Wassergekühlt: Tecnomar for Lamborghini 63

Wie weit lässt sich die Lamborghini Design-DNA weiterentwickeln? Die Luxus-Jachtbauer von Tecnomar und das Centro Stile von Lamborghini haben es gemeinsam herausgefunden.
Text Matthias Mederer
Bild Matthias Mederer · ramp.pictures

Irgendwo in den Bergen der Toskana, hoch oben, wo Mensch und Maschine dem Fels seinen weltberühmten italienischen Marmor in harter, ehrlicher und schweißtreibender Arbeit abringen, faucht ein Donnergrollen bei strahlendem Sonnenschein durchs Mark, dass es eine ohrenbetäubende Freude ist. Freisaugende 640 PS, Zehnzylinder, hart an der 8.000er Marke des Drehzahlmessers vibrierend, Huracán EVO ist sein Name – das ist Lamborghini!

Kurze Zeit später, weit unten im Tal, eher so Meeresspiegelniveau. Der Huracán EVO lauert flach im Schatten des Headquarter der Italian Sea Group, jener Werft, in der normalerweise Jachten in den Dimensionen von ganzen Hotels gebaut werden für Menschen, die es vorziehen, dass ihnen kein ungebetener Gast beim Buffet den letzten Büffelmozzarella vor der Nase wegschnappt. Ein entspanntes Plätschern, beziehungsweise Klatschen der Wellen gegen den Bug einer Jacht. Hier im Hafen liegt sie mit einer Länge von 63 Fuß, circa 20 Meter. Und schon auf den ersten Blick ist klar: Auch das ist Lamborghini. Y-Signatur, scharfe Kanten, eine Linie von vorne bis hinten mit einer Spannkraft, die schon im Stand keine Zweifel mehr aufkommen lässt, darüber wie schnell dieses Ding ist. »Am Steuer eines Lamborghini fühlst du dich immer wie ein Pilot«, sagt Mitja Borkert, Designchef bei Lamborghini, »dieses Gefühl wollten wir auf das Wasser übertragen«. Die pure Skulptur war das Ziel.

Hierfür besuchte das Team von Borkert zunächst Tecnomar an der Küste hinter Florenz, kurz darauf reiste das Team von Tecnomar Art Director Gian Marco Campanina nach Sant’Agata Bolognese ins Centro Stile, dem Designstudio von Lamborghini. »Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden«, erzählt Campanino, »es war wirklich einfach mit Mitja und seinem Team zu arbeiten«. Und das obwohl Borkert zugibt, dass er noch nie ein Boot designed hat. »Es war das erste Mal. Wir hatten viel Spaß und wir haben viel gelernt.« Wobei das für beide Seiten galt. Die Detailliebe und die Hingabe mit der Borkert und sein Team noch die kleinsten Schalterchen in einem Lamborghini designen, war für Campanino und sein Team, die es gewohnt sind in Dimension zwischen 20 und 100 Metern zu denken, neu.

Die Kernmerkmale eines Lamborghini – Performance, leicht, robust, agil – galten auch für das Boot und waren nicht verhandelbar.

Umgekehrt haben auch Borkert und sein Team jede Menge gelernt, zumal die Fahrt auf, beziehungsweise im Wasser nochmals ganz eigene Anforderungen an die Aerodynamik mit sich bringt. Doch die Kernmerkmale eines Lamborghini – Performance, leicht, robust, agil – galten auch für das Boot und waren nicht verhandelbar. Bei der Motorisierung greift Lamborghini zu zwei V12 mit jeweils 2.000 PS. Da kann kein Straßenauto mithalten. Die Aggregate stammen allerdings von MAN, da Lamborghini keine Schiffsdiesel-Motoren baut. Immerhin beim Topspeed kommt die Lamborghini DNA dann wieder zum Tragen: 63 Knoten. Die Zahl beschreibt neben der Länge der Jacht nämlich auch das Gründungsjahr von Lamborghini.


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