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Spiel, Spannung, Spaß und eine Schokoladenfrage

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Horst von Saurma

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Porsche will im neuen Cayenne drei Fahrwerkkonzepte miteinander verweben: Sportwagen, Geländewagen und Reiselimousine. Am meisten überrascht dabei der Sportwagen im Cayenne, findet Horst von Saurma.

Allrounder oder Spezialist? Eine Frage, die in Zeiten von digitalem Multitasking fast schon philosophische Dimensionen annimmt und tragbare Telefone hervorgebracht hat, die gleichzeitig Computer, Archiv, Fitness-Coach, Netzwerk-Tool, Fernseher, DJ, Kamera, Diktiergerät und Sportgerät (Handyweitwurf!) in einem sind. (Diese Auflistung zielt nicht auf eine Vollständigkeit ab. Anm. d. Autors).

Etwas anders verhält sich das bei Porsche. Da ist sofort der Gedanke an den Spezialisten: Der Sportwagen. Und dann ist da auch schon das Bild vom Elfer. Eine ganz natürliche Assoziation – obwohl: zahlenmäßig eigentlich nicht gerechtfertigt. Der Cayenne hat ihm diesbezüglich den Rang abgelaufen: 36.601 verkaufte Exemplare allein im ersten Geschäftshalbjahr 2017. Vom Elfer wurden im gleichen Zeitraum 16.772 Stück verkauft. Wie auch immer: Der 911 bleibt unsterblich. Seine Gene sind – so scheint es – sogar auf entfernte Familienmitglieder vererbbar, wie am jüngsten Technik-Transfer abzulesen ist. Porsche sagt:

»Der neue Cayenne orientiert sich stark an der Sportwagen-Ikone 911.«

Ist der neue Cayenne jetzt zum Sportwagen mutiert? Hat er das Offroad-Terrain verlassen? Ist der limousinenhafte Fahrkomfort nun passé? Und sind bei der dritten Cayenne-Generation die praktischen Aspekte in den Hintergrund gerückt?

Einmal ja, dreimal nein.

Der Sportwagen im neuen Cayenne ist tatsächlich ausgeprägt wie nie: Mit zusätzlicher Hinterachslenkung, neuem, aktivem Hang-on-Allradantrieb und nicht zuletzt einer mindestens 19 Zoll großen Mischbereifung, also einer auf der Hinterachse breiteren Bereifung als vorne, liest sich das Aufgebot an typischer Sportwagen-Substanz wie das eines – nun ja – 911 Turbos.

Die Wankstabilisierung, bisher ein hydraulisch arbeitendes System, arbeitet dank des neuen 48-Volt-Bordnetzes jetzt elektrisch, heißt: es reagiert noch schneller und noch präziser. Mit dem neuen, 2,9 Liter großen und 440 PS starken V6-Biturbo des Cayenne S dürfte das immer und überall mindestens für einen inneren Vorbeimarsch reichen. Er rennt 265 km/h und sprintet in unter fünf Sekunden auf Tempo 100.

Die aktiven Fahrwerksysteme, die vom integrierten Fahrwerksregler »Porsche 4D-Chassis-Control« in Echtzeit analysiert und synchronisiert werden, tun ein Übriges, um die vordergründige Abkehr vom praktischen Allround-Talent, hin zum sportlichen Überflieger, zu beschließen.

Aber der Cayenne folgt einer anderen Logik. Denn bei aller Dynamik, die diesem nach neuesten Leichtbau-Methoden, mehrheitlich aus Aluminium gebauten Allradler innerwohnt: Die optionale, adaptive Luftfederung mit neuer Dreikammer-Technologie erweitert die Spreizung zwischen sportlich-straffer Karosserie-Anbindung auf der einen und Limousinen-gleichem Reisekomfort auf der anderen Seite in bisher nicht gekannter Manier.

