Text: Dermo S. Kane
Bild: Oliver Nanzig
6 min

Zu Besuch bei Marco Vaudo mit dem Porsche Panamera

Performance, Ikone, Sound, Lenkung, Flyline, Cockpit, Heckspoiler, Biturbo, Komfort, Power, Echtzeit. Erkannt? Alles spricht Porsche – und völlig Panamera.

Die Linie

Wikipedia-Nutzer wissen: man sucht, man findet. Zuerst die Basics, dann die Details und ganz am Ende landet man bei den Trivia (von lateinisch trivialis und in der Erklärung so etwas wie »bedeutungsloses Allgemeinwissen«). Keine zwingenden Informationen also, vielmehr Know-how mit Aha-Effekt. Beispiel Porsche Panamera Turbo. Unter Trivia erfahren wissbegierige Wikipedisten: »Der Panamera Turbo umrundete die Nordschleife des Nürburgrings in 7:38 Minuten. Damit ist er die schnellste Luxus-Limousine auf dieser Rennstrecke.« Na bravo! Der Gran Turismo mit Stuttgarter Pferd und diversem Hirsch-Gehörn im Wappen brilliert auf der längsten, interessantesten, möglicherweise anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt. Trivia zwei – ebenfalls zu Panamera, wenn auch zur Version mit doppelt aufgeladenem V8-Diesel: »Der Panamera 4S ist mit einer Höchstgeschwindigkeit von 285 km/h und einer Beschleunigung auf 100 km/h in 4,3 Sekunden das schnellste aktuell erhältliche Dieselfahrzeug der Welt. Außerdem ist dies der stärkste von Porsche je in Serie verbaute Dieselmotor.«

Als schnell und stark beweist sich Porsches sportiver Viersitzer. Mehr als ein Hauch von extremissimo. Merke: Porsche hat mit 5,2 Metern Panamera (exakt 5.199 mm in der Executive-Version) auch den längsten. Keiner toppt das. Kein Maserati Quattroporte (5,05 m), kein Bentley Continental (4,8 m) oder Aston Martin Rapide (5,02 m).

Dass wir uns richtig verstehen. Daran finden wir nichts Falsches. Einfach ein Hammer, im vorstehenden Fall mit Turbo und bitte, wenn schon Länge läuft, dann formal gelungen wie dieser.

Die Front – ganz Porsche, so etwas wie Bruder im Geiste zum Kernwert-Boliden 911. Und das Heck? Kein Platz für Kritik und lustige Vergleiche, die der Vorgänger immer mal wieder hinnehmen musste. Die Proportionen passen jetzt. Das Design bekennt sich zur beeindruckenden Größe des Luxus-Sportlers, nimmt sie auf und setzt Akzente. Wenn es dazu breiter Lichtwangen, verbunden über ein Lichtband über dem rückwärtigen Porsche Schriftzug bedarf – was soll´s, dieser Porsche sieht auch von hinten – Heckflügel tief oder hoch – einfach gut aus.

Auf Druck

Wir sind unterwegs. Es geht bergauf. Unser Ziel liegt im Oberengadin. Genauer: das Hotel Suvretta House, gelegen auf dem Chasellas-Hügel unweit Champfer, dem nächsten Ort hinter St.Moritz. Das Hotel – ein Traditions-Mix, Basis Schweiz, englisch überzuckert – gilt als eine der exklusivsten Gästeburgen der Welt. Wir haben ein Rendezvous mit einem Herrn, der im Umgang mit Anspruch, Luxus und Qualität Erfahrung mitbringt: Marco Vaudo, Schweizer Chef-Concierge des Jahres. Gäste, die an seinem Counter eingecheckt haben, dürfen – befeuert durch ihr sattes valables Potenzial – sämtliche Gangstufen Schweizer Top-Hotellerie abfordern. Wir werden Herrn Vaudo im Gegenzug immerhin acht Gänge – automatisch oder gewippt betätigt – aus einem neu entwickelten Porsche Doppelkupplungsgetriebe anbieten können. Ein automobiles High-End-Detail, eines von vielen, wohlgemerkt, die den Panamera auszeichnen. Bleiben wir einen Moment beim Getriebe, das beeindruckend agiert, wie wir bereits jetzt auf unserer Anfahrt hinauf zur Passhöhe des Flüela (2.383 Meter) feststellen. Mit durchschnittlich 7,3% Steigung – Spitze 12% –, gebettet in ein charmantes Kurvenkarussell, warten 955 Höhenmeter. Das macht trotz Länge und Gewicht gerade im Panamera enormen Spaß und würde dem Beschleunigungsvermögen konkurrierender KFZ-Antriebe klare Grenzen setzen. Nicht umsonst nutzt etwa BMW diesen Pass für Testzwecke.

