Asphalt. Flimmern.

Milan Schijatschky ist Schweizer, Zahnarzt – und das, was man einen Ausnahmefotografen nennt. Eine Annäherung an den heute 90-Jährigen, der sich nicht für Stars, sondern für Menschen interessiert.
Text Herbert Völker
Bild Milan Schijatschky

Die meisten Schweizer heißen Amann, Hunziker oder Zurbriggen. Als Schijatschky bekommst du gleich mal ein Fragezeichen. Sein Vater war Schwarzschneider (also nur Smoking, Frack) im Südosten und hat sich selbst und den Namen schon vor mehr als hundert Jahren exportiert. Milan, geboren 1930, ist also ein unverdächtiger Schweizer, und natürlich kann er auch so reden, dass wir kein Wort verstehen. Zur Sicherheit hat er dann noch eine Schweizerin geheiratet und wurde Zahnarzt – damit bist du in Zürich schon mal auf der sicheren Seite und hast Raum zur Entfaltung. So ging er zum wissenschaftlichen Arbeiten an die Uni in Chicago, just in den letzten Jahren des Blue Note Chicago, wo sie alle auftraten, von Louis Armstrong bis Chet Baker, von Dizzie Gillespie bis Woody Herman. Schijatschky fotografierte.

Auf Schijatschky hatte niemand gewartet. Aber er war vertrauenswürdig, kein Springinsfeld mehr, noch dazu Zahnarzt – aus Zürich!

Zurück in Zürich wurde Schijatschky ein immer ernsthafterer Mediziner mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen, dazwischen setzte er aber ganz normale Goldplomben ein und fotografierte für Magazine, oft in Amerika. Ende der 1960er-Jahre weckten die Kollegen von Powerslide Milans Interesse für die Formel 1, es gab ja Siffert und Regazzoni, und das halbe Starterfeld wohnte sowieso in der Schweiz.

Die damaligen Fotografen – Schlegelmilch, Kräling, Rottensteiner, Engländer, Italiener, Franzosen – näherten sich schon durchaus der Höhe der Kunst, auf den Dr. Schijatschky hatte niemand gewartet. Er hatte aber den Vorteil, dass er nach einem Wochenende keine Agenda abzuliefern hatte, dass er ohne jede Hast auftreten und einfach auf spezielle Momente warten konnte.

Schijatschky hatte den Vorteil, dass er ohne jede Hast auftreten und auf spezielle Momente warten konnte.

Außerdem war er extrem vertrauenswürdig, kein junger Springinsfeld mehr, noch dazu Zahnarzt – aus Zürich! Und jeder ist ein bissl entspannter, wenn er einen guten Zahnarzt mit einer reputierlichen Adresse kennenlernt.


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