facebook_pixel

»Automobildesign ist heute eine Art Quantum-Design.«

Interview
&
Fotos

Matthias Mederer

Auf der IAA stellt Maserati mit dem neuen Ghibli die Gegenwart vor. Klaus Busse, Designchef von Maserati aber ist schon weiter. An der Hochschule für Transportation in Pforzheim wollte er von Studenten wissen, wie der Maserati der Zukunft aussieht.

Maserati feiert auf der IAA die Europapremiere des neuen Ghibli, der im Zuge eines Facelifts vor allem an Front und Heck neue Züge zeigt. Das ist die Gegenwart. Da Designer und Entwickler aber immer auch ein Stück weit in der Zukunft leben, beschäftigte sich Maserati Designchef Klaus Busse ein Semester lang  mit den Studenten der Hochschule für Transportation in Pforzheim und mit der Frage: Wie sieht der Maserati von morgen aus Sicht der Designer von morgen aus?

Zurück an die Uni. Alles auf Anfang. War das die grundlegende Intention für dieses Projekt?
Grundsätzlich arbeiten wir immer wieder mit Hochschulen zusammen. Das ist ganz normal. Und da ist die renommierte Hochschule in Pforzheim natürlich eine der besten Adressen der Welt. Mir ging es in diesem Projekt vor allem darum, das Ohr auf den Schienenstrang zu legen und zu hören, was denn die Meinung dieser jungen Designer mit Blick auf Maserati ist.

Was haben Sie gehört?
Manches hat mich überrascht. So gab es durchaus die Meinung, Maserati sei bisher sehr elegant und man könne optisch deutlich lauter und aggressiver werden. Andere ordneten die Marke schon sehr genau dort ein, wo wir sie auch sehen: also bei einer eleganten Sportlichkeit mit Fokus auf Eleganz.

Das Projekt ging über ein Semester. Es gab mehrere Treffen, in denen man sich ausgetauscht hat. Wie weit waren die Studenten im Vorfeld mit der Maserati DNA vertraut?
Sie haben zum Glück vieles nicht berücksichtigt. Denn genau das wollten wir. Mein Ziel war eine Stimulation zu erhalten und nicht zu sehen, woran wir selbst arbeiten. Natürlich haben wir ihnen unsere Idee von Maserati, eben diese Verbindung aus Eleganz und Sportlichkeit, dargestellt, aber ansonsten freien Lauf gelassen. Es war sehr spannend zu sehen, wie die Studenten damit umgegangen sind, denn die einen haben das gut zusammen geführt, andere wiederum haben gesagt: nein, wir sollten viel stärker voneinander abgrenzen. Da waren ganz radikale Konzepte dabei, die die These aufwerfen: Wenn ich etwas Sportliches habe, ist es nicht mehr elegant. Tolle Ansätze, die zu sehr guten Diskussionen geführt haben.

»Design ist ein Teamprozess. Wir arbeiten in demokratischen Strukturen, nicht in einer Diktatur.«

Sie sehen sich selbst also eher als Teamchef wie bei einer Fußballmannschaft?
Das kommt auf den Tag an. Manchmal bin ich der Trainer, der sagt: Du bist drin, du nicht. Im operativen alltäglichen Prozess bin ich wohl eher eine Art Mannschaftskapitän, der schon mit auf dem Platz steht und dafür sorgt, dass wir als Team sprechen. Wenn wir uns einen Alfa Romeo anschauen, will ich wissen wie Fiat oder Maserati Designer denken und umgekehrt. Das Team ist immer stärker als der Individualist.

Hand aufs Herz, wie viele der Ideen nehmen Sie jetzt mit nach Turin und verkaufen Sie dort als Ihre eigenen?
(lacht) Das werde ich sicherlich nicht tun. Tatsächlich aber bieten wir zwei Studenten ein Praktikum an. Es reicht heute nicht, den Leuten einfach einen Job nach der Uni anzubieten. Design ist ein Teamprozess. Wir arbeiten in demokratischen Strukturen, nicht in einer Diktatur. Ich mag der Kopf sein, aber ich habe in meinem Team bessere Designer als mich. Es ist wichtig, dass dieses Team auch menschlich zusammenpasst. Bei Maserati arbeiten Menschen aus allen Teilen der Erde an italienischem Design. Das muss passen. Es muss immer die Mischung aus Talent und Charakter passen und das lässt sich in einem Praktikum gut erkennen. Für beide Seiten.

»Ich kann jedem Kunden nur raten, einmal seinen Alfa oder seinen Maserati mit der Hand zu waschen.«

Ticken die jungen Designer von heute anders als noch zu Ihrer Studentenzeit?
Definitiv. Es gibt mittlerweile viele Unterschiede. So hat sich das Handwerk geändert. Ein Rendering hat zu meiner Zeit neun Stunden gedauert und ich musste mir exakt überlegen, was ich machen will. Heute machen die Jungs das mit Photoshop in zwei Stunden und wenn sie etwas ändern möchten, dauert das 30 Sekunden. Die gehen also ganz anders, unbefangener, an ein Rendering heran. Ich musste mir im Vorfeld lange Gedanken machen und habe dann nach stundenlanger Arbeit meinen Entwurf abgeliefert, der für sich stand. Heute fragen die Designer mich, möchtest du das so, oder eher so? Und dann zeigen sie mir 20 Möglichkeiten. Es ist heute mehr eine Art Quantum-Design, das auf vielen Ebenen existiert und sich entwickelt.

Wenn alles digital im Minutentakt verändert werden kann, geht da nicht das Gefühl für den Körper – den ein Auto nun mal darstellt – verloren?
Wichtiger Punkt. Lassen Sie mich hier kurz ausholen. Wie schon gesagt arbeiten wir bei Maserati in einem internationalen Team aus Menschen, nichtsdestotrotz machen wir alle italienisches Design. Für mich ist das wie beim Espresso. Die Bohnen kommen aus der ganzen Welt, das Produkt am Ende aber, der Espresso also, ist zu tiefst italienisch. Hier kommt das Bewusstsein für den Körper ins Spiel. Natürlich ist es uns wichtig im Prozess Technologien dort einzusetzen, wo sie uns helfen, wo sie uns schneller machen – mittlerweile ist der Designprozess doppelt so schnell wie noch vor zehn Jahren. Aber genauso viel Wert legen wir auf den manuellen Prozess. Eine Idee mag am Computer entworfen werden, aber ab einem bestimmten Level gehen wir auf manuelle 3D-Darstellung über. Und dann lässt der Designer auch nicht einfach den Modelleur mit seinen Skizzen alleine, sondern er ist beim Entstehungsprozess dabei, sieht wie der Körper entsteht und wirkt. Ich kann jedem Kunden nur raten, einmal seinen Alfa oder seinen Maserati mit der Hand zu waschen.

»Für mich ist das wie beim Espresso. Die Bohnen kommen aus der ganzen Welt, das Produkt am Ende aber, der Espresso also, ist zu tiefst italienisch.«

Die neue rampstyle #15: jetzt versandkostenfrei mit dem Gutschein-Code RAMPSTYLE15 bestellen. Verstanden

Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close