Woraus resultiert unser Eindruck, dass der Porsche auch angesichts seiner zwei Tonnen Masse mit Struktur und Dimension dieser Strecke spielt? Von den acht Gängen nutzt er hier die ersten sechs. Sie sind sportlich und auf rasch aufeinanderfolgende Beschleunigungssequenzen ausgelegt. Dementsprechend vehement geht der Doppelturbo zur Sache. Käme nicht Kurve nach Kurve, wer weiß, wo es enden würde? Sicher weit, weit jenseits der 80km/h, die eine Schweizer Straßenverkehrsordnung als Limit abseits der Autobahnen vorgibt. Am Flüela bergauf ist das schnell, gerade in den oberen Passagen. Die Gänge sieben und acht wird der Panamera erst auf der Pass-Gegenseite bergab oder bei entspannter Fahrt mit einmal gefundenem Geschwindigkeitslevel und entsprechend Sprit sparend wieder nutzen. Jetzt jedoch nicht. Jetzt überhaupt nicht. Was für ein großes, sportliches Auto …

Der Mann

Marco Vaudo begrüßt uns vor dem Eingang des Hotels. Beim Aussteigen sehen wir im Augenwinkel das Suvretta Gäste-Taxi: ein Tesla S, Elektriker und viertüriger Gran Turismo. Konkurrenz? Kaum, einfach ganz anders. Gut so. Vaudo scheint sich auf den Panamera zu freuen. Er ist Schweizer, aber im Süden Italiens geboren und lebt heute mit der Familie am Comer See. Wie wird man zum »Besten Concierge«? »Gelassenheit«, er lächelt: »Gelassenheit, die gegenseitigem Vertrauen eine Chance gibt. Gäste spüren das. Wie eine Brücke, die sich zwischen ihnen und uns (damit meint er wohl den Direktor und sich selbst als verlängerten Arm) aufbaut.« Ist das immer so? »Nein, nicht immer. Aber ein Hotel wie dieses (eben passieren wir die Ecke zur Einfahrt mit der Schneeskulptur des »Suvretta Skifahrers«) wird kaum anders funktionieren.« Andere Gäste, andere Sitten? Er lacht: »Wir haben hier Klientel from all over the world. Betuchte Klientel. Gäste, die bereit sind, einen nicht unerheblichen Betrag für ein Zimmer oder eine Suite auszugeben. Sie erwarten einfach mehr Aufmerksamkeit, als ein Hotel gemeinhin leisten kann.« Das wäre? »Nennen wir es Persönlichkeit. Individualität.« Wie meinen? »Zwei Positionen, zwei Blickwinkel, beide müssen funktionieren. Das Hotel spiegelt Persönlichkeit wider – und der Kunde wird ebenso als solche wahrgenommen.« Lässt sich das auf die Szene der Autobauer und ihre Kundschaft übertragen? Passt das bei Porsche? »Ja, vielleicht wie bei Porsche, vielleicht wie bei diesem Auto, das mir – obwohl ich gerade erst ein paar Kilometer damit fahre– dieses Gefühl von Gelassenheit und Souveränität vermittelt. Nicht schlecht, ein schönes Stück bewegtes Charisma.« Seine Hand streicht über die Mittelkonsole, das Leder der Sitzkante: »Teuer?« Ja, verehrter Herr Vaudo, da dürften die Welten rasch in Übereinstimmung kommen – oder: Was kostet eine Nacht im Suvretta – wir wollen nicht übertreiben– nehmen wir mal an: in einer Junior-Suite? »Wintersaison?« Klar doch. »2.000 Franken pro Nacht.« Nicht schlecht. Die Welten treffen so aufeinander, dass der Panamera bereits nach etwa 90 Tagen Hotelaufenthalt »verlebt« wäre. Allerdings ohne dass man verhungert. Der Zimmerpreis inkludiert Halbpension. Mehrgängiges Menü am Abend. Stilvoll. Die Herren gerne im Sakko und mit Krawatte. Ob sich Geld eleganter und damit leichter ausgeben lässt?Marco V. sieht das gelassen: »Ich habe während meiner Zeit hier in St.Moritz einige interessante, dabei wirklich reiche Leute kennengelernt. Nur selten Blender, kaum Neureiche, meistens – wie nennt man das? – altes Geld.«

Wie er das meint? »Ich schätze so Zeitgenossen ein, die Konsum und Gelassenheit in Übereinstimmung bringen können. Wissen Sie, Geld richtig auszugeben, das verlangt durchaus Intelligenz.«

Wie intelligent wäre die Anschaffung eines Porsche Panamera?

Vaudo: »Ich könnte mir vorstellen, dass gerade eine Firmawie Porsche sich solche Kunden wünscht. Leute mit Sinn für gelassene Klasse. Wer bis zu 200.000 Euro für ein Auto investiert, darf zu Recht Leistung am Limit erwarten.« Und, passt das? »Was ich sehe und wie sich das Auto anfühlt, hat Porsche einen guten Job gemacht. Auf kräftigeren und zugleich eleganteren Sohlen kann Kapital kaum unterwegs sein.«

Merke: Kaum 20 Minuten im Panamera und der Concierge wird zum Philosophen. Oder ist es doch eher das Klima hier oben entlang des Silser Sees, um densich die Straße in leichten Schwüngen windet und die gerade den Panamera ins Gleiten ohne Stress und Aber bringt? Apropos Philosoph. Schon Nietzsche hat seinen literarischen Visionen in Sils Maria »Feuer gegeben«. 1882 schrieb er: Hier saß ich, wartend, wartend – doch auf Nichts, Jenseits von Gut und Böse, bald des Lichts Genießend, bald des Schattens,ganz nur Spiel, Ganz See, ganz Mittag, ganz Zeit ohne Ziel. Da! Plötzlich, Freundin! Wurde Eins zu Zwei– Und Zarathustra ging an mir vorbei …

Wohl gesprochen und durchaus zur Situation passend. Denn auch wir sind bereits vorbei. Vorbei am Silser See und auf dem Rückweg Richtung Suvretta, wo wir – beide einig mit dem, was uns gelassenauf vier Rädern trägt, aber auch mit der Welt an sich – die letzten Kurven nehmen.

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