facebook_pixel

Kill Grill oder: die japanische Kampfansage von Lexus

Text
Horst von Saurma

Fotos
Presse

Einst mussten sie sich bei Lexus den Vorwurf gefallen lassen, langweilig zu sein. Das hat sie in ihrer Ehre verletzt. Jetzt antworten sie japanisch scharf: mit dem Lexus LC 500 und weit mehr als nur einem markanten Kühlergrill.

Für Quentin Tarantino dürfte die Geschichte des Lexus LC 500 uninteressant sein. Zu wenig Gemetzel, zu wenig Blut. Und die Panflöte spielt auch niemand. Zudem hat er mit Kill Bill dem Rachefeldzug mit Hilfe einer handgeschmiedeten japanischen Präzisionsklinge bereits das genreprägende Filmdenkmal gesetzt. Und dennoch enthält die Geschichte des Lexus LC 500 alle notwendigen Elemente eines guten Actionfilms; vielleicht nicht unbedingt mit dem Hauptthema Rache, aber die Wiederherstellung der persönlichen Ehre nach Demütigung darf als zentrale Motivation durchaus ernst genommen werden. Wohin so etwas führen kann, lässt sich seit mehr als fünfzig Jahren spektakulär in einem Lamborghini erfahren. Der Traktorenbauer soll einst ja auch nur deshalb mit dem Bau von Sportwagen begonnen haben, weil ihm seitens eines gewissen Herrn Enzo Ferrari die notwendige Wertschätzung versagt blieb.

Ganz soweit wie Lamborghini ist Lexus freilich noch nicht. Aber hier liegt die Schmach auch erst sechs Jahre zurück. Im Jahr 2011 anlässlich einer Präsentation des Lexus GS in Pebble Beach wurde offen der Vorwurf gegenüber Lexus geäußert, die Produktpalette sei langweilig. Das, so will es die Legende, habe Akio Toyoda, CEO von Toyota, nach eigenem Bekunden in einen »Fight mode«, also in Kampfstimmung versetzt. Kurz darauf wurde Lexus direkt der Verantwortung von Toyoda unterstellt. Es fällt an dieser Stelle nicht all zu schwer, sich vorzustellen, wie Akio Toyoda schweigend die Rückreise antrat und zuhause einen Meister für japanische Kampfklingen aufsuchte, mit der Bitte, ihm doch eine angemessene Waffe zu schmieden. Und ganz unbedingt müsse es die schärfste Waffe sein, die der Meister jemals angefertigt habe. Ein Jahr später wurde die Konzeptstudie LF-LC vorgestellt. Dann hörte man fünf Jahre lang erst mal gar nichts mehr.

Und nun das Resultat: Lexus LC 500. Ein Coupé, das der vielbeachteten Studie fast wie aus dem Gesicht geschnitten daher kommt und optische Anklänge an den legendären Überflieger Lexus LFA ausweist. Sie erinnern sich? Das war der 560 PS starke, von einem hochdrehenden Zehnzylinder-Sauger angetriebene Supersportler mit einer Karosserie aus Kohlefaser-Verbundwerkstoffen – und einem Klang zum Verbeugen. Er war auf lediglich 500 Exemplare limitiert, den gewünschten Image-Schub konnte er trotz seiner sportlichen Expertise nicht herbeizaubern – dazu war er zu selten.

Anders der LC 500. Er hat das Zeug dazu. Der Grundpreis beträgt für beide Versionen, also für den mit einem Achtzylinder-Sauger ausgestatteten LC 500 und für die sechszylindrige Hybrid-Variante LC 500h 99.200 Euro. Selbst die teuerste Ausführung, der V8 mit »Performance Paket« geht preislich vergleichsweise höflich an den Start: 110.000 Euro sind eine Kampfansage. BMW M6, Jaguar F-Type und Mercedes AMG GT sind – um nur einige zu nennen – in höheren Preisregionen unterwegs.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Die gemäßigte Preispolitik allein ist es nicht, die das neue Coupé aus Japan so attraktiv erscheinen lässt. Schon mit einigem Abstand ist erkennbar, dass unter der Regie von Chefentwickler Koji Sato kein Blender entstanden ist, sondern ein Gran Turismo mit dem Anspruch zum Ehrenmann. Die hohe Solidität bis in die letzte Fuge und die bewundernswerte Liebe bis ins kleineste Detail zeugen von einem Ehrgeiz, der wohl nur dadurch zu erklären ist, dass das Projekt seinen Anfang mit einer schmachvollen Bezichtigung nahm.

Die Einführung des Coupés ist in seiner Bedeutung weit mehr als nur eine spannende und technologisch interessante Ergänzung der bestehenden Modellpalette. Die Wirkung des emotionalen Designs und die Performance sind laut Lexus Manifestationen eines radikalen Wandels der Marke. Dazu muss man wissen, das Lexus mit erst 28 Jahren ein noch blutjunger Automobilhersteller ist.

Mit beispielhafter, von sogenannten Takumi-Meistern zelebrierter Handwerkskunst, beweist dieser Lexus vom Start weg eine Verarbeitungsgüte, die – sagen wir – locker Bentley-Niveau erreicht. Aber nicht etwa als Selbstzweck, sondern der Intention geschuldet, Ergonomie mit interessanter Designsprache und bester Handwerkskunst auf einen Nenner zu bringen. Und ja, der typisch japanische Pinselstrich ist nach wie vor erkennbar. Es wäre auch jammerschade, wenn dem nicht so wäre. Man beachte in diesem Kontext nur das kunstvolle Heckleuchten-Arrangement, und man weiß, wes Geistes Kind das neue Coupé ist.

