Text: Alexander Morath
Bild: Léo Caillard
6 min

Wie Hippokrates zum Hipster wurde

So einen echten Hipster, den übersieht man nicht. Zu eng die Röhrenjeans, zu lang der Bart. Und dann ist da auch noch dieses bunt-karierte Hemd, das man vielleicht an einem Lumberjack vermuten würde, nicht aber an jemandem, der Smoothie schlürfend durch die Trendviertel einer Großstadt radelt und dabei Indie-Pop aus seinem iPhone hört.

Dieses klischeebehaftete Bild vom Hipster als Kulturphänomen hat der französische Künstler Léo Caillard vor gut fünf  Jahren ironisch-reflektiert aufs Korn genommen. Für seine digitale Serie »Hipster in Stone« bediente er sich jenen symbolisch aufgeladenen Versatzstücken, die man für gewöhnlich mit einem Hipster in Verbindung bringt, und übertrug diese per Photoshop auf den kalkweißen Astralkörper griechischer Statuen.

Seine Kunstaktion brachte ihm 2012 jede Menge mediale Aufmerksamkeit ein, Kooperationen mit Museen wie dem Louvre folgten. Jetzt setzt Caillard sein Umstyling fort und präsentiert uns wieder einmal antike Helden, die aussehen, als kämen sie gerade aus dem Berghain.

Kunst zum Schmunzeln. Und zum Nachdenken. Denn was, so die kunstimmanente Frage, sagt die Hipster-Mode letztlich über eine gesellschaftliche Strömung aus, die einerseits Individualität zum Ausdruck bringen möchte, andererseits aber längst dort angekommen ist, wovon sie sich doch eigentlich abgrenzen möchte – nämlich dem Mainstream?

Zu sehen sind Léo Caillards Werke derzeit im Museum of Contemporary Art in Krakau.

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