Text: Wiebke Brauer
Bild: Mathias Mederer, Tobias Sagmeister / Audi AG
7 min

Zwischen Tortillas und Tequilas: das Wüste Land

»Where must we go, we who wander this wasteland, in search of our better selves?« Wem der Satz bekannt vorkommt, der hat den letzten »Mad Max«-Film gesehen. Wer den nicht kennt, sollte das nachholen, bevor er mit dem neuen Audi Q5 in die mexikanische Wüste fährt. **SEKUNDEN SPÄTER KOMMT ER WIEDER HERAUS UND VERSCHWINDET IM DUNKEL, EINE FADENSCHEINIGE PLASTIKTÜTE IN DER HAND. 
DARIN TORTILLAS. ODER EINE LETZTE FLASCHE TEQUILA, WER WEISS DAS SCHON GENAU. DEN AUDI WÜRDIGT 
ER KEINES BLICKES.**

Die Geschichte beginnt damit, dass sich im Rückspiegel ein Umriss aus dem Schwarz schält. Vor dem Morgengrauen, mitten aus dem Nichts, aus einer gähnenden Gasse in einem Ort namens San José del Cabo. Es ist ein Mexikaner mit einem Cowboyhut und einer Gitarre auf dem Rücken, das Gesicht so zerfurcht wie die Straße, der Rücken krumm wie ein vertrockneter Baum, gebeugt von der Zeit und vom Wüstenwind. Sein Alter müsste so zwischen 42 und 80 liegen, mit schweren Schritten steigt er die zwei roten Stufen zum Mini-Supermarkt La Pasadita hin auf, die blutrote Farbe blättert von der Fassade, brüchig und blass. Sekunden später kommt er wieder heraus und verschwindet im Dunkel, eine fadenscheinige Plastiktüte in der Hand. Darin Tortillas. Oder eine letzte Flasche Tequila. Das wüste Land wer weiß das schon genau. Den Audi würdigt er keines Blickes.

Mit einem Mal entfärbt sich der teerschwarze Himmel zu einem zarten Blau, ein Hahn kräht hinter einer zerfallenen Mauer, eine Töle bellt, zwei andere fallen ein. Auf einem Hof kauern Tauben im Staub und fliegen auf, schwarze Flecken am Firmament, die sich so schnell wieder in den Schmutz kauern wie sie ihm entstiegen sind. Es wird hell, es wird heiß. Gleich brennt die Sonne wieder vom Himmel, rücksichtslos gegen Mensch und Tier. Kakteen recken ihre dornenbewehrten Arme flehend in die Höhe, Autowracks am Straßenrand heizen sich auf, Häuser rotten, Gatter rosten, Kabel hängen. Über einem kahlen Hügel in der Ferne kreisen Greifvögel. Oder sind das Geier? Fehlt nur noch, dass ein Tumbleweed über den Asphalt weht und sich ein Coyote seine Einsamkeit aus dem Leib heult. Wenn mir jetzt noch jemand heiser ins Ohr raunt, dass das Ende nah sei, ich glaube ihm aufs Wort.

Wo San José endet, beginnt die Wüste. Ihre Fläche beträgt mehr als 30.000 Quadratkilometer. Kahle Berge, wohin man blickt, die Autobahn schlängelt sich wie ein schwarzes Reptil durch die Landschaft. Die einzige Abwechslung fürs Auge bieten Dornensträucher und eine Kaktusart namens Carnegiea gigantea. Ihr Name ehrt den US-amerikanischen Industriellen und Philanthropen Andrew Carnegie, und die Deutsche Kakteen-Gesellschaft wählte sie zum »Kaktus des Jahres 2017«, aber das nur nebenbei. Gegen ihre Stacheln würde sich jeder NATO-Draht vor Scham zusammenrollen, und jedes einzelne dieser Ungetüme wird mich überleben. Sie sind perfekt bewehrt, angepasst, ein Mirakel der Evolution.Meine Waffe gegen die Wüste, mein Desert Eagle ist der Audi Q5 2.0 TFSI. In Navarrablau mit Perleffekt, Fluchtwagen, kühlende Oase bei Tag, wärmende Decke bei Nacht – und letzter Rückzugsort zwischen Schutt und Stein. 4,66 Meter lang, 1,89 Meter breit, 1,66 Meter hoch, 2,82 Meter Radstand – und bis zu 90 Kilogramm leichter als sein Vorgänger.

