Dahlonega House: Es werde Licht

Der Architekt David Jameson ist einerseits detailversessen. Andererseits beherrscht er die große Geste aus Stahl, Sichtbeton und Holz. Zu bewundern am Dahlonega House in Bethesda, Maryland. Das übrigens gerade zum Verkauf steht – für 3,5 Millionen Dollar.
Text Bernd Haase
Bild Sotheby's

Es war irgendwann in den Nullerjahren, als der amerikanische Architekt David Jameson ein neu fertiggestelltes Bundesgebäude in San Francisco genau unter die Lupe nahm. Es war gerade für sein Layout und sein umweltfreundliches Design ausgezeichnet worden. Jameson untersuchte alle Details haarklein, von den Lüftungsschlitzen bis zu den Ausgängen. Bis eine Polizeistreife ihn kontrollierte – weil sie ihn für einen potenziellen Terroristen hielt.



Für radikale Umtriebe ist dieser David Jameson weniger bekannt. Radikal kann er allerdings schon werden. Wenn er auf Häuser trifft, die so gar nichts von Helligkeit und Leichtigkeit und Moderne versprühen. So ähnlich muss es ihm auch gegangen sein, als er in die Dahlonega Road in Bethesda gerufen wurde. Ein einstöckiger Ziegelbau im Rancho-Stil stand da, einen Steinwurf vom Potomac River und eine gute Auto-Viertelstunde von Washington, D.C., entfernt. Perfekte Lage, optimierbare Architektur. Zum Glück verkörperte der Auftraggeber Jamesons Ideal eines Kunden: »Einer, der Herausforderungen begrüßt und für Ideen empfänglich ist.«

Jameson fing an mit seinem Lieblingsmaterial: dem Licht, das er mit weißem Beton, verschiedenen Hölzern und Stahl kombinierte.

Jameson fing an mit seinem Lieblingsmaterial: dem Licht, das er mit weißem Beton, verschiedenen Hölzern und Stahl kombinierte. Für den zentralen Wohnbereich hob er die Decke an, öffnete sie und setzte einen zentralen Glaskubus darauf, sodass sich das Wohnzimmer über zwei Stockwerke erstreckt und mit Licht durchflutet wird. Dazu kommt ein zentral angeordneter Kamin aus geflammtem, freitragendem Granit. Der Blick fällt in Richtung Essbereich und Gourmetküche. Den dominanten Edelstahlherd kombinierte er mit Holzverkleidungen aus Lärche, die wiederum einen angenehmen Kontrast zur Kühle der Marmorplatten der Arbeitsfläche bilden.

Über eine handgeschmiedete, leicht wirkende Treppe geht es in die zweite Ebene, wo Jameson ein Studio mit großer Glasfront, Badezimmer und begehbarem Kleiderschrank installiert hat. Die überdachte Terrasse bietet dazu einen Panoramablick auf den Potomac. Die Glasfassade wird hier übrigens kontrastiert von dunkler Holzverkleidung, die mithilfe der japanischen Shou Sugi Ban-Technik versiegelt wurde – das Holz wird sorgfältig verkohlt und so vor Witterungseinflüssen geschützt.

Nicht zu vergessen der Weinkeller. Selbst dieser wirkt luftig und leicht mit den Flaschen, die frei im Raum zu schweben scheinen.

Im Untergeschoss dann die Schlaf- und Kinderzimmer mit Lounge, Bad und einem weiteren Familienraum sowie der Zugang zum terrassenförmigen, baumbestandenen Garten mit Swimmingpool. Nicht zu vergessen der Weinkeller. Selbst dieser wirkt luftig und leicht mit den Flaschen, die frei im Raum zu schweben scheinen. Es sind solche Details, die Jamesons Arbeit mit auszeichnen – und für die er als Inspiration dann auch mal andere Gebäude so lange studiert, bis die Polizei kommt.

Mehr Informationen:

sothebysrealty.com


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