Markku, da hat er g’wusst, was los ist.“

»Am Start sag ich zum Geistdörfer: ‚Geistdörfer, schnoj di u.’ Dann hab ich’s halt fliegen lassen. Totale Nebelsuppe, 42 Kilometer lang. Am End‘ war ich um 4:40 Minuten schneller als der Markku, da hat er g’wusst, was los ist.«

Aaah, sein Vokabular! Ausbrüche der Leidenschaft brauchten nur winzigste Nuancen. Dieser fürchterliche Kriegsschrei, obwohl der Beifahrer eh schon längst ins sechsstrahlige Geflecht gezurrt ist:
„Geistdörfer, schnoj di u.“

Röhrl hat es zuwege gebracht, in seinem Sport jene Sinnlichkeit auszudrücken, die uns erklären kann, dass ein Mensch im Vollbesitz seines Verstandes bei Eis und Nacht und Nebel und ohne Leitschienen bergab auf der Chartreuse den vollen Hammer stehen lässt.

Allein wie er in einer kurzen Passage den ganzen Wahnsinn der Gruppe-B-Monster skizziert, Monte Carlo 1985, Audi S1: „… da komm ich mir plötzlich vor wie ein toller Hund. Mitten in der Nacht, nach viertausend Kilometer Rallye, stech ich irgendwo in einen Tunnel rein und dreh ihn aus und denk, ha, das ist ein Sound, ha!, so blöd bin ich noch, und dann bin ich noch begeistert, wenn’s unter dem Motor das Feuer raushaut, dass alles ganz hell wird. Und genauso geht der Wagen, wie eine Explosion, zwischendurch denk ich, das ist schon toll, so ein Gerät fahren zu können, weil die normale technische Entwicklung kann das ja nicht sein, irgendwann wird sich alles normalisieren, aber es ist schön, jetzt dabeigewesen zu sein. Er schiebt an, dass dir schwindlig wird. Ein normaler Mensch muss wahnsinnig werden. Unvorstellbar. Er geht ab 3 500, Schub-Explosion gibt’s bei 4 500, wie wenn dir im stehenden Auto von hinten einer draufknallt. Drehen kann ich bis 8 600. Und ich schalte meistens bei 8 500, immer volle Lotte. Dadurch, dass wir jetzt höher drehen, komme ich nicht so oft in den Begrenzer. Das Schießen, das du früher gehört hast, das war das Abregeln. Jetzt, wenn du diese Explosion hörst, ist das beim Gaswegnehmen. Das törnt mich so an, dass ich gleich wieder hintritt, zack! Und von innen hörst du das Ganze auch, kommst dir vor wie ein Dompteur. Wie im Zirkus, zwölf Löwen um dich, und alle machen ffffcccchchch, und du hockst drin und hast alles im Griff.“

1985, in einer nie zuvor und nie danach gekannten Rallye-Euphorie, war die Zuschauersituation bereits kritisch, es gab zu viele Menschen, und sie benahmen sich zu blöd. Ich fragte Röhrl am Zieltag jener Monte, wie es denn mit den Zuschauern gewesen sei, und er sagte: „Am Turini, du kennst die paar Kehren links und rechts, da ist einer auf der Mauer g’sessen, denn hätt‘ i am liebsten abeg’fahren. Beim zweiten Mal sitzt das Arschloch no immer dort. Ganz auf cool. Ich hab den Gesichtsausdruck erkennen können, ganz lässig, wahrscheinlich is a Has’ danebeng’standen. Pass auf, das ist folgende Stelle: Tunnel nach 3 Kilometer, Kehre links, 20 Meter, Kehre rechts, 40 Meter, mittellinks, Kehre links, Kehre rechts, 60 Meter, mittelrechts, und da ist eine Mauer innen, wo du um jeden Zentimeter kämpfst – innen! Und da sitzt der Kerl vorn, wo die Mauer beginnt, ganz cool, die Füß’ herinnen, und zuckt net. Dafür hab i ’zuckt und mi g‘ärgert, und beim zweiten Mal war i scho gfasst drauf, tatsächlich sitzt des Arschloch wieder da. Ich fahr drei, vier Zentimeter vorbei. Der war knallhart, hat net ’zuckt. I hab bloß gmerkt, wie seine Augen a bissl größer worn san.“

Diese Kaltblütigkeit des Rallyefahrers in seiner Wahrnehmung und extremen Präzision, die hat noch immer nichts mit einem Talent zum „Helden“ zu tun?
Nein, sagt Röhrl. Als Helden, in seiner Zeit, würde er den (1986 tödlich verunglückten) Henri Toivonen und den (quietschlebendigen) Ari Vatanen bezeichnen, er kann das gut anschaulich machen, aber das wären wieder eigene Stories, wenn du sie mit jener Behutsamkeit weitergibst, mit der Röhrl sowohl dem Thema wie auch den Menschen seinen Respekt erweist – auch bei hell loderndem Irrwitz der Handlung.


