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Bugatti Chiron: Als wäre es ein Ampelstart

Text
Horst von Saurma

Fotos
Bugatti Automobiles S.A.S.

In 32,6 Sekunden, beziehungsweise nach 2,6 Kilometern Anlauf hat er 400 km/h erreicht. 9,3 Sekunden oder 491 Metern später steht er wieder. Die ganze Übung findet auf einer Strecke von nur 3,1 Kilometer Länge statt. Und sie dauert nur 42 Sekunden. Der Bugatti Chiron hat soeben einen neuen Weltrekord aufgestellt. Der Fahrer, Juan Pablo Montoya, steigt aus, schüttelt breit grinsend den Kopf und fragt: »Darf ich noch mal?«

Eigentlich ist es eine ganz andere Zahl, eine, die überhaupt nicht in den Zahlenstrang passt, die uns aber trotzdem den allerhöchsten Respekt abringt – es ist nicht die 2,4, die für die Beschleunigungszeit bis 100 km/h steht, auch nicht die 6,1 (bis 200 km/h) oder die 13,1 (bis 300 km/h).

Es ist die 17, die uns fasziniert.

Sie steht – ganz banal – für die Anzahl der Versuche, die Ex-Formel 1-Star Juan Pablo Montoya unternommen hat, um für Bugatti einen Weltrekord in der neuen Wertungsdisziplin für Supersupersportwagen zu fahren: Die Beschleunigung von Null auf 400 km/h mit anschießender Vollbremsung bis zum Stillstand. Die Übung dauert im 1500 PS starken und mit 1600 Newtonmeter antretenden Chiron insgesamt nur 42 Sekunden – 32,6 Sekunden für den ersten Teil der Übung und 9,3 Sekunden für den zweiten Teil, für die Vollbremsung zurück auf Null – und das 17 mal hintereinander.

Mit einem Fahrer am Volant, der, wie Bugatti-Präsident Wolfgang Dürheimer sagt, »die Entspanntheit selbst« ist und wegen der im Cockpit herrschenden Leichtigkeit des Seins weder einen Helm noch einen feuerfesten Anzug getragen habe.

Als seien es banale Ampelsprints, habe sich auch der 2,5 Millionen Euro teure und auf 500 Exemplare limitierte Chiron angesichts des 17maligen, auf zwei Tage verteilten Kraftakts völlig unbeeindruckt gezeigt – weder ungewöhnliche Hitzewallungen, noch bremsentechnische Vorkommnisse. Zwischendurch keine neuen Bremsbeläge oder wenigstens neue Bremsbeläge? »Nichts dergleichen.«

Dazu muss man wissen, dass der von vier Turboladern aufgeladene Achtliter-16-Zylinder unter Volllast 60 000 Liter Luft pro Minute umsetzt und dabei mehr als 3000 PS in Form von Wärme entstehen.

Auch die Höchstleistungen in Sachen negativer Beschleunigung kommen auch nicht von ungefähr: Die vorne 420 Millimeter, hinten 400 Millimeter großen Karbon-Keramik-Scheiben werden von massiven acht, beziehungsweise Sechskolben-Bremssätteln in die Zange genommen. Hilfestellung erhält die Bremsanlage von dem 1,50 Meter breiten Heckflügel, der sich bei Vollbremsungen im 49-Grad-Winkel als Airbrake in den Wind stellt und bei 400 km/h einen aerodynamischen Abtrieb von zusätzlich 900 Kilogramm bewirkt.

Die Reifen, Spezialmischungen von Michelin, haben bei 400 km/h Furchtbares zu leisten: Sie müssen pro Rad Drehmomente von bis zu 5000 Newtonmeter auf die Straße übertragen. Aus einem Gramm Gummi werden durch die Fliehkräfte 3800 Gramm. Die Verzögerungsleistungen von bis zu 2 g entsprechen ungefähr denen, die beim Start eines Space Shuttles entstehen.

Gemessen an der höchsten Geschwindigkeit, die der zweifache Gewinner der Indy 500-Serie während der Versuchsreihen erreichte – 420 km/h –, nimmt sich sein Rekord im IndyCar-Rennwagen fast bescheiden aus: 407 km/h.

Der Vorgänger des Chiron, der 1200 PS starke Veyron 16.4 Super Sport war 2010 bereits mit einer Vmax von 431 km/h vorstellig geworden. Die Marke sollte, so Bugatti-Chef Dürheimer, bei dem im nächsten Jahr neu angesetzten Rekord-Versuch locker zu überbieten sein.

Montoya hat sich bereits angemeldet. Ob er dann einen Helm mitbringt, ist fraglich.

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