Mit welcher Akribie und Leidenschaft sich das Design- und Entwicklungsteam um Sato-san während sechs Jahren Entwicklungszeit in die Aufgabe gestürzt hat, lässt sich erst dann ermessen, wenn das Auge die Linien der gestreckten, zweitürigen Karosserie verlässt und die Mikrowelt der Stoffe, Nähte und Schweißraupen fokussiert.

Nichts erscheint zufällig, alles wirkt durchdacht. Die Sitzposition etwa ist sowohl für Fahrer als auch für den Passagier ein Segen, und zwar für jede erdenkliche Statur. Das Gefühl des perfekten Eingebundenseins ins System hält längsten Fahrdistanzen und selbst den Kräften hoher Querbeschleunigungen stand.

Und immer wieder der Genuss haptisch und gefühlstechnisch perfektionierter Oberflächen: Seien es die Türöffner, der Gangwählhebel, das Lenkrad oder die edlen Sitzbezüge mit kühlender oder auch wärmender Wirkung: eine schmeichelnde Art, die Menschen im Cockpit für sich einzunehmen. Die Fondsitze sind allerdings – so bequem sie auch aussehen – nicht für Erwachsenen-Transporte geeignet. Neben dem 197 Liter fassenden Kofferraum erfüllen sie aber als zusätzlicher Stauraum einen guten Zweck.

Ja, es gibt einige wenige Kritikpunkte, die dem Design-Diktat angelastet werden können. Das vergleichsweise flache Navi-Display und die keinen Schriften der Infografik gestalten das Ablesen für Leute mit Leseschwäche nicht ganz einfach. Auch die Bedienlogik ist nicht in allen Punkten selbsterklärend. Die besondere Coupé-Form bringt es überdies mit sich, dass die Übersicht nach schräg hinten eingeschränkt ist. Was wir aber sehen, ist ein 4,77 Meter langes, 1,92 Meter breites und 1,345 Meter flaches Coupé mit ansonsten vorzüglichen Anlagen – sofern der Einsatzzweck nicht der regelmäßige, noch dazu mit Ehrgeiz betriebene Besuch einer Rennstrecke ist.

Der in allen Ansichten sich wiederspiegelnde Luxus-Gedanke hat nämlich zwangsläufig ein Gewicht zufolge, das knapp an die zwei-Tonnen-Marke reicht. Im Alltag ist von der stattlichen Masse nicht viel zu spüren. Die Lenkungs-Kennlinien sind so geschickt gewählt, dass der LC 500 selbst mit dem bulligen Fünfliter-V8 in der Front ausnehmend leichtfüßig daherkommt. Überhaupt gibt es in Sachen Berechenbarkeit im Grenzbereich nichts zu meckern. Selbst der Abrollkomfort des auf Runflat-Reifen rollenden Sport-Coupés geht voll in Ordnung.

So rückt der Sound des Achtzylinders mit der Unnachahmlichkeit eines großvolumigen Saugers in den Mittelpunkt des Geschehens – rhythmisch getaktet von einem mit zehn Gängen aufwartendem Automatikgetriebe. Bei dieser Vielfalt könnte man sich im Dschungel der Übersetzungsverhältnisse fast verlieren – sofern man im manuellen Modus unterwegs ist. Im D-Modus passiert es, dass die Automatik gleich vier oder mehr Gänge im Schnellverfahren herunterschaltet, sobald der Gasfuß etwas fordernder agiert.

Was im V8-Umfeld wegen der reizvollen Klangentwicklung als lohnender Beitrag zur Unterhaltung und nebenbei auch zur Effizienz-Steigerung entdeckt wird, kann in der Hybrid-Variante zuweilen etwas nerven. Obwohl das Hybridgetriebe grundsätzlich nur vier Stufen aufweist, wird im D-Modus quasi eine 10-Gang-Automatik simuliert. So wie die Gangstufen hier im Schnelldurchlauf wechseln, wirkt es nervös – einem 359 PS starken Sport-Coupé nicht unbedingt angemessen. Man lässt es also automatisch etwas ruhiger angehen oder schaltet selbst und freut sich am sparsamen Umgang: 6,4 Liter auf 100 Kilometer – nicht ganz die Hälfte von dem des V8-Modells (11,5 Liter).

Der Fünfliter-V8-Motor gibt trifft bei der Kampfansage dann doch den passenderen Ton. Dabei ist sein Klang nicht zornig oder aggressiv. Mit anfangs leiser, kaum hörbarer Stimme setzt er sich akustisch erst dann in Szene, wenn ihm höhere Drehzahlen abverlangt werden. Auch dann mit vorzüglicher Laufkultur, aber heiserem Gebell und – als unterhaltsame Intermezzi – mit frech vorgetragenem Zwischengas-Grollen beim Herunterschalten. Der Sprint auf 100 km/h lässt sich in 4,6 Sekunden bewältigen. Und in Sachen Höchstgeschwindigkeit steht eine 270 auf dem Tacho.

Aber ganz ehrlich: Sich der Raserei hingeben zu wollen, hieße, das Wesen des Lexus LC 500 zu verkennen. Obwohl: Im »Fight mode« sind – wie gesehen – Überraschungen nicht ausgeschlossen. Und im Grunde beginnt diese Geschichte ja jetzt erst so richtig.

Die neue rampstyle #15: jetzt versandkostenfrei mit dem Gutschein-Code RAMPSTYLE15 bestellen. Verstanden

Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close