Mehr noch: auf der Autobahn darf die linke Spur als Ideallinie betrachtet werden, im Gelände passt sich der Cayenne an je nach Untergrund: Ob Schlamm, Sand oder felsiges Terrain: Abhängig vom gewählten Modus werden Antrieb, Fahrwerk und Sperren an die jeweilige Szenerie angepasst. Das Porsche Traction Management verteilt die Antriebskraft vollvariabel ideal zwischen den beiden Antriebsachsen.

Die neue, mit schnelleren Schaltzeiten und kürzeren Übersetzungen in den unteren Gängen arbeitende Achtgang-Automatik beweist – egal ob Onroad oder Offroad – gleichfalls Universaltalent. Das zeigt sich in extrem schnell vorgetragenen Gangwechseln, die entweder automatisch oder per Schaltpaddeln am Lenkrad vollzogen werden und in einer Geschmeidigkeit, die kein Doppelkupplungsgetriebe in dieser Qualität leisten kann.

Der neue Cayenne geht als komplette Neuentwicklung an den Start, inklusive der Motoren. Schon die Einstiegs-Variante, ein Dreiliter großer V6 Monoturbo, tritt mit 340 PS an. Er beschleunigt den gewichtsmäßig nun auf unter zwei Tonnen gedrückten Basis-Cayenne in 6,2 Sekunden auf 100 km/h und treibt ihn auf eine Spitze von 245 km/h.

Der zweite, zur Markteinführung Anfang Dezember erhältliche Benziner im Cayenne S leistet 440 PS, die er aus einem hubraummäßig etwas kleineren, dafür von zwei Turboladern beatmeten V6 mit 2,9 Liter Hubraum schöpft. Schwarz auf weiß heißt das: 4,9 Sekunden bis 100 km/h (mit Sport Chrono- Paket) und eine Vmax von 265 km/h.

Gewohnt vorbildlich: die negative Beschleunigung. Bei der »Porsche Surface Coated Brake« handelt es sich um eine Graugussscheibe mit Wolframcarbid-Beschichtung. Diese Veredelung erhöht den Reibwert, und zwar bei reduziertem Verschleiß und weniger Bremsstaub. Zu erkennen ist diese neue, optional für alle Cayenne-Modelle erhältliche Technik an blütenweiß lackierten Bremssätteln und an einer Bremsscheibenoberfläche, die nach dem Einbremsen einen besonderen, dauerhaften Glanz entwickeln soll.

Und auch das neue Cockpit kommt mit dem neuen, bereits aus dem Panamera bekannten 12,3 Zoll großen Full-HD-Touchscreen – man möchte sagen – glänzend daher und schafft damit den Bogen zum Allrounder Smartphone. Intuitive Bedienung, Zugriff auf sämtliche online-Dienste und Internet, die höchste Stufe der Individualisierungsmöglichkeiten – der neue Cayenne lässt nichts aus. Nur ein paar analoge Bedienelemente auf der Mittelkonsole, die aber in eine Smartphone-ähnliche Touch-Oberfläche in Glasoptik integriert sind. Sie geben bei der Bedienung nicht nur akustische, sondern auch haptische Rückmeldung.

Die Standheizung aus der Ferne über das Smartphone programmieren zu können oder sich von der speziell entwickelten »Offroad Precision App« besser durchs Gelände leiten zu lassen – das sind nur zwei Beispiele von vielen, mit denen der Cayenne der dritten Generation auch der Performance des Fahrers hilft. Bei den Möglichkeiten des neuen Cayenne stellt sich somit unweigerlich die Schokoladenfrage: Ist das jetzt ein Allround-Spezialist oder ein Spezialisten-Allrounder? Aber das sollen die Philosophen beantworten.

Ab Dezember 2017

Porsche Cayenne: V6 Turbo, 340 PS, 5,9 s, Vmax 245 km/h,
Preis ab: 74 828 Euro.

Porsche Cayenne S: V6 Biturbo, 440 PS, 4,9 s, Vmax 265 km/h,
Preis ab: 91 964 Euro.

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