Hier, in Baja California, wo die Straßen im Nichts enden, das Display des Navigationsgeräts ein ratloses Beige zeigt und der Asphalt schon wieder zerbröselt, so bald er auf den Sand aufgetragen wurde, hier ist der Q5 die klassische Antwort auf die Frage, wie man in einer Gegend überlebt, die alles vernichtet, das ihr nicht entspringt. Wobei man an dieser Stelle natürlich einwerfen könnte, dass dieser Wagen in der Nähe von Mexiko City gebaut wurde und ein Kind der Wüste sei. Mexiko ist das Land der Fiestas. Patriotische und religiöse Feste und Feiertage geben praktisch jeden Monat einen Grund zu feiern, wie der Tag der Unabhängigkeit am 16. September, der Tag der Toten am 2. November, der Tag der Revolution am 20. November.

AUTOWRACKS AM STRASSENRAND HEIZEN SICH AUF, HÄUSER ROTTEN, GATTER ROSTEN, KABEL HÄNGEN.

Über 1,6 Millionen Mal wurde er verkauft, dieses Exemplar stammt aus der zweiten Generation, was man allerdings erst auf den zweiten Blick merkt. Insofern ist sein Innenleben interessanter: Seine Luftfederung besänftigt all jene, denen das Vorgängermodell zu rumpelig war, jede Bodenwelle wird so weich abgebügelt, als ob der Wind über einen Stein streichen würde. Kostet allerdings auch fast 2.000 Euro extra. 252 PS hat dieser Audi, in 6,3 Sekunden könnte ich hier von 0 auf Tempo 100 beschleunigen und bei 237 km/h enden. Zum Vergleich: Ein Roadrunner bringt es auf 32 km/h. Keine schlechte Leistung für einen Wüstenvogel, der außerdem so gut an seine Umgebung angepasst ist, dass er nachts in eine Kältestarre verfällt, um Energie zu sparen. Morgens breitet er seine Flügel in der aufgehenden Sonne aus und erreicht so in Windeseile wieder normale Körpertemperatur. Der Audi Q5 dagegen benötigt hierfür klassischen Verbrenner-Kraftstoff, rund 7 Liter Super auf 100 Kilometer. Alternativen gibt es keine.Als Land besitzen die Vereinigten Staaten von Mexiko eine Länge von 12.540 Kilometer Meeresküste und berühren damit den Pazifischen Ozean, das karibische Meer und den Golf von Mexiko. Die Grenze zu den USA beträgt 3.326 Kilometer.Andererseits: Der Roadrunner hat keinen »quattro ultra«-Antrieb. Der sorgt im Audi dafür, dass im Zehn-Millisekunden-Takt Daten wie Lenkwinkel, Quer- und Längsbeschleunigung sowie Reibungswerte erfasst werden. Die meiste Zeit läuft das Auto im Frontantrieb, bei Bedarf wird unmerklich die Hinterachse zugeschaltet. Wird die Hinterachse nicht benötigt, koppelt eine Lamellenkupplung am Getriebe die Kardanwelle ab. Wo der Asphalt ins steinige Nichts zerbröselt, lässt sich der Q5 per Knopfdruck im Modus lift/offroad um 45 Millimeter aufbocken. So durchpflügt er die rote Erde der Baja California Sur, langsam vorbei an mageren Kühen und verfallenen Hütten. Kein Mensch ist hier zu sehen, nur Steine, Sträucher und Staub.Die Qualität mexikanischer Straßen reicht von gut bis schlecht. Der Audi Q5 ist mit einem einstellbarem Luftfahrwerk auf alle Eventualitäten vorbereitet und lässt sich damit beim Beladen oder bei hohem Autobahntempo um bis zu acht Zentimeter absenken.Was