Text: Tom M. Muir
Bild: Matthias Mederer
6 min

You'll never talk alone: Jürgen Klopp im Zwiegespräch

Wenn einer weiß, wie man das letzte Fitzelchen Potenzial aus Menschen kitzelt, dann ist das Jürgen Klopp. Wir haben ihn beim Dreh des Opel Insignia-Werbespots getroffen.

Jürgen Klopp wirkt kleiner und pummeliger als zuletzt. Der englische Fußball scheint ihm zuzusetzen. Was waren das auch für haarsträubende Spiele in der Premier League. Vielleicht ist es auch das berühmte Filmlicht. Vielleicht ist es aber auch gar nicht Jürgen Klopp. Letzte Zweifel beseitigt der Regisseur am Set mit einem beherzten: »Okay, guys, where’s Jurgen?« Der falsche Klopp tritt zurück, verschwindet im Dunkel hinter den Kameras. Auftritt Jürgen Klopp, der echte. Sichtlich gut gelaunt, braun gebrannt und entspannt in grauem Hoodie, dunkler Hose und Sneakers. Er nimmt die Position des Licht-Doubles ein, eine Stylistin kümmert sich rasch um die Haare, kurze Anweisung vom Regisseur: »Stell Dir vor, Du bist richtig wütend jetzt, Deine Mannschaft hat das Spiel verloren, die Emotionen brodeln in Dir. Du bist alleine in der Kabine und hast jetzt die Gelegenheit, alles rauszulassen …« Klopp nickt. »Und Action!« Mit einem metallisch knallenden Ruuummmms pfeffert Klopp die Tür eines provisorisch aufgebauten Kabinenspinds zu. Sieht gut aus. »Und gleich noch mal!«, ruft der Regisseur. Die Miene von Klopp ist angespannt, extrem aggressiv. Beim zweiten Mal haut er die Tür mit so viel Schwung zu, dass die beiden Assistenten Mühe haben, den Spind zu halten. »Und nochmal!« Ein drittes Mal scheppert es. Dann klingen die Ohren nach. »Super! Danke.« Von der einen auf die nächste Sekunde ist Jürgen Klopp wieder gut gelaunt. Das Set switched zurück in die angeregte Betriebsamkeit eines kleinen Ökosystems, in dem jeder immer irgendetwas zu tun hat. Klopp schnappt sich einen Stuhl am Rand, setzt sich, trinkt einen Schluck Wasser. Auszeit an der Seitenlinie und ein guter Moment für ein kurzes Gespräch.Was für ein Typ Autofahrer ist Jürgen Klopp eigentlich? Ich denke, ich bin auch beim Autofahren der Jürgen Klopp, den die Menschen kennen. Grundsätzlich entspannt und bei Weitem nicht so impulsiv wie manchmal an der Seitenlinie oder gerade eben (lacht). Spaß beiseite. In England habe ich im Linksverkehr immer mal noch mit mir zu tun, da komme ich nicht dazu, mich über andere aufzuregen. Ich freue mich eher, wenn ich nicht selbst zum Ärgernis werde.

Der neue Spot dreht sich um Führungspersönlichkeiten, einen modernen Umgang mit Individuen und Menschen, die alle ihre eigenen Stärken und Schwächen haben. Wie gehen Sie als Trainer damit um? Der Wunsch nach Individualität wird meines Erachtens immer größer. Statussymbole, also Besitztümer an sich, verlieren in der westlichen Welt an Bedeutung. Viel wichtiger, vor allem für die next Generation, wird das sich Unterscheiden von anderen, sich kreativ abheben. Sein eigenes Ding machen eben. Es ist interessant zu beobachten, wie sich meine Spieler nach dem Training oder einem Spiel in ihre Individualität begeben – ohne Einzelgänger zu sein. Kleidung, Schmuck, Tattoos: Mehr Individualität als auf den wenigen Quadratmetern unserer Kabine geht kaum.In der Werbung wie auch beim Fußball geht es unter anderem um eine emotionale Ansprache. Gibt es noch mehr Gemeinsamkeiten? Ab einem gewissen Qualitätsniveau kommt es immer auf die Details an. Wenn wir mit Liverpool gegen Arsenal oder Manchester United spielen, agieren wir fußballerisch, taktisch und körperlich nahezu auf Augenhöhe. Meistens gewinnt dann das Team, das den Sieg mehr will, das bereit ist, die extra Meile zu gehen. Das hat viel mit der emotionalen Einstellung der Spieler zu tun, die man mit einer emotionalen Ansprache in der Vorbereitung beeinflussen kann. Zuletzt dann wenige Minuten vor dem Anpfiff. Ähnlich sehe ich das in der Werbung, gerade für Autos. Eine Differenzierung über Technik, Ausstattung oder Motorleistung wird gerade in der gehobenen Mittelklasse immer schwieriger. Eine entscheidende Rolle spielt also die Markenstärke, und die hat definitiv eine emotionale Facette. Eine Marke muss den Käufer emotional erreichen und sie muss – ähnlich wie ein Coach – authentisch und glaubwürdig rüberkommen …

An dieser Stelle unterbricht Jürgen Klopp seine Antwort, blickt kurz Richtung Set. »Where’s Jurgen?« ruft jemand. Nächster Take.

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