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Der Traumdeuter – oder: die Kunst der Verwandlung

Text
Horst von Saurma

Fotos
Bernd Haase

Wenn moderne Verarbeitungstechniken und exquisite Handwerkskunst auf eine perfekte Basis treffen, dann kommt dabei so etwas wie ein TECHART GrandGT heraus.  

Es ist ja nicht so, dass es der Porsche Panamera jetzt noch zwingend nötig hätte – bis vor kurzem wäre das eher der Fall gewesen. Jetzt steht er schon ab Werk optisch da wie eine Eins. Welches andere Auto fällt uns sonst noch ein, das nach einem Modellwechsel um soviel attraktiver daherkommt wie der Panamera? Die Antwort fällt schwer. Die Anleihen beim Elfer sind, speziell von hinten betrachtet, unübersehbar. »Die früher opulente Rundlichkeit ist jetzt klaren Kanten, tollen Linien und perfekten Proportionen gewichen – mit spannenden Details und hohem Wiedererkennungswert.« Der dies sagt, heißt Thomas Behringer. Er ist Chef des Leonberger Porsche-Veredlers TECHART, und nach eigenem Bekunden seit jeher einer der größten Porsche-Fans überhaupt. Sie hätten es sich angesichts der aktuellen Design-Evolution beim Panamera auch einfacher machen können: Ein paar Ziernähte hier, etwas mehr Ladedruck dort und schließlich ein Satz größerer Räder – fertig ist die Laube. Aber die Zeiten banaler Aufwertungs-Strategien sind passé. Es geht, wie Behringer weiß, heute um viel mehr als bloßes Tuning – schon dieser Begriff ist aus seinem Wortschatz seit langem gestrichen:

»Wir individualisieren und erfüllen Wünsche – man könnte auch sagen: wir entwerfen und realisieren Träume. Und wir fangen dort an, wo das Werksangebot endet.«

Was sind das für Kunden, die bei TECHART einen Porsche Panamera Turbo in Behandlung geben und dafür auch gerne noch einmal mindestens die Hälfte des Neupreises – rund 200 000 Euro – dazu tun? Was treibt sie an und woher kommen sie? Etwa 80 Prozent der Kundschaft käme, so Behringer, aus den USA, Asien, Mittlerer Osten und Skandinavien. Der Markt für personalisierte Autos sei hierzulande überschaubar, aber das Label »Made in Germany« stehe weltweit noch immer weit vorne in der »Haben-wollen«-Liste. Interessanter Nebenaspekt: Bei den zur Individualisierung angelieferten Porsche-Modellen handelt es sich durchweg um Typen der höchsten PS-, Ausstattungs- und Preisklasse. Behringer: »Mit einem ärmlich ausgestatteten Basismodell kommt hier keiner auf den Hof.« Das heißt: Das Beste ist den Kunden als Ausgangsbasis gerade gut genug.

»Unsere Kunden wollen grundsätzlich nichts von der Stange.«

Es sind Menschen mit geradezu überbordender Leidenschaft fürs Auto – fast alle mit großem Fuhrpark und entsprechender finanzieller Ausstattung. Die meisten würden nicht einfach nur eine Wunschliste deponieren und der Dinge harren – Gott bewahre: »Die vom Thema richtig Beseelten und Angefixten nehmen Urlaub, reisen über den großen Teich, besuchen uns hier in der Manufaktur, schauen den Mechanikern und Polsterern über die Schulter und wägen zusammen mit den Spezialisten ab, welche Farbkombinationen und Muster ihnen am besten zusagt.« Manch einer ließe sich auch am Beispiel eines entsprechenden konfigurierten und lackierten Modellautos zeigen, wie das Ganze in Natura farblich und designmäßig wohl harmonieren würde. Geradezu kindliche Begeisterung sei kein selten zu beobachtendes Phänomen.

Und warum dann die stämmige Verbreiterung, der starre Heckflügel und der große Frontsplitter? Alles typische Ingredenzien, die stark nach Rennsport riechen.

Behringer holt aus: Grundsätzlich wolle man mit dem GrandGT auf Basis Panamera Turbo einmal mehr zeigen, was TECHART konstruktiv, gestalterisch und nicht zuletzt auch handwerklich alles drauf hat. Ob eigene Sattlerei oder hochspezialisierte Karosserieteile-Fertigung im Haus: Die Qualitätssicherung obliegt dem Chef, genauso wie die Interpretation zukünftiger Kundenwünsche.

So lag es laut Behringer nahe, die Form des Panamera noch mehr zu »dynamisieren«, dem Thema »mehr Dampf« einzuhauchen, kurzum: ihn in ein »Supercar« zu verwandeln. Aber – darauf legt er Wert – ohne Anspruch auf Renntauglichkeit. Mit sichtbar mehr Muskeln und unter Beibehaltung der natürlichen Proportionen. Das Body Building in Form schlüssig angepasster und piekfein verarbeiteter Verbreiterungen aus Kohlefaser-Materialien lässt den GrandGT bei gleicher Höhe und Länge um 80 Millimeter in die Breite gehen.

Infolge zusätzlicher Spurverbreiterung mithilfe 23, beziehungsweise 43 Millimeter starken Distanzscheiben und des riesigen, 22 Zoll großen Leichtbau-Felgensatzes vom Typ Formula IV pflegt der in »Nano Grey« lackierte Grand GT entsprechend seines Namens einen Auftritt, der schon im Stand erheblichen Respekt einflößt. Selten solche Reifenformate gesehen: 285/30 ZR 22 vorne und 335/25 ZR 22 hinten.

Als grelle, bunte Farbkleckse im grau-schwarzen Gewand stechen von Außen betrachtet einzig die riesigen Bremssättel ins Auge, die aber – wie in diesem Fall alle Technik unterhalb des Body Kits – Porsche-Serienstand sind. Das gilt auch für den 550 PS starken V8-Biturbo, der sich beim GrandGT unter einer Motorhaube breitmacht, die in ihrer handwerklichen Eleganz und materialtechnischen Klasse – reinste Kohlefaser – schon für sich betrachtet ein Kunstwerk darstellt.

Orange trifft Nano-Grey – das Wechselspiel der Farben ist hier Programm.

Vom Cockpit aus blickt man direkt in einen mittig eingelassenen, breiten Entlüftungsschacht, der, wie Behringer betont, technisch aber erst dann so richtig an Relevanz gewinnt, wenn die von TECHART demnächst angebotene Leistungsstufe mit 640 PS und etwas später eine zweite mit 750 PS den Wärmehaushalt des großen Verbrenners zusätzlich anheizt.

Das Wechselspiel der Farben zwischen Außenansicht und Innenraum sei, so der Ästhet, ein typisches Stilmittel, das in allen TECHART-Produktionen eingesetzt wird. So bilden die vielen, aber geschmackvoll eingesetzten, hier Orange-farbenen Applikationen in Form von Nähten, Lederbezügen und -oberflächen einen sympathischen Kontrapunkt zu den ansonsten sehr technisch anmutenden Außenfarben Nano Grey und Gloss Black. Mit schnöden Kunststoffen kommen die Insassen des TECHART GrandGT so in keinem Fall mehr in Berührung.

In schmeichelnder Vollleder-Ausstattung beherbergt und von künstlerisch-ambitioniertem Ambiente verwöhnt, könnten sie tatsächlich auf die Idee kommen, mit der Verwandlung habe sich auch das Wesen des Panamera verändert. Aber das täuscht gewaltig. Der Fahrer weiß ein Lied davon zu singen…

»Mit einem ärmlich ausgestatteten Basismodell kommt hier keiner auf den Hof.«

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