ebenfalls nicht zu sehen ist: Wasser. Hätte man vorher daran gedacht, hätte man im Gepäckraum mit verschiebbarer Rückbank bis zu 610 Liter verstauen können, 10 Liter mehr als beim Vorgängermodell. Ganz vorsichtige Genossen klappen die Fondlehne um und können so 1.550 Liter Wasser einladen. Okay, genau genommen sind maximal 600 Kilo Zuladung erlaubt, doch wer wird denn kleinlich sein. Andererseits: Würde ich hier öfter durch die Wüste preschen, würde mir die »Persönliche Routenassistenz« des Q5 weiterhelfen, die sich jede Pinte merkt, die man hier regelmäßig ansteuert, um einen Mezcal mit Wurm zu kippen. Das Navigationssystem lernt die regelmäßig gefahrenen Strecken und Ziele und verknüpft sie mit Abstellort und Tageszeit. Dazu würde es mir Vorschläge für eine optimierte Routenplanung unterbreiten und mir wahrscheinlich sogar empfehlen, einen großen Bogen um das Tijuana-Drogen-Kartell der Arellano Félix-Brüder zu machen – wobei die Grenzstadt Tijuana zugegebenermaßen 20 Autostunden entfernt liegt. Aber man weiß ja nie.Genauso wenig hätte mir der Assistent wahrscheinlich das breite, ausgetrocknete Flussbett empfohlen, das ich jetzt ansteuere. Darüber führen zwei Autobahnbrücken, ich steige aus und versuche, die Graffitis zu entziffern. Vielleicht sollten Touristen aus den USA sie besser nicht lesen. Die Luft schmeckt bitter und der Sand knirscht unter den Schuhen. Ich ziehe mein Tuch über Mund und Nase. Mit einem Mal nähern sich aus der Ferne Fahrzeuge wie aus einer anderen Welt. Trophy Trucks. Buggys. Irgendetwas dazwischen. Hochbeinig, geduckt und leistungsstark sind sie, wie bösartige Insekten sehen sie aus. Vermutlich fahren sie gerade die Baja 1000. Oder es gab einen Schluckauf im Universum und ich befinde mich auf der »Fury Road« von »Mad Max«. Vielleicht steht gleich Max Rockatansky neben mir und sagt: »How much more can they take from me? They got my blood, now it’s my car!«

Dann kommt ein Sattelschlepper mit meterhohen Lautsprechertürmen und feuerspeiender E-Gitarre vorbei. Geschmiedete Fahrzeuge mit Flammenwerfern und Abwehrstacheln, mit Panzerschilden, Ketten, Enterhaken. Warum auch nicht? Das hier ist die Apokalypse, schaurig, sandig, hysterisch schnell und melancholisch in ihrer Rat- und Rastlosigkeit. Es gibt keinen Sinn und keine Deutung. Es kann nur Bewegung geben, um ihrer selbst willen, die Lokomotion als letztes Aufbäumen der Zivilisation und als letztes Anzeichen von Lebendigkeit. Kein Ziel, kein Halten, kein Stillstand, keine Erlösung. Ein Truck dreht eine Runde um die andere um den Audi herum und verschwindet wieder im Nirgendwo, Sand wirbelt auf, wie eine Wand baut er sich auf, dann legt er sich wie eine sanfte Welle und bedeckt den dunkelblauen Lack mit mattem Staub. Ich gehe zurück zu dem Wagen, in diesem einen Moment kinetisches Kunstwerk, ästhetisches Objekt, das sich nur durch den Wettlauf definiert und in seiner Dynamik zur Kunstform erhoben wird. Ich steige ein und fahre weiter. Was sonst.

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