»Und da sitzt der Kerl vorn, wo die Mauer beginnt, ganz cool, die Füß’ herinnen, und zuckt net. Dafür hab i ’zuckt und mi g‘ärgert, und beim zweiten Mal war i scho gfasst drauf, tatsächlich sitzt des Arschloch wieder da. Ich fahr drei, vier Zentimeter vorbei. Der war knallhart, hat net ’zuckt. I hab bloß gmerkt, wie seine Augen a bissl größer worn san.«


Als Beispiel sei ein Teil jenes Gesprächs zitiert, das ich zu Saisonende 1986 mit Röhrl führte. Der Lancia S4 von Henri Toivonen/Sergio Cresto war in der Korsika-Rallye ohne erkennbaren Grund abgeflogen, zerschellt und explodiert, es gab keine Augenzeugen. Röhrl: „Henri hatte eine phantastische Serie, neuer Lancia Delta, RAC-Rallye, Monte, er gewann alles, und ich meine, er kam wohl in die Euphorie von ,Alles geht‘.

Ich kenne die genauen Umstände von Henris Unfall und damit seinem Tod genauso wenig wie jemand anderer, aber ich musste mir meine Meinung dazu bilden, ganz persönlich und subjektiv: Ich bin überzeugt, dass er an dem gestorben ist, was man „Geschwindigkeitsrausch“ nennt. Daran war natürlich die extreme Gruppe B beteiligt, die extremen Reifen, die extremen korsischen Straßen, das alles hat sich mit seiner Erfolgsserie summiert und ihn in einen Zustand jenseits des Vorstellbaren versetzt. Ich würde nicht einen einzelnen dieser Faktoren dafür verantwortlich machen, also auch nicht die schlimme Gruppe B, – sondern es hat sich einfach alles auf die fatalste Weise summiert.“

(Ich warf ein, dass bei all den Mutmaßungen auch ein Ansagefehler des Beifahrers zur Debatte stand. Losgelöst vom konkreten Fall fragte ich, wie wahrscheinlich es sei, dass ein winziger Irrtum des Copiloten eine Katastrophe auslösen könne?)
Röhrl: „Grundsätzlich ist das natürlich drin, und über viele Jahre hinweg hat sich der Fortschritt des schnellen Rallyefahrens in der Verfeinerung der Gebetbuch-Aufzeichnung und -Ablesung ausgedrückt. Das Sich-Verlassen auf den Beifahrer und das Gebetbuch ist immer wichtiger geworden, und jeder etwaige Fehler bekam stärkeres Gewicht. Bloß meine ich, dass es da irgendwann eine Umkehr gab, dass nämlich das Gebetbuch gar nicht mehr so schnell wie der Fahrer sein konnte.

Walter Röhrl im Würth Lancia 037. Credit: McKlein.

Anders gesagt: Unter den tollsten Umständen (etwa: totales Können, totale Euphorie) auf den tollsten Straßen (Korsika) konnte es einem Super-Piloten der Gruppe B (eben Toivonen auf Delta S4) passieren, dass sein Hirn schneller lief als der Ablauf des schnellsten Gebetbuchs. Ich wage zu sagen: Wenn du so überirdisch schnell gefahren bist wie Henri damals in Korsika, dann hast du deinen Beifahrer dauernd überholt. Du hast dich schon in einer euphorischen Vorausahnung der überübernächsten Kurve befunden. Die Beschleunigung der irrsten Gruppe-B-Autos hat uns soweit gebracht, dass das vorauseilende Gebetbuchlesen des Beifahrers nicht mehr ausreichte. Es bedurfte der Phantasie des Fahrers, um noch schneller im Vorausdenken zu sein … aber wie gesagt, da reden wir nur von ganz extremen Umständen, wie sie bei Henris Fahrt in Korsika gegeben schienen. Er war jenseits von schnell, das zeigen ja seine Sonderprüfungszeiten vor dem Unfall.

Wenn zwei Fahrer an einer gleichartigen Situation der Perfektion angelangt sind, wird derjenige noch um einen Hauch schneller sein, der sich an mehr erinnern kann, das heißt, dass er das Gebetbuch in seinem Hirn weiter ausgerollt und genauer beschrieben vor sich sieht. Wenn er einmal in diesem Stadium ist, kann ihm die Ansage des Beifahrers nur Dinge in Erinnerung rufen, die er tief in seinem Gedächtnis gespeichert hat. Jede Kurve hat ihren Namen, und die Nennung dieses Namens legt eine ganze Strecke von Visionen frei. Mittelrechtsplus-von-außen-nach-innen, das löst eine Serie von Vorstellungen aus, und je genauer und weiter vorausschauend diese Vorstellungen sind, auch in Bezug auf nachfolgende Passagen, umso schneller wird sich ein absoluter Spitzenmann zu fahren trauen.“

„Darf man als Rallyefahrer Angst haben?“ „Nein“, sagt Röhrl, „wennst Angst hast, darfst es nicht tun. Du musst überzeugt sein, es im Griff zu haben und die Grenzen nie aus den Augen zu verlieren.“ „Aber es gibt doch Stellen und Situationen, die beim besten Willen in keine Vorhersehung passen.“

Heute gefragt: „Darf man als Rallyefahrer Angst haben?“
„Nein“, sagt Röhrl, „wennst Angst hast, darfst es nicht tun. Du musst überzeugt sein, es im Griff zu haben und die Grenzen nie aus den Augen zu verlieren.“
„Aber es gibt doch Stellen und Situationen, die beim besten Willen in keine Vorhersehung passen.“

„Selten, aber es gibt sie. Die größte Gefahr meines Lebens war bei einer Monte mit wenig Schnee. Es war noch feucht, mit Gefahr von Eis, aber die Temperatur war tendenziell steigend. Unsere Eisnotenschreiber haben die feuchten Stellen zwar markiert, aber ich bin mit Slicks gefahren, es war auch relativ trocken, aber plötzlich war Spiegeleis in einer schnellen Rechten. Es war nichts zu machen. Als sich der Wagen erfangen hat, waren’s ein paar Zentimeter bis zum Abgrund.“
„Schießt dir da das Adrenalin bis in die Ohren?“
„Erst nachher, nicht beim Arbeiten.“

„Wie ist das jetzt, in deinem hohen Alter? Du bist ja noch immer der schnellste Porsche-Testfahrer auf der Nürburgring-Nordschleife. Geht dir das noch ganz locker von der Hand?“

„Mit den normalen Autos ja. Jenseits der 500 PS bin ich schon immer ganz froh, wenn die Tests vorbei sind. Ob du mit Tempo 280 oder 307 wie mit dem GT2 zur Antoniusbuche kommst, das ist schon ein Unterschied, der mir nicht ganz wurscht ist. Du weisst ja, was passiert, wenn du dich dort verkühlst.“
„Klingt so romantisch: Antoniusbuche.“
„U-uh.“

Um das Thema „Helden“ abzuschließen, muss ich wohl mal selber ran. Wie das ist: Mit Röhrl Auto zu fahren. Es ging jeweils einen Hauch zu flink, als dass ich nachhaltige Prosa daraus gewinnen könnte. Immerhin: Die tollste Erfahrung, die ich mit Röhrl erlebte, stammt von 1985 mit dem Audi quattro S1, der wildesten Version des Rallyetiers mit 550 PS. Audi hatte versuchsweise PDK (Porsche Doppelkupplung) eingebaut, also jenes Prinzip des lastschaltbaren Getriebes, das nun auch als DSG im VW-Konzern in Serie erhältlich ist – grüß Gott nach 20 Jahren! Eine offizielle Messung für den S1 ergab 3,1 Sek. für Null-auf-Hundert und 11,8 Sek. für Null-auf-Zweihundert, Röhrl spricht sogar von 2,6 Sek. für Null-auf-Hundert. Was ich damit sagen will: Da hat man weiß Gott nichts anbrennen lassen.

Eine Sonderprüfung der österreichischen Rallye (auf Schotter) war am Vortag des Starts zum Training freigegeben, und da der Aufschrieb schon erledigt war, durfte ich an Stelle von Christian Geistdörfer zweimal neben Röhrl hocken.

Walter Röhrl & Herbert Völker 1978 in Griechenland. Credit: McKlein.

Flagge fällt, alle Viere greifen, Körper hebt ab, das Hirn bleibt stehen, der Film rennt weiter, und beim Auslaufen hinter der Ziellinie bist du traurig, dass es vorbei ist. Man sollte nicht minutenlang, sondern stundenlang da drin hocken können, vielleicht würde dann irgendwann der Ablauf synchron werden. Ich hatte nicht einmal den heiligmäßigen Moment mitgekriegt, als wir an einer Stelle die ausgedrehten 8 400/min im sechsten Gang erreichten, das bedeutete Tempo 240 – auf schmalem Schotter. Es gibt nicht einmal einen Anflug von Angst in solchen Situationen, du bist in Raum und Zeit eingepackt wie in einer virtuellen Inspektionsreise an die Außenposten der Physik. Allerdings erst, sobald du die Beklemmung von sechsstrahligem Gurt, von Helm und engem Kopfraum neben dem Käfig überwunden und einen normalen Atemrhythmus gefunden hast. Am Anfang vergisst du nämlich aufs Atmen und keuchst dann umso ärger in den Intercom, dass der Walter glaubt, es geht ein Sturm.

Genauso gut hätte man einen Schimpansen in eine Raumkapsel schnallen können. Es blieb absolut nichts übrig, was ich hätte artikulieren können. Wie bei den Indianern, die auf das Nachkommen der Seele warten, blieb mein Geist auf irgendeiner Kuppe zwischen Waidhofen und Pfaffenschlag sitzen, die Bauern halten ihn seit dem kalten Winter von 85/86 für eine verwitterte Krähe.

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